Juckreiz in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft juckt die Haut plötzlich stark? Es bilden sich Rötungen, Knötchen oder Bläschen? Diese Symptome können auf eine Schwangerschaftsdermatose hindeuten

von Nele Langosch und Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 19.10.2020

Warum juckt die Haut in der Schwangerschaft?

Weil ihr oft Feuchtigkeit fehlt. Gerade im Winter spannt die Haut. Bei Schwangeren bewirkt die Hormon­umstellung häufig zusätzlich, dass die Haut trocken wird. "Dies ist der Hauptgrund für Juckreiz in der Schwangerschaft", erklärt Dr. Claudia Zeidler, Dermatologin und stellver­­tretende Leiterin des Kompetenz­zentrums für chronischen Pruritus (Fachbegriff für Juckreiz) am Universitätsklinikum Münster.

Was hilft, wenn die Haut trocken ist und spannt?

Eine rückfettende Pflegecreme. "Sie sollte keine ätherischen Öle enthalten, nicht zu stark parfümiert sein und bei einer Neigung zu Allergien ohne Substanzen aus Korbblütlern wie ­etwa Calendula und Arnika auskommen", sagt Anna Rachow, Apothekerin und Inhaberin von drei Apotheken in Oppenheim und Nierstein bei Mainz. Präparate, die Menthol, Polidocanol oder Urea, also Harnstoff, enthalten, hemmen hingegen den Juckreiz zusätzlich und dürfen auch in der Schwangerschaft verwendet werden. Spannt die Haut am Bauch sehr, empfiehlt die Apothekerin ein Vollbad mit Meersalz (dazu vier Esslöffel Meersalz ins Wasser geben). ­Einigen Schwangeren helfen auch kühlende Gele mit Aloe vera oder regel­mäßige kalte Duschen.

Wie können Schwangere dem Juckreiz vorbeugen?

Indem sie die Haut mindestens einmal täglich eincremen – am besten von Anfang an. Ob Creme, Lotion, Öl oder Gel hängt vom Hauttyp und von den Beschwerden ab. Bei starkem Juckreiz eignen sich leichtere Lo­tionen oder kühlende Gele. Bei sehr trockener Haut ist eine reichhaltigere Rezeptur sinnvoll. Zudem können Schwangere ihre Haut beim Duschen mit einem Massageschwamm verwöhnen. Nicht zu heiß duschen, das trocknet aus.

Wann sollten Schwangere zum Arzt?

"Bei starkem Juckreiz, der plötzlich auftritt, bitte sofort zum Arzt gehen", sagt Claudia Zeidler. Dann können spezifische Hauterkrankungen vorliegen, sogenannte Schwangerschaftsdermatosen. Aber auch, wenn der Juckreiz mit Hautveränderungen wie ­Rötungen oder Bläschen einhergeht, sollten Schwangere ihn schnellstmöglich untersuchen lassen.

Welche Schwangerschaftsderma­tose tritt am häufigsten auf?

Die atopische Schwangerschafts­dermatose, die sich durch sehr tro­ckene Haut und flächige, juckende Rötungen an Körperstellen wie Ellen­beugen, Kniekehlen oder Gesicht zeigt. Bei anderen bilden sich Knötchen an Oberkörper, Armen oder Beinen. Die ato­pische Schwangerschafts­derma­tose tritt oft bei Frauen auf, die eine Veranlagung für Neurodermitis, ­Asthma oder Allergien haben, häufig schon zu Beginn der Schwangerschaft.

Und wenn vor allem die Schwangerschaftsstreifen jucken?

"Juckreiz am Bauch ist typisch, weil sich das Bindegewebe stark dehnt", erklärt Anna Rachow. Wenn sich an den Schwangerschaftsstreifen aber Rötungen, Bläschen oder ein Ausschlag zeigen, der sich über Bauch und Oberschenkel ausbreitet, kann es sich um die polymorphe Schwangerschaftsdermatose (PUPP) handeln. Sie entsteht meist erst in den letzten Wochen vor der Geburt und ist zwar nervig, aber harmlos. Betroffen sind vor allem Erstgebärende und Frauen, die Mehrlinge erwarten.

Welche spezifischen Hauterkrankungen gibt es noch?

Selten bilden Schwangere Antikörper, die das eigene Gewebe angreifen. Sie können zu juckenden Entzündungen und Blasen führen, vor allem im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel. Diese Autoimmun­erkrankung wird Pemphigoid gestationis genannt. Bei der sogenannten Schwangerschaftscholestase ist dagegen die Gallenfunktion beeinträchtigt. Die Erkrankung äußert sich im späteren Schwangerschaftsverlauf (ab der 13. Schwangerschaftswoche) durch starken Juckreiz ohne Hautveränderungen – oft zuerst an Handflächen und Fußsohlen. Juckreiz, der ohne Hautveränderungen auftritt, ist also ­immer ein Warnsignal und ­sollte unverzüglich von einem Arzt abgeklärt werden.

Wann ist das Baby in Gefahr?

"Bei einigen Schwangerschaftsdermatosen wird eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt beziehungsweise für eine Plazenta-Insuf­fi­zienz berichtet", sagt Zeidler. Deshalb sollten Schwangere bei Verdacht da­rauf den Arzt aufsuchen. Am gefährlichsten ist die Schwanger­­schafts­cholestase. "Ein schwerer oder un­behandelter Verlauf kann die Leberfunktion der Mutter beeinträch­tigen", erklärt Zeidler. "Im schlimmsten Fall kann es zu vorzeitigen Wehen bis hin zu einer Totgeburt kommen." Zum Glück ist die Schwangerschafts­cholestase relativ selten.

Wie werden Schwangerschafts­dermatosen und die Schwangerschaftscholestase behandelt?

Je nach Diagnose unterschiedlich: Die Dermatosen werden äußerlich zum Teil mit kortisonhaltigen Cremes, in anderen Fällen mit antialler­gischen Mitteln behandelt. Bei einer Schwangerschaftscholes­tase helfen Präparate, die die Ausscheidung von Gallensäuren anregen. Die gute Nachricht für werdende Mütter: Bei allen Erkrankungen verschwindet der Juckreiz nach der Geburt meist innerhalb weniger Wochen wieder.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Ursache: Wie kommt es zu einer atopischen Schwangerschafts-dermatose?

Einer atopischen Schwangerschaftsdermatose liegt eine bestimmte erbliche Veranlagung, die sogenannte atopische Diathese, zugrunde. Dieser Begriff bedeutet, dass eine genetisch bedingte Neigung zu Neurodermitis, Heuschnupfen und allergischem Asthma bronchiale besteht. Eine solche Veranlagung vermutet der Arzt, wenn die Patientin selbst oder einer ihrer nächsten Verwandten an trockener Haut oder an mindestens einer der Krankheiten des atopischen Formenkreises leidet.

Menschen, bei denen diese Krankheiten in der Familie liegen, haben ein erhöhtes Risiko, irgendwann selbst Neurodermitis zu entwickeln. Häufige Auslöser sind dabei Infekte, kaltes Winterwetter und psychischer Stress. Außerdem führt die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft zu bestimmten Veränderungen im körpereigenen Abwehrsystem, die bei Frauen mit einer atopischen Diathese neue Ekzeme hervorrufen und bereits bestehende verschlechtern können.

Symptome: Wie äußert sich eine atopische Schwangerschaftsdermatose?

In vielen Fällen tritt diese Hautkrankheit bereits im ersten oder zweiten Drittel der Schwangerschaft auf. Bei zirka 20 Prozent der Betroffenen macht sich die Dermatose als deutliche Verschlechterung einer schon zuvor bestehenden Neurodermitis bemerkbar. Bei etwa 80 Prozent der Patientinnen hingegen tritt das atopische Ekzem erstmalig auf oder zum ersten Mal seit der Kindheit.

Die atopische Schwangerschaftsdermatose äußert sich in etwa zwei Drittel der Fälle in Form flächiger Rötungen an den Stellen, die typisch für ein atopisches Ekzem sind. Diese sind Gesicht, Hals, Dekolleté, Ellenbeugen und Kniekehlen. Ein Drittel der Betroffenen hingegen leidet an hautfarbenen oder leicht geröteten Knötchen (Papeln). Diese können wenige Millimeter klein und in großer Anzahl regellos über Oberkörper, Arme und Beine verteilt sein. Oder sie messen bis zu einem Zentimeter und treten vor allem am Rücken und an den Streckseiten von Armen und Beinen auf. Alle Formen der atopischen Schwangerschaftsdermatose werden von starkem Juckreiz und trockener Haut begleitet.

Wenn eine Betroffene später wieder schwanger wird, leidet sie mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut an einer atopischen Schwangerschaftsdermatose. Die Gesundheit des ungeborenen Kindes ist durch die Hautkrankheit nicht gefährdet.

Allerdings zeigt die atopische Schwangerschaftsdermatose an, dass die Mutter grundsätzlich zu Erkrankungen des atopischen Formenkreises neigt. Da diese Veranlagung an die nächste Generation weitergegeben wird, hat das Kind ein erhöhtes Risiko, im Laufe seines Lebens ebenfalls allergische Krankheiten wie Nahrungsmittelallergien, Asthma bronchiale oder Heuschnupfen zu entwickeln.

Diagnose: Wie stellt der Arzt eine atopische Schwangerschaftsdermatose fest?

Der Arzt fragt die Patientin, ob bei ihr selbst oder bei einem nahen Verwandten zu irgendeinem Zeitpunkt Hauttrockenheit oder eine Erkrankung des atopischen Formenkreises bestanden hat. Anschließend untersucht der Arzt die gesamte Haut mit dem bloßen Auge. Dabei sucht er auch nach Hautveränderungen, die auf eine der drei anderen Schwangerschaftsdermatosen hinweisen könnten. In unklaren Fällen entnimmt er Hautproben (Biopsien) zur feingeweblichen Untersuchung und veranlasst spezielle Blutuntersuchungen.

Behandlung: Was hilft bei atopischer Schwangerschaftsdermatose?

Wichtig: Arzt und Patientin müssen vor jeder Behandlung ausführlich besprechen, welche Therapie sinnvoll ist und welche Nebenwirkungen auftreten können.

Patientinnen mit atopischer Schwangerschaftsdermatose sollten es vermeiden, ihre Haut weiter auszutrocknen: Sie sollten lieber kurz duschen als ausgiebig baden und anstelle einer alkalischen Seife eine milde hautfreundliche Waschlotion verwenden. Außerdem sollten die Betroffenen morgens und abends sowie nach jedem Duschen die Haut mit einer rückfettenden Salbe oder Creme pflegen. Ist die Haut sehr trocken, empfiehlt es sich, das Hautpflegemittel noch öfter zu benutzen. Diese Basistherapie sollte langfristig erfolgen. Der Arzt oder Apotheker berät zur Auswahl geeigneter Produkte.

Damit die Hautveränderungen schneller abheilen, kann der Arzt – nach Abwägen von Nutzen und Risiken – ein mildes Kortisonpräparat (Glukokortikoid) in Form einer Salbe oder Creme verordnen. Ergänzend kann in der Hautarztpraxis eine Lichttherapie (Phototherapie) mit UVB-Strahlung durchgeführt werden. In besonders schweren Fällen kann es sinnvoll sein, für einige Tage zusätzlich ein Glukokortikoid, vorzugsweise den Wirkstoff Prednisolon, als Tablette einzunehmen. Wenn eine atopische Schwangerschaftsdermatose konsequent behandelt wird, bessern sich die Hautveränderungen meistens innerhalb einiger Tage.

Um den oft quälenden Juckreiz zu lindern, können die Betroffenen bei Bedarf, eventuell auch mehrmals täglich, eine Creme oder Lotion mit dem Wirkstoff Polidocanol auftragen. Die Anwendung gilt in der Schwangerschaft als unbedenklich. Besonders wirksam sind diese Mittel, wenn sie im Kühlschrank aufbewahrt und im kalten Zustand auf die Haut aufgetragen werden. Unterstützend können die werdenden Mütter bestimmte antiallergische Arzneimittel (Antihistaminika) einnehmen.

Bei all diesen Maßnahmen gilt die generelle Regel: nur nach Rücksprache mit dem Arzt!

Autorin und Expertin:

Dr. med. Angela Unholzer ist Hautfachärztin mit den Zusatzbezeichnungen Allergologie und Dermatohistologie. Ihre Facharztweiterbildung absolvierte sie an der Dermatologischen Universitätsklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Augsburg. An der letztgenannten Klinik leitete sie von 2006 bis 2012 als Funktionsoberärztin die Lichtabteilung, die dermatologische Tagesklinik und die allgemeindermatologische Ambulanz. Anschließend war sie in einer Praxis in der Nähe von Augsburg tätig. Seit 2014 ist sie in einer eigenen Praxis in Donauwörth niedergelassen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Die polymorphe Schwangerschaftsdermatose wird auch als Pruritic urticarial papules and plaques of pregnancy (PUPPP; englisch "juckende quaddelartige Knötchen und Plaques in der Schwangerschaft") bezeichnet. Betroffen sind vorwiegend Erstgebärende, aber auch Frauen, die Zwillinge oder Drillinge erwarten und/oder in der Schwangerschaft sehr stark an Gewicht zugenommen haben.

Ursache: Wie kommt es zu einer polymorphen Schwangerschaftsdermatose?

Die genaue Ursache konnte noch nicht geklärt werden. Vermutlich schädigt die Überdehnung der Haut das Bindegewebe. Dabei entstehen möglicherweise Strukturen, auf die das Immunsystem mit einer Entzündung reagiert. Zu dieser Annahme passt, dass die polymorphe Schwangerschaftsdermatose genau dann auftritt, wenn die Haut am stärksten überdehnt ist, und dass die juckenden Knötchen zuerst innerhalb der Dehnungsstreifen (Striae distensae) entstehen.

Symptome: Wie äußert sich eine polymorphe Schwangerschaftsdermatose?

Die Hautkrankheit macht sich typischerweise erst in den letzten Wochen der Schwangerschaft bemerkbar: Plötzlich treten neue Dehnungsstreifen (Striae distensae) auf. Diese jucken stark, röten sich und schwellen quaddelähnlich (urtikariell) an. In den darauf folgenden Tagen entstehen in den anderen Bereichen von Bauch, Gesäß und Oberschenkeln gerötete Knötchen (Papeln) sowie rote, zentimetergroße, plateauartig geformte Knoten (Plaques). Die Nabelregion ist in der Regel nicht betroffen.

Im Laufe einiger Wochen werden die Hautveränderungen vielgestaltig, das heißt polymorph (griechisch polys "viel", morphe "Gestalt, Form"): Neben angeschwollenen (urtikariellen) Papeln und Plaques entstehen nun auch flächige, teilweise schuppende oder krustig belegte Rötungen sowie stecknadelkopfgroße Bläschen. Große Blasen gehören hingegen nicht zu den Symptomen einer polymorphen Schwangerschaftsdermatose.

Nur bei wenigen Betroffenen tritt die Erkrankung in weiteren Schwangerschaften erneut auf. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Haut aufgrund einer Mehrlingsschwangerschaft besonders stark überdehnt wird. Die Gesundheit des Kindes ist nicht gefährdet.

Diagnose: Wie stellt der Arzt eine polymorphe Schwangerschaftsdermatose fest?

Der Arzt fragt die Patientin nach ihrer Krankheitsgeschichte und untersucht die gesamte Haut mit dem bloßen Auge. In schwierigen Fällen veranlasst er zusätzlich Blutuntersuchungen und/oder feingewebliche Untersuchungen von Hautproben (Biopsien), um ähnlich aussehende Krankheiten auszuschließen. 

Behandlung: Was hilft bei polymorpher Schwangerschaftsdermatose?

Wichtig: Patientinnen sollten die geeignete Behandlung auf jeden Fall mit dem Arzt absprechen!

Als Therapie kann der Arzt ein mildes Kortisonpräparat (Glukokortikoid) in Form einer Salbe oder Creme verschreiben. Nach jedem Duschen sowie bei Bedarf sollten die betroffenen Frauen außerdem eine rückfettende Creme oder Lotion auftragen. Wenn dieses Hautpflegemittel die Substanz Polidocanol enthält und im kalten Zustand angewandt wird, hilft es besonders gut gegen den Juckreiz. Falls dies nicht ausreicht, kommen zusätzlich bestimmte antiallergische Arzneimittel (Antihistaminika) infrage.

Allerdings müssen Arzt und Patientin vor der Anwendung ausführlich klären, welche Vor- und Nachteile die Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft hat.

Nur im Falle einer sehr schweren polymorphen Schwangerschaftsdermatose verordnet der Arzt für wenige Tage ein Glukokortikoid in Form von Tabletten. Der Wirkstoff Prednisolon hat dabei den Vorteil, dass er bereits im Mutterkuchen (Plazenta) weitgehend abgebaut wird und das Ungeborene somit kaum beeinflusst.

Autorin und Expertin:

Dr. med. Angela Unholzer ist Hautfachärztin mit den Zusatzbezeichnungen Allergologie und Dermatohistologie. Ihre Facharztweiterbildung absolvierte sie an der Dermatologischen Universitätsklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Augsburg. An der letztgenannten Klinik leitete sie von 2006 bis 2012 als Funktionsoberärztin die Lichtabteilung, die dermatologische Tagesklinik und die allgemeindermatologische Ambulanz. Anschließend war sie in einer Praxis in der Nähe von Augsburg tätig. Seit 2014 ist sie in einer eigenen Praxis in Donauwörth niedergelassen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Ursache: Wie kommt es zu einer intrahepatischen Schwangerschaftscholestase?

Bei dieser Krankheit ist die Ausscheidung von Gallensäuren vorübergehend gestört. Unter einer Cholestase versteht man eine Verringerung der Galleausscheidung. In der Allgemeinbevölkerung kommt dies in den meisten Fällen dadurch zustande, dass der Abfluss der Galle in den großen ableitenden Gallenwegen durch ein mechanisches Hindernis behindert wird, zum Beispiel durch einen Gallenstein. Dann spricht man von einer extrahepatischen Cholestase (lateinisch extra "außerhalb", griechisch hepar "Leber").

Vergleichsweise selten wird hingegen eine intrahepatische Cholestase beobachtet (lateinisch intra "innerhalb"). Hierbei ist die Ausscheidung von Gallensäuren durch die Zellen der Leber gestört.

Im Fall einer intrahepatischen Schwangerschaftscholestase wirken genetische Veranlagung und hormonelle Faktoren zusammen: Aufgrund einer erblichen Genveränderung weist ein Transportprotein, das für die Ausscheidung der Gallensäuren durch die Leberzellen verantwortlich ist, eine verminderte Funktion auf. Weibliche Hormone (Östrogene und Gestagene) hemmen den Abtransport der Galle zusätzlich. In den letzten Monaten der Schwangerschaft erreichen diese Hormone besonders hohe Blutspiegel.

Daher macht sich die Genveränderung typischerweise in der Spätschwangerschaft bemerkbar: Die Konzentration der Gallensäuren im Blut steigt an, und die werdende Mutter leidet an starkem Juckreiz.

Symptome: Wie äußert sich eine intrahepatische Schwangerschaftscholestase?

Das typische Krankheitszeichen ist heftiger Juckreiz am gesamten Körper. Dieser ist gelegentlich im Bereich von Handflächen und Fußsohlen besonders stark ausgeprägt. Die Haut sieht zunächst völlig unverändert aus. Erst wenn die Betroffene kratzt oder scheuert, werden Hautveränderungen wie Kratzspuren oder gerötete Knoten sichtbar. Ein Anstieg der Leberwerte im Blut wird nur in wenigen, besonders schweren Fällen beobachtet. Auch kommt es nur selten vor, dass der Blutspiegel des Farbstoffs Bilirubin ansteigt und dass Haut und Augenbindehäute sich gelblich verfärben (Gelbsucht, Ikterus).

Nach der Geburt sinken die Spiegel der weiblichen Hormone, die Konzentration der Gallensäuren im Blut normalisiert sich und der Juckreiz verschwindet. Wenn die Betroffene später wieder schwanger wird oder eine hormonelle Verhütungsmethode wie die Anti-Baby-Pille anwendet, kommt es fast immer erneut zu einer intrahepatischen Cholestase. Noch viel problematischer als der quälende Juckreiz der werdenden Mutter ist, dass die Gallensäuren in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes übertreten. Wenn eine intrahepatische Schwangerschaftscholestase nicht korrekt behandelt wird, drohen eine Frühgeburt sowie ein schwerer Sauerstoffmangel des Kindes während der Entbindung.

Diagnose: Wie stellt der Arzt eine intrahepatische Schwangerschaftscholestase fest?

Der Arzt fragt die Schwangere nach ihrer Krankengeschichte und erkundigt sich nach ähnlichen Erkrankungsfällen in der Familie. Dann untersucht er die gesamte Haut der Patientin. Dabei fahndet er auch nach Anhaltspunkten für eine andere Schwangerschaftsdermatose. Um die Diagnose zu sichern, nimmt er der Patientin Blut ab. Sie sollte für diese Untersuchung nüchtern sein. Der Arzt lässt dann unter anderem die Konzentration der Gallensäuren im Blut bestimmen.

Behandlung: Was hilft bei intrahepatischer Schwangerschaftscholestase?

Rückfettende Cremes und Lotionen, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Polidocanol, lindern den Juckreiz der Mutter, vermindern aber nicht das Risiko für das ungeborene Kind. Der Wirkstoff Ursodeoxycholsäure hingegen normalisiert den Blutspiegel der Gallensäuren und schützt das Kind vor den drohenden Gesundheitsschäden. Während der Behandlung kontrolliert der Arzt regelmäßig bei der Mutter Gallensäuren und Leberwerte.

Ursodeoxycholsäure besitzt für diese Indikation noch keine Zulassung, gilt aber als Mittel der Wahl. Arzt und Patientin müssen gemeinsam klären, ob und unter welchen Umständen die Therapie infrage kommt.

Zusätzlich sollte das ungeborene Kind engmaschig durch den Gynäkologen überwacht werden. Langfristig sollte die Mutter auf hormonelle Verhütungsmethoden wie die Anti-Baby-Pille verzichten und statt dessen lieber andere Verhütungsmethoden wählen.

Autorin und Expertin:

Dr. med. Angela Unholzer ist Hautfachärztin mit den Zusatzbezeichnungen Allergologie und Dermatohistologie. Ihre Facharztweiterbildung absolvierte sie an der Dermatologischen Universitätsklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Augsburg. An der letztgenannten Klinik leitete sie von 2006 bis 2012 als Funktionsoberärztin die Lichtabteilung, die dermatologische Tagesklinik und die allgemeindermatologische Ambulanz. Anschließend war sie in einer Praxis in der Nähe von Augsburg tätig. Seit 2014 ist sie in einer eigenen Praxis in Donauwörth niedergelassen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Ursache: Wie kommt es zu einem Pemphigoid gestationis?

Das Pemphigoid gestationis ist eine blasenbildende Autoimmunerkrankung der Haut (blasenbildende Autoimmundermatose). Die Ursache sind bestimmte Autoantikörper. Darunter versteht man spezielle Eiweißstoffe (Antikörper) des Immunsystems, die gegen körpereigene Substanzen (griechisch autos "selbst") gerichtet sind. Im Falle des Pemphigoid gestationis binden die Autoantikörper an eine Struktur mit dem Namen bullöses Pemphigoid-Antigen 2 (BPAg2, BP180), welche die Oberhaut auf der Lederhaut verankert. Die Bindung der Antikörper führt dazu, dass die Haut sich entzündet und sich die Oberhaut ablöst.

Vieles spricht dafür, dass die Autoantikörper primär nicht gegen die Haut, sondern gegen ein Molekül im Mutterkuchen (Plazenta) gebildet werden. Außerhalb der Schwangerschaft kommt die Erkrankung sehr selten vor – beispielsweise im Zusammenhang mit speziellen Unterleibstumoren, die ähnliche Gewebsstrukturen aufweisen wie die Plazenta.

Im Vergleich zur aktuellen Bezeichnung Pemphigoid gestationis (griechisch pemphix "Bläschen", lateinisch gestatio "Schwangerschaft") ist der ältere, beschreibende Krankheitsname Herpes gestationis irreführend: Herpes-Viren spielen bei der Entstehung dieser Krankheit keine Rolle. 

Symptome: Wie äußert sich ein Pemphigoid gestationis?

Typisch für das Pemphigoid gestationis sind stark juckende, quaddelartig angeschwollene Rötungen (urtikarielle Erytheme) sowie gerötete Knötchen (Papeln) und flache Knoten (Plaques). Diese erscheinen zunächst am Bauch, fast immer auch in der Nabelregion, und breiten sich dann auf die gesamte Haut aus. Innerhalb der Hautveränderungen bilden sich pralle, klare Blasen, die bei mechanischer Belastung platzen und nässende oberflächliche Hautdefekte (Erosionen) hinterlassen. Gleichzeitig treten an anderen Stellen neue Erytheme, Papeln, Plaques und Blasen auf.

In den meisten Fällen macht sich das Pemphigoid gestationis in der Spätschwangerschaft bemerkbar. Gelegentlich treten die Hautveränderungen auch schon in einer früheren Phase der Schwangerschaft auf. Unmittelbar nach der Entbindung verschlimmert sich die Erkrankung in der Regel, um im Laufe der folgenden Wochen bis Monate von selbst abzuheilen. Viele Betroffene leiden jedoch an erneuten Schüben, wenn sie ihre Regelblutung bekommen oder eine hormonelle Verhütungsmethode wie die Anti-Baby-Pille anwenden. Außerdem tritt das Pemphigoid gestationis in späteren Schwangerschaften zumeist wieder auf – dann mit immer früherem Beginn und schwererem Verlauf.

Häufiger als in anderen Schwangerschaften kommt es bei Müttern mit Pemphigoid gestationis vor, dass das ungeborene Kind nur langsam wächst. Der Geburtshelfer spricht dann von einem small-for-date baby, das heißt, einem Kind, das zu klein für sein Alter ist. Wenn während der Geburt Autoantikörper der Mutter in das Blut des Kindes gelangen, kann das Neugeborene ebenfalls Rötungen, Papeln, Plaques und Blasen entwickeln. Diese sind in der Regel nur gering ausgeprägt und heilen innerhalb weniger Tage bis Wochen spontan ab.

Diagnose: Wie stellt der Arzt ein Pemphigoid gestationis fest?

Der Arzt fragt die Schwangere nach ihrer Krankengeschichte und untersucht die gesamte Haut. Dabei sucht er gezielt nach den typischen Blasen und oberflächlichen Hautdefekten (Erosionen). Um die Diagnose zu sichern, entnimmt er zwei Hautproben (Biopsien) – die eine zur konventionellen feingeweblichen Untersuchung unter dem Mikroskop und die andere zur direkten Immunfluoreszenz-Untersuchung (DIF). Die letztgenannte Methode dient dazu, gebundene Antikörper in der Haut nachzuweisen. Außerdem lässt der Arzt im Blut der Patientin nach Anti-BP180-Autoantikörpern suchen.

Behandlung: Was hilft bei Pemphigoid gestationis?

Wichtig: Patientinnen sollten die geeignete Behandlung auf jeden Fall mit dem Arzt absprechen.

Solange bei der Patientin noch keine Blasen bestehen, genügt es normalerweise, die Rötungen, Papeln und Plaques mit einem Kortisonpräparat (Glukokortikoid) in Form einer Creme zu behandeln. Um den Juckreiz zu lindern, können die Betroffenen bei Bedarf, eventuell auch mehrmals täglich, eine Creme oder Lotion mit dem Wirkstoff Polidocanol im gekühlten Zustand auf die Haut auftragen. Unterstützend können die werdenden Mütter bestimmte antiallergische Arzneimittel (Antihistaminika) einnehmen.

Allerdings müssen Arzt und Patientin vor der Anwendung ausführlich klären, welche Vor- und Nachteile die Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft hat.

Wenn die Hautveränderungen besonders stark ausgeprägt sind oder wenn Blasen hinzukommen, kann der Arzt zusätzlich ein Glukokortikoid in Form von Tabletten verordnen. Welcher Wirkstoff zum Einsatz kommt, entscheiden Arzt und Patientin in Abhängigkeit von Nutzen und möglichen Risiken. Sobald sich der Hautzustand gebessert hat, reduziert der Arzt die Dosis allmählich.

Kurz vor der Geburt verschreibt er das Medikament wieder in höherer Konzentration. Damit beugt er der Verschlechterung des Hautzustandes vor, der einer Patientin mit Pemphigoid gestationis zu diesem Zeitpunkt droht.

Eine Mutter, die an einem Pemphigoid gestationis leidet, sollte langfristig auf hormonelle Verhütungsmethoden wie die Anti-Baby-Pille verzichten und auf andere Verhütungsmittel ausweichen, da weibliche Hormone einen neuen Krankheitsschub auslösen können. 

Autorin und Expertin:

Dr. med. Angela Unholzer ist Hautfachärztin mit den Zusatzbezeichnungen Allergologie und Dermatohistologie. Ihre Facharztweiterbildung absolvierte sie an der Dermatologischen Universitätsklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Augsburg. An der letztgenannten Klinik leitete sie von 2006 bis 2012 als Funktionsoberärztin die Lichtabteilung, die dermatologische Tagesklinik und die allgemeindermatologische Ambulanz. Anschließend war sie in einer Praxis in der Nähe von Augsburg tätig. Seit 2014 ist sie in einer eigenen Praxis in Donauwörth niedergelassen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.