Mund-Nasen-Schutz für Kinder gefährlich?

In allen Bundesländern gilt die Maskenpflicht ab einem bestimmten Alter auch für Kinder. Sie soll helfen, die Zahl der mit SARS-CoV-2 Infizierten niedrig zu halten. Ob sie Gefahren birgt, erklären Experten

von Stephanie Arndt, mit Material der dpa, aktualisiert am 20.11.2020

Kinder mit Mund-Nasen-Schutz – an diesen Anblick haben wir uns mittlerweile alle gewöhnt. Je nach Corona-Bestimmungen der Bundesländer müssen auch Kinder die Mund-Nasen-Bedeckung tragen, zum Beispiel in Geschäften, Verkehrsmitteln, Schulen und anderen Räumlichkeiten, in denen sich Menschen verschiedener Hausstände begegnen. Meist gilt dies ab dem sechsten beziehungsweise siebten Lebensjahr, nur in Sachsen-Anhalt schon ab zwei Jahren. Für jüngere Kinder ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung generell freiwillig.

Kinder und Mundschutz: Ist das gefährlich?

Prof. Dr. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie, am Universitätsklinikum Essen, sieht die Maskenpflicht für kleinere Kinder zwar mit gemischten Gefühlen: "Es ist grundsätzlich fraglich, ob sie den Schutz überhaupt und über längere Zeit korrekt tragen können. Also enganliegend über Mund und Nase ohne seitliche Lücken. Vor der Grundschule ist das aus meiner Sicht nicht möglich – und auch später, je nach Alter, zumindest eine große Herausforderung."

Dr. Beate Leinberger, Vorsitzende vom Berufsverband der Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen e.V. in Wiesbaden pflichtet ihm bei: "Das Tragen ist sogar für viele Erwachsene belastend. Kinder bewegen sich deutlich mehr, toben und rennen. Der Stoff vor Mund und Nase könnte dann auch in Schulbussen oder Bahnen als lästig empfunden – und einfach abgenommen werden. Selbst von älteren Kindern."

Bei Kleinkindern hält Leinberger eine Verpflichtung für gar nicht umsetzbar. "Sie können sich noch nicht an Regeln halten und sollten auch nicht zum Tragen gezwungen werden."

Doch für generell gefährlich halten Experten eine Maskenpflicht für Kinder nicht – entgegen mancher Behauptungen in sozialen Netzwerken. Das Tragen einer Maske stelle eine Gefahr für das Wohl des Kindes dar und könne sogar zum Tod führen, heißt es dort zuweilen.

Angeblich sammle sich durchs Ausatmen unter dem Mundschutz schädliches Kohlendioxid, das zu Atemlähmungen führen könne. Prof. Dr. Johannes Hübner, Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie kann hier entwarnen: "Das ist Quatsch. Die verbrauchte Atemluft entweicht durch die einfachen Alltagsmasken. Diese sind ja nicht hermetisch abgedichtet."

Zu viel CO2 durch den Mund-Nasen-Schutz?

Angenommen, ein Kind würde tatsächlich nicht genügend Sauerstoff oder zu viel CO2 einatmen, dann würde es müde werden und sich abgeschlagen fühlen, so Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. In diesem Fall würde das Kind den Mund-Nasen-Schutz von allein abnehmen. "Davon stirbt man aber auf gar keinen Fall", erklärt der Experte, denn: "Das CO2 ist ein Gas und bleibt im Stoff nicht hängen." Dominic Dellweg, Chefarzt für Pneumologie am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft, veranschaulicht das: "Wenn Luft durch die Maske geht, gehen auch Sauerstoff und CO2 durch."

Aber warum atmet man mit Mund-Nasen-Schutz schlechter? Er stellt allgemein – unabhängig von Sauerstoff und CO2 – einen Widerstand für die Atmung dar. Dadurch erhöhe sich die Atemanstrengung und das Gehirn könne eine Luftnot melden, erklärt Dellweg. Deshalb rät er zu einer "sehr gut durchatembaren" Maske für Kinder. Im Gegensatz zu den medizinischen Produkten gibt es bei den sogenannten Community-Masken dafür keine Norm.

Allgemein gilt für Kinder, die noch nicht das Grundschulalter erreicht haben, aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin eine "Kann-Empfehlung" für Masken. Säuglinge sollten der Empfehlung zufolge keinen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Bei Kindern, die aufgrund einer Erkrankung in ihrer Herz- oder Lungenfunktion eingeschränkt sind, soll das Risiko der Maske individuell mit dem Arzt abgeklärt werden. Ein Beispiel: Asthmakranke Kinder können bei einem Anfall in Atemnot geraten. In so einem Fall verschlechtert die Maske nach Worten von Dominic Dellweg die Situation.

Überzeugen statt Überreden

Und wie motiviert man Kinder am besten zum Tragen einer Stoff- oder Einwegsmaske, wenn sie keine Lust haben? "Erklären Sie die Situation ruhig und altersgerecht", rät Leinberger. "Etwa ab dem Schulalter begreifen Mädchen und Jungen, dass es eine Krankheit gibt, vor der wir uns und andere mit einem Mund-Nasen-Schutz besser schützen können", sagt die Therapeutin. Laut der Expertin helfen folgende Tipps:

  • Seien Sie ein Vorbild. Kindern fällt es leichter, wenn Sie sehen, dass auch Mama und Papa sich an die Vorgaben halten und eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Vergleichbar mit dem Fahrradhelm oder Sicherheitsgurt im Auto.
  • Machen Sie es gemeinsam. Legen Sie sich zusammen die Stoff- oder Einwegsmaske an. Auch hier hilft der Nachahmungseffekt, wie beim Händewaschen. Sie können zudem kontrollieren, ob die Mund-Nasen-Bedeckung gut sitzt und überall eng anliegt.
  • Belohnen Sie. Trägt Ihr Kind die Mund-Nasen-Bedeckung wie es muss? Dann loben und belohnen Sie es, etwa mit einem gemeinsamen Spiel- oder Bastelnachmittag.

Stoffmasken reichen - aber trotzdem Abstand halten

Im Internet und auf privaten Verkaufsplattformen: überall gibt es mittlerweile kunterbunte, kleine Masken für Kinder. Auch selbstgenähte Exemplare erfüllen laut Virologen Dittmer ihren Job. "Normale Stoffmasken bieten zwar keine 100-prozentige Sicherheit, trotzdem helfen sie, nicht nur andere, sondern auch sich selbst vor einer Tröpfcheninfektion zu schützen." Dittmer rät zu Varianten, die einen Einsatz für ein dünnes Stück Vlies haben. Dies reduziere zusätzlich das Risiko, dass Tröpfchen durchdringen.

Auch mit Maske ist es für Groß und Klein nach wie vor wichtig, sich an den Sicherheitsabstand von 1,50 bis zwei Metern zu halten. Nach dem Ablegen der Maske ist gründliches Händewaschen mit Seife das A und O. Einwegmasken gehören sofort in den Restmüll. Und wiederverwendbare Varianten? Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt, wiederverwendbare Masken bei mindestens 60 Grad Celsius zu waschen.