Magen-Darm-Erkrankung bei Kindern

Kaum etwas fürchten Eltern so wie ein Magen-Darm-Virus beim Nachwuchs. Weil es eklig ist. Und weil es für die Kleinen schnell gefährlich werden kann. Was Sie darüber wissen sollten

von Tanja Eckes, aktualisiert am 24.09.2018

Was sind die häufigsten Ursachen für Durchfall und Erbrechen?

"Die meisten Magen-Darm-Erkrankungen werden durch Viren ausgelöst," sagt Dr. Johanna Havran, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin aus Düsseldorf. "Vor allem Adeno-, Noro- oder Rotaviren verursachen Erbrechen und Durchfall. Teilweise sind auch Bakterien oder Parasiten verantwortlich." Da die Erreger hochinfektiös sind, stecken die Kleinen sich schnell bei erkrankten Spielgefährten oder Familienmitgliedern an. "Gerade in der Sommerhitze kann auch mal verdorbenes Essen schuld sein", erklärt Apotheker Moritz Stöber aus Taunusstein.

Welche Hausmittel und Medikamente helfen den kleinen Patienten?

Bei einem unkomplizierten Magen-Darm-Infekt endet der Spuk oft schnell von alleine wieder. Am wichtigsten bei Übelkeit und Erbrechen: den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt auszugleichen. Am besten eignen sich dazu fertige Elektrolytmischungen aus der Apotheke, die Eltern zu Hause mit Wasser zu einer Lösung anrühren und löffelweise geben können. "Sie können die  Elektrolytlösung auch unter ein Getränk mischen", sagt Apotheker Moritz Stöber.

Ein altbewährtes Hausmittel: geriebener Apfel. Das darin enthaltene Pektin bindet Flüssigkeit und bildet eine schützende Schicht auf der Darmschleimhaut. Krampflösend wirken die Inhaltsstoffe der Kamille – entweder als Tee oder kombiniert mit anderen Wirkstoffen als Saft aus der Apotheke. Kneift und rumort es im Bauch, tut ein angenehm warmes Körnerkissen gut. Spezielle Zäpfchen gegen Übelkeit und starkes Erbrechen geben Eltern ihren Kindern nur nach Absprache mit dem Kinderarzt. Hier gilt: unbedingt die Alters- und Dosierungsangaben  beachten!

Wann sollten Eltern mit Babys und Kleinkindern zum Arzt gehen?

Treten Durchfall und Erbrechen gleichzeitig auf, sollten Babys und Kleinkinder immer dem Arzt vor­gestellt werden. Gleiches gilt, wenn sie nicht genug trinken, sie Fieber be­kommen, und/oder Bauch­schmer­zen haben oder die Bauchdecke stark angespannt ist.

"Je jünger das Kind, desto gefährlicher können Durchfall und Erbrechen schon nach ­kurzer Zeit werden", sagt Johanna Havran. Säuglinge gehören deshalb nach ­spä­testens sechs Stunden zum Arzt – auch wenn nur eines der Symptome, also Durchfall oder Erbrechen, auftritt. Bei Kindern bis drei Jahre können Eltern zwölf Stunden ab­warten. Ältere Kinder, die in gutem Allgemeinzustand sind, kann man auch erst mal einen Tag zu Hause beobachten.

Woran erkenne ich überhaupt, dass mein Kind austrocknet?

Apathie, trockene Schleimhäute, keine Tränenflüssigkeit, bei Säuglingen eine eingefallene Fontanelle: All das sind Anzeichen einer fortgeschrittenen und bedrohlichen Austrocknung – das ist ein akuter Notfall. "Deshalb nicht erst auf solche Signale warten, sondern schon viel früher, nämlich wenn das Kind keine Flüssigkeit bei sich behält und sich fortwährend übergibt, zum Arzt gehen", sagt Havran. Bei einem schweren Verlauf kann ein Klinik­aufenthalt nötig werden, bei dem  das Kind Flüssigkeit und Elektrolyte per Infusion bekommt.

Welche Nahrungsmittel eignen sich bei einer Magen-Darm-Grippe?

Bei Erbrechen besser auf feste Nahrung verzichten, außer das Kind will unbedingt essen. "Trinken ist wichtiger, am besten schluckweise Fencheltee oder dünne Saftschorlen geben", empfiehlt Moritz Stöber. Wasser mit Kohlensäure reizt hingegen den Magen. Auch stark zucker- und koffeinhaltige Getränke wie Cola sind nicht empfehlenswert. Besser: leicht gesüßten Tee geben. Stillkinder trinken weiter an der Brust und sollten häufiger angelegt werden. Flaschenbabys dürfen weiter unverdünnte Säuglingsmilch bekommen. Ergänzend können sie Wasser oder ungesüßten Tee trinken. Kehrt der Appetit bei älteren Kindern zurück, können Eltern erst einmal etwas zerdrückte Banane oder geriebenen Apfel anbieten.

Wie vermeiden wir, dass sich die ganze Familie ansteckt?

Vor allem, indem man den Kontakt zu den hochinfektiösen Ausscheidungen meidet und beim Säubern von Erbrochenem oder auch beim Wickeln Einmal-Handschuhe trägt. "Hygiene spielt eine sehr große Rolle", bestätigt Kinderärztin Havran. "Da die Hauptübertragung über die Hände erfolgt, diese bitte nach jedem Kontakt mit Stuhl oder Erbrochenem waschen und desinfizieren." Gerade Noroviren übertragen sich so schnell, dass man theoretisch sogar einen Mundschutz tragen müsste. Viele herkömmliche Des­­infektionsmittel helfen gegen Noro­viren nicht. Am besten in der Apotheke nach einem geeigneten Produkt fragen.

Kann man einer Magen-Darm-Grippe  durch eine Impfung vorbeugen?

Zumindest gegen Rotaviren gibt es eine Impfung. "Diese Schluckimpfung verringert die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung und eines schweren Verlaufs und wird in der Regel gut vertragen", sagt Havran. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung ab dem Alter von sechs Wochen. Je nach Impfstoff sind zwei oder drei Gaben nötig. Die Impfserie sollte bis zur vollendeten 24. beziehungsweise 32. Lebens­woche abgeschlossen sein.

Wann kann das Kind wieder in die Krippe oder den Kindergarten gehen?

Das Kind muss mindestens 24 Stunden lang völlig ohne Symptome sein, normal essen und trinken, sich gut fühlen und wieder durch die Gegend toben. Im Idealfall lassen Eltern ihr Kind etwas länger zu Hause. Der Grund: "Die Viren werden noch eine ganze Weile über den Stuhl ausgeschieden, selbst nachdem sich das Kind schon besser fühlt", erklärt die Medizinerin.

Übrigens: Jeden ansteckenden Magen-Darm-Infekt bei Kindern unter sechs Jahren müssen Eltern sofort der Betreuungseinrichtung melden, damit diese verstärkte Hygiene­maßnahmen einleiten kann. Waren zu viel Eiscreme oder Schokolade die Übeltäter, fällt das aber nicht unter die Meldepflicht.

Wann wird es gefährlich?

Wenn das Kind erbricht, Durchfall und Fieber hat und nichts oder nicht genügend trinkt, muss es zum Arzt. "Er entscheidet, ob es ins Krankenhaus muss. Vor allem Kinder unter einem Jahr können binnen weniger Stunden austrocknen, bei Kindern ab circa drei Jahren besteht diese Gefahr nach ein bis zwei Tagen", so Lawrenz. Zeichen sind trockene Windeln oder eine geringe, dunkle Urinmenge. Auch bei Durchfall mit starken Bauchschmerzen, Fieber oder bei Blut im Stuhl gilt: Bitte mit dem Kind sofort zum Arzt gehen!

Wann darf das Kind wieder in die Kita?

Da die Ansteckungsgefahr hoch ist, müssen Kinder mit Brechdurchfall zu Hause bleiben. "Erst wenn das Kind 24 Stunden frei von Durchfall, Erbrechen und Fieber ist, darf es ­wieder in die Kita oder den Kinder­garten gehen", sagt ­Lawrenz.