Ab wann dürfen Babys Kuhmilch trinken?

Im Brei erlaubt, in der Flasche aber nicht? Die Empfehlungen zur Kuhmilch in der Beikost verwirren viele Eltern. Eine Klärung

von Sabine Hoffmann, 27.12.2017

Kalziumlieferant, Vitaminspender, Energie-Kick: Kuhmilch ist ein prima Munter­macher. Zudem stecken in ihr viel hochwertiges Eiweiß, leicht ver­­dauliches Fett sowie kurzkettige Kohlenhydrate in Form von Milchzucker (Laktose), die vom Körper schnell verwertet werden können. Allerdings: Für Babys sieht die Sache etwas anders aus.

Darum kann Kuhmilch schaden

Vor allem der hohe Proteingehalt der Kuhmilch (auch in fettarmer Milch) würde die Nieren der Kleinen zu stark belasten. Überflüssiges Eiweiß wird nämlich in Harnstoff umgewandelt und über die Nieren mit dem Urin abtransportiert. Ist der Eiweißkonsum zu hoch, schaffen es die Nieren nicht mehr, den Harnstoff aus dem Blut zu filtern. Eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München ergab zudem: Das Risiko, übergewichtig zu werden, ist bei Kin­dern, die eine proteinreiche Säuglingsnahrung bekommen, zweieinhalb Mal höher als bei jenen mit proteinarmer Ernährung.

1. Die Milch im Brei

Als Zutat im Milch-Getreide-Brei dürfen Babys ab dem sechsten Monat durchaus etwas Kuhmilch bekommen. Rühren Mama oder Papa den Brei an, geben sie maximal etwa 200 ml Vollmilch dazu. Ob Frisch- oder H-Milch, ist egal. Damit ist dann die Tages­ration ausgeschöpft. Mehr Milch und Milchprodukte sollte das Baby nicht erhalten, Muttermilch ausgenommen. Prof. Dr. Heiko Witt, Leiter der Pädiatrischen Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München und am Else Kröner-Fresenius-Zentrum, empfiehlt daher sogar, den Brei mit Premilch anzurühren.

2. Die Milch im Fläschchen

Wird das Baby nicht oder nicht ausschließlich gestillt, gehört industriell gefertigte Säuglingsanfangsnahrung ins Fläschchen, keine Kuhmilch. Diese enthält deutlich mehr Eiweiß und Mineralstoffe als Mutter­milch. Überschüssiges und Abbauprodukte werden mit dem Urin ausgeschieden. Dabei geht auch mehr Wasser verloren.

3. Ausnahmen erlaubt?

Ja, aber nur verdünnt. Ab dem zweiten Lebenshalbjahr des Kindes dürfen Eltern im Ausnahmefall schon mal etwas lockerer sein, etwa wenn sie vergessen haben, Premilch zu kaufen. "Dann verdünnen Sie die Vollmilch mit Wasser im Verhältnis 1:1, besser noch 1:2, also ein Drittel Milch, zwei Drittel Wasser", so Heiko Witt. Gegen Ende des ersten Lebensjahres, wenn die Kleinen am Familientisch mitessen, darf Vollmilch in den Becher – zum Frühstück oder zum Abendbrot, maximal 200 Milliliter am Tag.