Welcher Brei-Typ ist mein Baby?

Babys Ernährung folgt laut Experten einem ausgeklügelten Plan. Lästig nur, wenn die Zwerge oft ihre eigenen Vorlieben entwickeln. Wie sie trotzdem satt werden

von Andrea Schmidt-Forth, aktualisiert am 20.10.2017

Zwischen Theorie und Praxis liegen oft Welten. Das gilt auch für die offiziellen Empfehlungen zur Einführung von Beikost. Sie dienen Eltern als Orientierung und sollen das Essverhalten der Kinder von Anfang an in gesunde Bahnen lenken und damit auch helfen, Übergewicht vorzubeugen. So enthält der Fahrplan für die Beikost viel Obst und Gemüse, Getreide, Fleisch und idealerweise einmal pro Woche Fisch. Das Tempo der Beikost-Einführung richtet sich danach, ob das Kind die Zutaten gut verträgt und ob es das Angebotene auch essen mag.

Beikost ergänzt das Stillen

Das Baby wächst und wird mobiler. Die Muttermilch allein liefert dann nicht mehr genügend Energie und Nährstoffe. Vor allem Eisen wird über die Milch nicht mehr ausreichend zugeführt. Deshalb und um das Baby an das Essen der Großen heranzuführen, bekommt es ab einem gewissen Zeitpunkt Beikost. Nach und nach ersetzen drei Breimahlzeiten das Stillen oder das Fläschchen mittags, nachmittags und abends. Mutter- oder Säuglingsmilch gibt es weiterhin nach Bedarf morgens, zwischen­­­durch­ und nachts.

Eins nach dem anderen gibt der Plan vor

Gestartet wird mittags mit Gemüsebrei, und zwar frühes­tens mit Beginn des fünften und spätes­tens mit Beginn des siebten Lebens­monats. Anfangs bieten Eltern nur eine neue Zutat pro Woche an, zum Beispiel erst Möhre. Eine Woche später kommt die Kartoffel dazu und nach einer weiteren Woche Fleisch. Alles gekocht und püriert. Dann können Eltern auch andere milde Gemüse wie Brokkoli, Pastinake, Zucchini, Fenchel, Kürbis, Süßkartoffel und Kohl­rabi anbieten. Die frühere Empfehlung, verschiedene Gemüsesorten nur sehr langsam einzuführen, um Allergieentwicklungen gegen Nahrungsmittel vorzubeugen, ist widerlegt.

Ist die Mittagsmahlzeit etabliert, folgt nach einem Monat abends ein Milch-Getreide-Brei und wieder einen Monat später nachmittags ein Getreide-Obst-Brei. Ob Eltern den Brei selbst kochen oder industriell gefertigte Gläschen verwenden, ist Geschmackssache. Ab zehn Monaten können Kinder mit vom Familientisch essen.

In der Realität halten sich Babys selten an Pläne

So weit die Theorie. Doch oft klappt es nicht wie gewünscht, und das Baby lehnt den Brei ab, was manche Eltern zur Verzweiflung treibt. Besonders häufig trifft man auf drei ­Typen von Essens-Ausreißern: den Süßschlemmer, der am liebsten nur Obstbrei essen würde. Den Kaufaulen – er ernährt sich auch mit zehn Monaten fast ausschließlich von Milch. Und den Ungeduldigen, er überspringt die Breiphase und will am liebsten sofort am Familientisch mitessen. Prompt sorgen sich die Eltern, ob ihr Kleines genug oder das Richtige zu essen bekommt, beobachtet Ernährungswissenschaftlerin Maria Flothkötter aus Bonn. Sie rät Eltern, die Umstellung auf feste Kost entspannt anzugehen: "Lassen Sie sich und dem Kind Zeit. Beim Essen geht es nicht nur um Nahrungsaufnahme – es soll auch Spaß machen!"

"Gerade beim ersten Kind ist die Erwartungshaltung der Eltern sehr hoch", sagt Hebamme Sabine Drexl aus Beilngries bei Ingolstadt. Wer sonst keine Erfahrung mit Babys hat, vergleicht es mit anderen. Doch ein Baby wird nicht besser oder weiter entwickelt sein, wenn es früher isst als andere.

"Das eine ist eher neugierig und experimentierfreudig, während das andere vorsichtig ist und mehr Zeit braucht. Deshalb ist Essenlernen auch ein sehr individueller Prozess, bei dem jede Familie ihren eigenen Weg finden muss", bestätigt Kinderarzt Edwin Ackermann aus Tönisvorst. Er weiß es aus eigener Erfahrung. Seine beiden älteren Kinder hatten ein komplett gegensätzliches Essver­halten. Deshalb ermutigt er Eltern dazu, mehr ihrem Bauchgefühl und ­­ihrem Kind zu ver­trauen, und den Brei-Fahrplan nicht als Dogma zu betrachten, sondern als das, was er ist: eine Empfehlung.

Bevor das Essen in Ihrer Familie zum Problem wird, tauschen Sie sich mit Ihrem Kinder- und Jugendarzt oder Ihrer Hebamme aus. Sie kennen bestimmt eine Lösung.