Wie funktionieren Schwangerschaftstests?

Egal ob erstes, zweites oder drittes Baby – der Moment, der zeigt, ob es geklappt hat, gehört zu den aufregendsten überhaupt. Aber wie funktioniert ein Schwangerschaftstest? Und wie verlässlich ist er?

von Dr. Roland Mühlbauer, Julia Schulters, aktualisiert am 02.07.2018

Woher weiß der Schwangerschaftstest, ob ich schwanger bin?

Der Test weist das Schwangerschaftshormon Humanes Choriongonadotropin (kurz: ß-HCG) im Urin nach. Nach der Einnistung der befruchteten Eizelle wird das Hormon vom frühen Mutter­kuchen gebildet, um die Schwangerschaft zu erhalten. "Durch den sprunghaften Anstieg gleich zu Beginn eignet es sich hervorragend, um schon in der Frühphase eine Schwanger­schaft nachzuweisen", sagt Apothekerin Carina Eichenseer aus Hirschau.

Die Auswahl an Tests ist riesig. Welcher ist denn nun der beste?

Geschmackssache. Wer das magische Wort "schwanger" lieber schwarz auf weiß vom Test ablesen möchte, als Striche zu interpretieren, ist mit einem digitalen Test gut bedient. Schwangerschaftstests mit digitaler Wochenanzeige geben zusätzlich einen Hinweis darauf, wie lange die Schwangerschaft schon besteht. "Das könnte eventuell für Frauen mit eher unregelmäßigem Zyklus ganz interessant sein", meint Eichenseer.

Ab wann ist ein Schwangerschaftstest aussagekräftig?

Frühtests reagieren bereits auf eine HCG-Konzentration von 10 mlU/ml (Milli-International-Units pro Milliliter), ein Wert, der manchmal schon vier bis sechs Tage vor Ausbleiben der Periode erreicht wird. Allerdings: Ein großer Teil der Schwangerschaften geht noch vor der zu erwartenden Regel­blutung wieder ab. Ohne Frühtest hätte eine Frau also vielleicht gar nicht erfahren, dass sie schwanger war – so kann das Wissen sie belasten.

Standardtests lassen sich erst ab Fälligkeit der Pe­riode anwenden. Carina Eichenseer empfiehlt, mindestens bis zum Tag der fälligen Periode abzuwarten oder sogar noch ein, zwei Tage länger: "Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto aussagekräftiger ist das Ergebnis."

Was kostet ein Schwangerschaftstest?

Schwangerschaftstests gibt es bereits ab etwa vier Euro. Etwas mehr kosten die digitalen Tests.

Wie läuft ein herkömmlicher Schwangerschafts-Selbsttest ab?

Die üblichen Schwangerschaftstests sprechen ab zwei Wochen nach der Befruchtung des Eis beziehungsweise ab dem ersten Tag der ausbleibenden Menstruation auf eine Schwangerschaft an. Dabei löst das im Urin enthaltene HCG mit den auf dem Teststreifen befindlichen Enzymen eine chemische Reaktion aus.

Zu dem Zweck halten Sie den Teststreifen in den Urinstrahl. Entsprechend dem hCG-Gehalt entsteht im Ergebnisfenster eine Verfärbung. Am geläufigsten: Zwei Streifen = schwanger, ein Streifen = nicht schwanger.

Anmerkung zu Zeitangaben in der Schwangerschaft: Die Schwangerschaftswochen werden im medizinischen Gebrauch ab dem ersten Tag der letzten erfolgten Regelblutung gezählt – also eigentlich zwei Wochen früher, als die Befruchtung stattgefunden hat.

Schwanger trotz negativem Test – geht das?

Ja! "Wenn der Schwangerschaftstest zum Beispiel zu früh angewendet wurde", erklärt die Apothekerin. Nicht alle Frauen kennen den Fälligkeitstag ihrer Regelblutung hundertprozentig. Vielleicht hat sich auch der Eisprung verschoben oder die Einnistung der befruchteten Eizelle etwas länger gedauert. "Wer trotz negativem Ergebnis überzeugt davon ist, schwanger zu sein, sollte den Test zwei Tage später einfach noch mal wiederholen oder zum Frauenarzt gehen", rät Eichenseer.

Auch wenn die Schwangerschaft bereits mehr als 20 Wochen besteht, kann der HCG-Wert bereits wieder so stark abgesunken sein, dass der Test ihn nicht misst. Viele Bakterien im Urin können ebenfalls eine Ursache für einen falsch-negativen Test sein.

Bedeutet leicht positiv auch schwanger?

Strich ist Strich, und auch ein schwaches Ergebnis ist positiv. "Die Farbintensität des Streifens hängt von der Hormonkonzentration im Urin ab", erklärt Carina Eichenseer. Und die könne gerade am Anfang noch sehr schwach sein. Prinzipiell lasse sich der Test zu jeder Tageszeit durchführen. Die Apothekerin rät Frauen aber, den Test am besten mit dem ersten Morgenurin durchzuführen. "Über Nacht sammeln sich die Hormone im Urin und sind somit stärker konzentriert." Die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis eindeutiger ausfällt, sei daher morgens höher. Ist das Ergebnis positiv, sollte ein Arzt dies bestätigen.

Gibt es auch falsch-positive Ergebnisse?

Selten. "Bei einem positiven Ergebnis kann man eigentlich immer davon ausgehen, wirklich schwanger zu sein", sagt Eichenseer. Zwar produzieren auch bestimmte Tumore das Schwangerschafts­hormon, diese kommen aber extrem selten vor. Manche Frauen, die sich einer Kinderwunsch­behandlung unterziehen, bekommen das Schwangerschaftshormon gespritzt. Sie sollten ihren Gynäkologen fragen, welchen zeitlichen Abstand sie zum Test einhalten müssen, um kein falsch-positives Ergebnis zu bekommen.

Wichtig: Die meisten Tests haben nur zehn Minuten Aussagekraft. "Alles, was danach auf dem Teststreifen passiert, ist nicht gültig", sagt die Apothekerin. Der Test reagiere mit Luftfeuchtigkeit, der Urin trockne ein, durch all diese Dinge  kann eine Linie sowohl erscheinen als auch verschwinden. Ihr Tipp: "Den Test nach zehn Minuten in den Mülleimer werfen und bitte auch nicht mehr rausholen und nochmal draufschauen!"

Was ist von Schwangerschaftstest-Orakeln zu halten?

Nimmt die Strichstärke Tag für Tag zu, entwickelt sich die Schwangerschaft gut? Ist die Linie dick und farbig, wird es eher ein Mädchen, weil die HCG-Konzentration höher ist? "Das alles ist kompletter Unfug", sagt Carina Eichenseer. "Schwangerschaftstests eignen sich überhaupt nicht, um die genaue Menge eines Hormons zu bestimmen." Schließlich sei der Urin immer unterschiedlich konzentriert und die Menge, die auf dem Teststreifen lande, auch nie vergleichbar.