Der Mama-Coach: Erfüllte Partnerschaft

Familie ist etwas Wunderbares. Und doch verliert man sich als Paar manchmal aus dem Blick. Zeit, seine Partnerschaft neu mit Liebe zu füllen

von Tanja Misiak, 31.05.2019

Unser drittes Kind ist jetzt eineinhalb, mein Mann beruflich viel unterwegs, als Paar haben wir manche Durststrecke hinter uns. Wenn wir für unsere Zeit zu zweit keinen Termin festlegen – mit Eintrag im Kalender – geht diese regelmäßig unter. Einkäufe, Termine, die Arbeit oder der Schlaf abends erscheinen uns dringender. Zeit zu zweit ist wesentlich für eine Partnerschaft. Das ist das eine. Ob es gut läuft, zeigt sich jedoch vor allem im Alltag: wenn etwas schiefgeht, Einkäufe vergessen wurden, die Kinder schlecht gelaunt sind. Solche Situationen stellen auch meine Partnerschaft auf die Probe. Wir versuchen, hier aufmerksam zu sein.

Prinzip der Wechselwirkung

In einer Beziehung stehen wir immer in Wechselwirkung miteinander. Wenn es Streit gibt, ist nie nur einer schuld. Negative Wechselwirkungsmuster laufen in vielen Partnerschaften unbewusst ab und sind deshalb machtvoll. Erkennen wir die Muster, können wir sie in positivere umwandeln, uns als Paar weiterentwickeln.

Was man in die Beziehung mitbringt

Hier hilft die Arbeit mit Persönlichkeitsanteilen, die jeder mit in die Beziehung bringt. Welcher Anteil in uns auf welchen Anteil des anderen reagiert, können wir lernen zu erkennen. Persönlichkeitsanteile, die für die Beziehung relevant sind, stammen oft aus der Kindheit. Haben wir etwa früh gelernt, mit unserer Meinung lieber hinterm Berg zu halten und uns anzupassen, tragen wir dieses Muster wahrscheinlich in unsere Beziehung. Der Partner weiß dann nicht, was los ist, bis wir explodieren. Der verantwortliche Anteil könnte hier "das/der brave Mädchen/Junge" sein, das/der sich vor Rücksichtnahme selbst vergisst. Belastende Wechselwirkungen ziehen Energie aus unserem Alltag. Liebe und Dankbarkeit füreinander gehen auf Dauer verloren. Als Paar an diesen Mustern zu arbeiten, lohnt sich. Es ermöglicht, Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen oder anders darauf zu reagieren. Wie das gelingt, zeigt Ihnen unsere Übung:

Übung: Belastendes erkennen

Diese Reflexionsübung können Sie allein oder mit Ihrem Partner machen. Sie benötigen nur Stift und Zettel. Falls Sie beide teilnehmen, sollten erst einmal jeder für sich seine Antworten auf die unten stehenden Fragen notieren.

Erinnern Sie sich an eine Situation mit Ihrem Partner, die Sie gerne besser verstehen und zukünftig anders erleben möchten. Schreiben Sie sie stichwortartig auf.

Was beobachte ich? Gewinnen Sie etwas Abstand, und schlüpfen Sie in die Position des Be­obachters: Was tun, was sagen Sie in der Situation? Was Ihr Partner? Notieren Sie es sich. Bleiben Sie objektiv und beschreibend.

Was fühle ich? Schreiben Sie auf, wie es Ihnen geht mit dem, was Ihr Partner in der Situation tut und sagt.

Was streckt dahinter? Halten Sie Ihre Gefühle auf Abstand. Überlegen Sie: Welches Bedürfnis könnte für die beschriebenen Gefühle verantwortlich sein? Erkennen Sie einen Anteil, der dafür verantwort­lich sein könnte? Was braucht er?  

Versetzen Sie sich nun in die Lage Ihres Partners: Wie geht es ihm mit dem, was Sie tun und sagen? Nehmen Sie hier so gut wie möglich den Standpunkt Ihres Partners ein.

Halten Sie Ihre Gefühle auf Abstand. Welches Bedürfnis könnte dafür verantwortlich sein, dass sich Ihr Partner so fühlt? Welcher Anteil steht dahinter? Was braucht er?

Überlegen Sie: Wie können Sie sich um Ihre gegenseitigen Bedürfnisse kümmern? Tauschen Sie sich dann mit dem Partner darüber aus. Entscheiden Sie gemeinsam, wo sie achtsamer miteinander umgehen wollen.

Mehr als Stress

Sollten Sie merken, dass Sie stark ­gestresst sind oder Sie diese Gefühle nicht unter Kon­trolle bringen, dann wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder einen Psychotherapeuten. Auch die Telefonseelsorge kann ein erster Anlaufpunkt sein: 0800/11 101 11

Wertschätzung und Dankbarkeit zeigen

Wir fühlen uns alle gerne gesehen und gewertschätzt. Sagen Sie Ihrem Partner mindestens einmal am Tag, was er gut gemacht hat, worüber Sie sich gefreut haben. Gleich in der Situation oder auch abends mit etwas Ruhe. Zum Beispiel, wie wunderbar er mit den Kindern spielt, wie froh Sie sind, dass er eingekauft, aufgeräumt, das Auto aufgetankt hat... Oder Sie schreiben sich gegenseitig kleine Dankesbotschaften auf Notizzettel oder als SMS. Es stärkt ungemein, jeden Tag dankbar für- und miteinander zu sein.