Trotz Corona: Babys weiter stillen!

Muttermilch ist für Babys das gesündeste Nahrungsmittel – doch beim Stillen haben Mutter und Kind engen Kontakt. Wie schützen sie sich am besten vor einer Ansteckung? Empfehlungen der Stiftung Kindergesundheit zur richtigen Hygiene im Wochenbett und zu Hause

von idw / Stiftung Kindergesundheit, aktualisiert am 25.05.2020

Selten haben Menschen einen so innigen Kontakt miteinander wie beim Anlegen eines Babys an die Mutterbrust. Doch viele stillende Mütter sind verunsichert: Könnte ich mein Kind ausgerechnet dabei mit dem Coronavirus anstecken? Die Stiftung Kindergesundheit gab im März Entwarnung und betont: Die Muttermilch bleibt auch in Coronazeiten die optimale Nahrung für das Wachstum und die gesunde Entwicklung eines Kindes.

"Nach unserem aktuellen Wissenstand wird das Coronavirus COVID-19 hauptsächlich über winzige Tröpfchen aus Mund und Rachen beim Niesen, Husten und Sprechen übertragen, ganz ähnlich wie das bei manchen ansteckenden Kinderkrankheiten oder bei der Virusgrippe Influenza der Fall ist", sagt der Münchner Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Eine Ansteckung durch verunreinigte Oberflächen könne ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. "Für eine Ansteckung durch infizierte Mütter während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen fand man jedoch bei den bisherigen – zugegebenermaßen wenigen – Studien keine Hinweise", unterstreicht Professor Koletzko.

Nur in seltenen Fällen können beim Stillen auch Infektionen übertragen werden, betont die Stiftung Kindergesundheit in ihrer aktuellen Stellungnahme. Coronaviren scheinen nach bisherigen Erkenntnissen nicht über die Muttermilch übertragen zu werden. In einer Untersuchung mit stillenden Frauen, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren, konnte die RNA, also das Erbgut des Virus, zwar inzwischen teilweise auch in der Muttermilch nachgewiesen werden. Dies bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass sich auch infektionsfähige Viren in der Muttermilch befinden oder befunden haben.

Anders liegt die Risikolage bei der Übertragung des Virus durch den engen Kontakt beim Umgang mit dem Baby. Sollte bei einer Mutter eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bereits bestätigt worden sein, sollte sie unbedingt eine Reihe von Hygiene-Vorkehrungen treffen, um das Risiko der Übertragung auf ihr Baby zu vermindern. Das gleiche empfiehlt sich auch für jene Mütter, bei denen durch erste Krankheitssymptome ein Verdacht auf eine Infektion besteht.

Mundschutz auch während des Stillens

In solchen Fällen empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit in Übereinstimmung mit der internationalen "Academy of Breastfeeding Medicine" und der deutschen "Nationalen Stillkommission" folgendes Vorgehen:

  • Vor und auch nach dem körperlichen Kontakt mit dem Kind sollte die Mutter gründlich die Hände waschen. Gründlich heißt: etwa zwanzig Sekunden lang. "Das ist länger als man denkt", sagt Professor Berthold Koletzko: "Etwa so lange dauert es, das Lied ‚Happy birthday‘ zweimal hintereinander zu singen".
  • Es empfiehlt sich das Anlegen eines Mundschutzes vor dem Aufnehmen des Kindes und auch während des Stillens, um die Übertragung von Tröpfchen zu verhindern.
  • Kann die Mutter ihr Kind nicht stillen, kann die Muttermilch auch abgepumpt und dem Baby durch den Vater oder eine andere Person gefüttert werden. Vor dem Abpumpen sollte die Mutter die Hände gründlich waschen, bevor sie Teile der Pumpe oder des Fläschchens berührt. Pumpe und Fläschchen sollten nach jedem Gebrauch desinfiziert werden – zum Beispiel durch Waschen mit 70 Grad heissem Wasser und wenig Spülmittel sowie anschliessendem gründlichen Ausspülen.
  • Mütter, die sich noch in der Geburtsklinik befinden oder aus anderen Gründen stationär aufgenommen worden sind, sollten sich durch die Kinder- und Jugendärzte der Klinik beraten lassen.
  • Zur häuslichen Handhygiene gehört die Verwendung eines alkoholhaltigen Handdesinfektionsmittels.