Was im Mutterpass alles drinsteht

Gar nicht so einfach, da durchzublicken: Im Mutterpass wimmelt es nur so von Fremdwörtern und Abkürzungen. Wir erklären Ihnen, was sie bedeuten

von Julia Schulters, aktualisiert am 30.09.2014

Seite 1:

Auf dieser Seite können Sie oder die Arzthelferin Ihre Vorsorgetermine eintragen. Arzt oder Hebamme haben hier die Möglichkeit ihren Stempel zu setzten.


Seite 2 und 3: Laboruntersuchungen

Laboruntersuchungen: Dazu gehören alle Blutuntersuchungen, zum Beispiel die Bestimmung der Blutgruppe und des Rhesusfaktors (Rh).
Antikörpersuchtest: Hierbei wird untersucht, ob im Blut der Mutter Antikörper gegen bestimmte Blutgruppenmerkmale des Kindes gebildet wurden. Das kann zum Beispiel passieren, wenn das Blut einer Rhesus negativen (Rh-) Mutter mit dem Blut ihres Rhesus positiven (Rh +) Kindes in Kontakt gekommen ist.
Röteln-HAH-Test: Mit diesem Test wird überprüft, ob sich im mütterlichen Blut Antikörper gegen das Rötelnvirus befinden. Das ist dann der Fall, wenn eine Frau bereits eine Rötelerkrankung hinter sich hat oder sie in der Vergangenheit geimpft worden ist. Ein positiver Titer (das ist der Antikörper-Gehalt im Blut) von zum Beispiel 1 : 32 oder mehr bedeutet, dass die Mutter genügend Antikörper im Blut hat und gegen die Rötel-Viren erst einmal gewappnet ist.
Nachweis von Chlamydia trachomatis: Mit Hilfe einer Urinprobe kann der Arzt feststellen, ob die Schwangere mit Chlamydien, einer bestimmten Art von Bakterien, infiziert ist. Die Bakterien können bei der Geburt auf das Kind übertragen werden und es schädigen. Eine Clamydieninfektion der Mutter kann aber vorher mit einem Antibiotikum behandelt werden.
HIV-Test: Dieser Test darf nur mit dem Einverständnis der Schwangeren durchgeführt werden. Im Mutterpass wird lediglich vermerkt, ob die Schwangere dazu beraten wurde. Das Ergebnis des Tests wird nicht eingetragen.
LSR: Diese Abkürzung steht für Lues-Such-Reaktion. Bei dieser Blutuntersuchung kann eine Infektion mit Syphilis-Erregern nachgewiesen werden. Wie bei dem HIV-Test wird das Ergebnis im Mutterpass nicht vermerkt.
Hbs-Antigen-Test: Mit diesem Test untersuchen Ärzte das Blut der Schwangeren auf Hepatitis B, eine infektiösen Leberentzündung. Der Test wird in der Regel nach der 32. Schwangerschaftswoche durchgeführt.

Seite 4: Vorangegangene Schwangerschaften

Auf dieser Seite hat der Arzt die Möglichkeit, Angaben zu allen früheren Schwangerschaften der Patientin zu machen. Alle Geburten, einschließlich Angaben zu Geschlecht, Gewicht und Größe des Kindes sowie zur Schwangerschaftsdauer, werden hier aufgelistet. Auch Abgänge, Fehl- und Totgeburten, Eileiter-und Bauchhöhlenschwangerschaften werden vermerkt.

Spontangeburt: Das ist eine Geburt ohne operative und medizinische Eingriffe
Sectio: Kaiserschnitt
Vag. Operation: Dazu gehören zum Beispiel vaginal-operative Eingriffe mit der Saugglocke (Vakuum) oder Zangengeburten (Forceps)
Abort: Fehlgeburt
Abruptio: Schwangerschaftsabbruch
EU: Diese Abkürzung steht für "Extrauterine Schwangerschaft." Damit ist eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter gemeint. Hierzu gehören zum Beispiel Bauchhöhlen -oder Eilleiterschwangerschaften.

Seite 9: Besonderheiten, Behandlung, Befunde

Auf dieser Seite ist Platz für Besonderheiten. Außerdem werden alle stationären Behandlungen der Mutter in einem Krankenhaus vermerkt. Zusätzlich gibt es ein Feld, in das die Ergebnisse der Untersuchung der kindlichen Herztöne und der Wehentätigkeit (Kardiotokografie) eingetragen werden können.

Besonderheiten zu den Katalogen A und B: Hier werden alle Therapiemaßnahmen notiert.
Stationäre Behandlung während der Schwangerschaft: Überblick über alle Aufenthalte im Krankenhaus während der Schwangerschaft
Cardiotokografische Befunde: Die Mutterschaftsrichtlinien sehen bei vorzeitiger Wehentätigkeit ein Cardiotokogramm vor. Dieses zeichnet die Herzaktivitität des ungeborenen Kindes und die Aktionen der Gebärmutter auf.

Seite 5: Anamnese und Vorsorgeuntersuchung

Auf dieser Seite machen Arzt oder Hebamme Angaben zu allen Fragen, die während der ersten Vorsorgeuntersuchung geklärt wurden. Die Antworten geben zum Beispiel Hinweise darauf, ob eine Risikoschwangerschaft vorliegt. Am Ende der Seite 5 können Arzt und Hebamme ankreuzen, zu welchen Bereichen die Patientin beraten wurde.

Anamnese: Hierbei befragt der Arzt die Schwangere nach ihren früheren Erkrankungen.
Gravida: Dieser Ausdruck bezeichnet die Gesamtzahl der vorangegangenen Schwangerschaften. Dazu zählen auch Fehlgeburten, Bauchhöhlen- und Eileiterschwangerschaften
Para: Das Wort Para (parere = gebären) steht für die Anzahl der Geburten, die eine Frau erlebt hat

Seite 6: Besondere Befunde und Termine

Hier kann der errechnete Geburtstermin eingetragen werden. Ärzte und Hebamme haben außerdem auf dieser Seite die Möglichkeit, besondere Befunde während der Schwangerschaft zu dokumentieren und anschließend näher zu erläutern.

Terminbestimmung: Die Terminbestimmung ist Grundlage für den Beginn des Mutterschutzes. Unter dem Konzeptionstermin versteht man den Tag der Empfängnis.  Der Entbindungstermin (ET) lässt sich mit der erweiterten Naegele Regel berechnen: Errechneter Geburtstermin = [Erster Tag der letzten Regel] + 7 Tage - 3 Monate + 1 Jahr + / - [Abweichung von einer 28 tägigen Zyklusdauer in Tagen]
Besondere Befunde: Darunter fallen Probleme, die während der Schwangerschaft auftreten können

Weitere Fachausdrücke und Abkürzungen:

Hypertonie: Bluthochdruck
genetische Krankheiten: Krankheiten, die vererbt werden
ZNS: Zentrales Nervensystem, also Gehirn und Rückenmark
Thromboseneigung: Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln
Rhesus-Inkompatibilität: Rhesus-Unverträglichkeit
Adipositas: Fettleibigkeit
Skelettanomalien: Veränderungen am Skelett
Sterilitätsbehandlung: Behandlung wegen Unfruchtbarkeit
post partum: nach der Geburt
Uterusoperationen: Operationen an der Gebärmutter
Abusus: Missbrauch von Alkohol, Drogen oder Medikamenten
Plazenta praevia: vorgelagerter Mutterkuchen, der dem Kind den natürlichen Geburtsweg versperrt
Hydramnion: die Fruchtwassermenge ist zu groß
Oligohydramnie: die Fruchtwassermenge ist zu klein
Plazenta-Insuffizienz: Mangeldurchblutung des Mutterkuchens
Isthmozervikale Insuffizienz: Gebärmutterhalsschwäche
Anämie: Verminderung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin oder der Anzahl der roten Blutkörperchen beziehungsweise des prozentualen Anteils der zellulären Bestandteile am Blut
Indirekter Coombs-Test: Untersuchung des mütterlichen Blutes auf Antikörper, die gegen die roten Blutkörperchen des Kindes gerichtet sind
SS: Schwangerschaft
SSW: Schwangerschaftswoche
Ödeme: Flüssigkeitsammlungen im Gewebe
Gestationsdiabetes: Zuckerkrankheit in der Schwangerschaft

Seite 7 und 8: Gravidogramm

Diese Übersicht fasst alle Befunde, die während der Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft gemacht wurden, noch einmal zusammen.

Gravidogramm: In diese Übersicht werden alle Untersuchungen eingetragen, die während der Schwangerschaft stattfinden.
Fundusstand: Die obere Begrenzung der Gebärmutter
Ödeme: Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe
Varikosis: Krampfadern
RR systolisch/diastolisch: Der obere und untere Blutdruckwert
Hb: Mit Hilfe dieses Wertes lässt sich eine Blutarmut (Anämie) feststellen. Er gibt die Menge des Blutfarbstoffes Hämoglobin an. Der ist für den Transport des Sauerstoffes zu den Zellen notwendig
Sediment: Durch Abtrennung gewonnener Bodensatz des Urins
Vaginale Untersuchung: Untersuchung über die Scheide

 

Seite 10 und 11: Ultraschalluntersuchungen

Die Ergebnisse aller drei Ultraschalluntersuchungen sowie Besonderheiten und Bemerkungen werden auf dieser Seite eingetragen.

Screening: Orientierende Untersuchung zu einer Krankheit
FS: Fruchtsackdurchmesser
SSL: Länge des Kindes vom Scheitel bis zum Steiß
BPD: Querdurchmesser des kindlichen Kopfs
FOD: Längendurchmesser des kindlichen Kopfs (Stirn bis Hinterkopf)
KU: Kopfumfang
ATD: Querdurchmesser des kindlichen Bauchs
APD: Durchmesser des Bauches, gemessen von vorne nach hinten
AU: Kindlicher Bauchumfang
FL: Länge des kindlichen Oberschenkelknochens
HL: Länge des kindlichen Oberarmknochens

Seite 12 und 13: Ultraschall-Kontrolluntersuchungen und Wachstumsverlauf

Hier kann der Arzt die Wachstumsentwicklung des Kindes eintragen, die er per Ultraschall aufgezeichnet hat.

Ultraschall-Kontrolluntersuchungen nach Anlage 1 b:
Wenn es einen Verdacht auf Fehlbildungen gibt, sollten weitere Ultraschalluntersuchungen durchgeführt werden

Normkurve: Diese Kurve beschreibt den Wachstumsverlauf des ungeborenen Babys im Detail
SSL: Länge des Kindes vom Scheitel bis zum Steiß
BPD: Querdurchmesser des kindlichen Kopfs
ATD: Querdurchmesser des kindlichen Bauchs

Seite 14: Weiterführende Ultraschalluntersuchungen

Hier ist Platz für die Ergebnisse weiterer Ultraschalluntersuchungen:

Weiterführende Ultraschalluntersuchungen: Bei Verdacht auf eine Erkrankung oder Fehlbildung werden diese Untersuchungen durchgeführt.
Dopplersonografische Untersuchungen: Spezieller Ultraschall, bei dem die Blutversorgung überprüft wird


Seite 15: Abschlussuntersuchung, Epikrise (Beurteilung von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett)

Auf dieser Seite werden alle Besonderheiten der Geburt und des Wochenbetts dokumentiert.

Geburt:
Abkürzungen:
SP: Spontangeburt,
S: Schnittgeburt
Vag.Op.: Zangen – oder Saugglockengeburt,
SL: Schädellage, der Kopf des Babys schaut nach unten
BEL: Beckenendlage, Steißlage
QL: Querlage, das Kind liegt quer
APGAR-Zahl: Gleich nach der Geburt wird der Zustand des Babys mit dem so genannnten APGAR-Schema beurteilt. In diesem Schema reicht die Punktzahl von 0 bis 10. Ganz fitte Neugeborene haben einen APGAR-Wert von neun bis zehn.
pH-Wert: Damit wird der Säuregrad des Blutes in der Nabelschnurarterie des Kindes angegeben

Wochenbett: Vor der Entlassung aus dem Krankenhaus prüft der Arzt bei einer Abschlussuntersuchung die Rückbildung der Gebärmutter. Außerdem dokumentiert er den Heilungsverlauf bestimmter Geburtsverletzungen, wie zum Beispiel eines Dammrisses.

Anti-D-Prophylaxe: Um einer Rhesusunverträglichkeit bei der nächsten Schwangerschaft vorzubeugen, spritzen Ärzte Rhesus-negativen Schwangeren mit einem Rhesus-positiven Kind direkt nach der Geburt das so genannte Anti-D-Immunglobulin.

Seite 16: Abschlussuntersuchung (6.-8. Woche nach der Geburt)

Auf dieser Seite notiert der Arzt die Ergebnisse der Abschlussuntersuchung.
2. Untersuchung nach Entbindung: Hierbei kontrolliert der Frauenarzt den gynäkologischen Befund, er überprüft Blutdruck und Urin. Außerdem informiert er die Mutter über die wichtigsten Früherkennungsuntersuchungen für ihr Baby.