Erste Hilfe bei Stillproblemen

Schmerzhafter Milchstau, entz√ľndete Brustwarzen: Am Anfang treten beim Stillen oft Schwierigkeiten auf. Eine Apothekerin gibt Tipps

von Andrea Schmidt-Forth, aktualisiert am 18.12.2017

Wen fragen, wenn es mit dem Stillen nicht so recht klappen will? Neben Frauenarzt und Hebamme ist die Apotheke eine gute Anlaufstelle für Rat und praktische Hilfen. Apothe­kerin Christel Sillner aus Beilngries – Mutter von drei Kindern und selbst stillerfahren – verrät hier ihre Tipps bei typischen Stillproblemen.

Meine Brust ist geschwollen, und jede Berührung schmerzt. Was bringt die Milch bei Milchstau wieder zum Fließen?

Milchstau kann unterschiedliche Ursachen haben. Oft löst Stress die schmerzhaften Verhärtungen in der Brust aus. Christel Sillner rät: "Versuchen Sie einen Gang herunterzuschalten und zu entspannen. Legen Sie sich ins Bett, und kuscheln Sie mit Ihrem Baby. Vor dem Stillen können warme Um­schläge auf der Brust, etwa ein Kirschkernsäckchen oder Warm-Packs aus der Apotheke, dazu beitragen, dass die Milch wieder läuft und die Schmerzen nachlassen." So geht’s: Warm-Pack zwei Minuten in heißes – aber nicht kochendes – Wasser legen oder in der Mikrowelle nach Herstellerangaben (Dauer und Watt-Zahl ist von der Größe abhängig) erwärmen. Wenn die Beschwerden dennoch anhalten, am besten an die Hebamme wenden.

Meine linke Brustwarze ist wund und gerötet. Es tut ziemlich weh, wenn mein Baby trinkt. Ich möchte aber gerne weiterstillen. Haben Sie etwas gegen die Schmerzen?

Die Brustwarze kann schneller wieder heilen, wenn Sie häufiger und kürzer stillen oder zwischendurch auch mal abpumpen, um die wunde Stelle zu entlasten. Es kann hilfreich sein, die Still­positionen zu wechseln. Auf ­­Hygiene kommt es jetzt besonders an. Waschen Sie Ihre Hände, bevor Sie die Brust anfassen. Damit verhindern Sie, dass Keime in die wunden Stellen gelangen und eine Brust­entzündung verursachen können. Spülen Sie die Brust unter fließendem Wasser ab, und tupfen Sie sie behutsam mit einem Frotteetuch trocken. Auf entzündete Brustwarzen würde die Apothekerin Calendula-Essenz (mit Wasser verdünnt) auftragen. Dies fördert die Wundheilung. Alternativ eine dünne Schicht Salbe mit speziell gereinigtem Lanolin auf die Brustwarze geben. "Sie ist für das Kind unbedenklich und kann auch beim Stillen draufbleiben", erklärt Christel Sillner. Ebenfalls geeignet sind Hydrogel-Pads: Sie wirken wie ein schützendes, kühlendes Polster auf der Haut, spenden Feuchtigkeit und halten die Haut geschmeidig. Sie sind innerhalb von 24 Stunden wiederverwendbar.

Meine Brust läuft immer wieder aus und spannt. Haben Sie einen Rat für mich?

"Wer die Milchmenge etwas reduzieren möchte, kann unterstützend ein bis zwei Tassen Salbeitee am Tag trinken", rät die Apothekerin. Kühlen lindert, wenn die Brust sehr voll ist und spannt. Legen Sie dazu nach dem Stillen Kühl-Packs auf die Brust, vorher in ein dünnes Baumwolltuch (ideal sind Mullwindeln) wickeln.

Kann ich bei einer Brustentzündung auch Umschläge machen?

Kühle Auflagen nach dem Stillen sind angenehm, weil sie helfen, die Schwellung zu reduzieren und den Schmerz zu lindern. Kühlen können Sie mit Kühl-Packs. Häufig werden auch Wickel mit Quark oder Weißkohlblättern aus dem Kühlschrank empfohlen. "Wer das nicht so praktisch oder appetitlich findet, kann Umschläge mit ätherischen Ölen machen, zum Beispiel mit Lavendel-Öl", sagt Christel Sillner. Es fördert die Durchblutung, wirkt entzündungshemmend und krampf­lösend. Obendrein duftet es angenehm. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten. Die empfohlene Menge träufeln Sie nach dem Stillen auf ein sauberes und mit etwas Wasser angefeuchtetes Tuch und legen es auf die Brust, bis es wieder trocken ist. Bei Bedarf mehrmals wiederholen. Spülen Sie die Brust vor dem nächsten Anlegen mit warmem Wasser ab. Bessern sich die Beschwerden nicht innerhalb von 24 Stunden, gehen Sie zu Ihrem Frauen­arzt. Eventuell ist dann ein Antibiotikum notwendig.

Meine Brustwarzen sind so flach. Gibt es etwas, damit mein Baby sie besser mit dem Mund fassen kann?

Kleine Hütchen aus Silikon, die auf die Warze aufgesetzt werden, bieten Babys Mund einen längeren und festeren Ansatzpunkt. Das macht das Stillen häufig einfacher und angenehmer. Die Brusthütchen können bei Flach- oder Hohlwarzen verwendet werden, bei wunden Brustwarzen oder wenn die Milch beim Anlegen gleich so lossprudelt, dass sich das Kind verschluckt. Spezielle Former aus Silikon holen die Brustwarze durch sanften Druck hervor. Damit können Mütter Flach- oder Hohlwarzen aufs Stillen vor­bereiten.

Wie leere ich die Brust, wenn das Stillen noch nicht klappt?

Sie können die Milch mit der Hand ausstreichen. Lassen Sie sich dazu die erforderliche Technik von Ihrer Hebamme oder einer Stillberaterin zeigen. Oder Sie pumpen die Milch ab und bewahren sie auf. Wenn das häufiger der Fall ist, lohnt sich eine elektrische Milchpumpe, wie es sie in Apotheken zu leihen gibt. "Die Pumpe sollte stufenlos regulierbar und dem Saugverhalten des Babys angepasst sein", rät Christel Sillner. In der Apotheke bekommen Sie auch das Zubehör zum Aufbewahren und Füttern der Milch.

Muss ich selbst bezahlen, wenn ich mir eine Milchpumpe ausleihe?

"Bei einem Milchstau, einer Brustentzündung oder Problemen, die beim Kind liegen, kann der Frauen-­ oder der Kinderarzt ein Rezept für die Pumpe ausstellen. Das dazugehörige Einmalset schreibt er automatisch mit auf", erklärt Christel Sillner. Die Kosten übernimmt zum Teil die Krankenkasse.

Extra-Tipp: Welche Medikamente sind in der Stillzeit erlaubt?

Husten, Schnupfen, Halsweh: ­Krankheiten können auch Stillende ­treffen. ­­Welche Medikamente dürfen sie nehmen? Auf welche Arzneien sollten sie verzichten?

Erkältungskrankheiten

"Zum Fiebersenken eignen sich Paracetamol und Ibuprofen", sagt Dr. med. Corinna Weber-Schöndorfer vom Beratungszentrum für Embryonal­toxikologie an der Charité Universitäts­­medizin in Berlin. Bei ­Schnupfen gehen notfalls und kurzfris­tig abschwellende Nasentropfen. Achtung vor pflanzlichen Medikamenten! Salbei ­etwa gilt als milchreduzierend. "Häufig gibt es auch keine Erfahrung mit pflanzlichen Mitteln", so Weber-Schöndorfer. Deshalb sollte man grundsätzlich vor jeder Medikamenten­ein­nahme den Arzt oder Apotheker fragen.

Infektionskrankheiten

"Viele Medikamente sind gut untersucht. Penicilline und Cephalosporine sind die Antibiotikagruppen der Wahl in der Stillzeit", sagt die ­Expertin. Mütter müssen also nicht immer abstillen, wenn sie ein Antibiotikum brauchen. "Manchmal hat das Baby während der Behandlung ­einen ­etwas weicheren Stuhl", so die Ärztin.

Chronische Erkrankungen

"Für die meisten chronisch erkrankten Patientinnen findet man ein geeignetes Medikament, das auch in der Stillzeit einsetzbar ist", sagt Weber-Schöndorfer. "In seltenen Fällen, etwa bei Kombination bestimmter Psychopharmaka, müssen Mütter aber abstillen." Die Expertin rät dazu, möglichst Medikamente zu nehmen, die schon länger auf dem Markt sind, weil es damit mehr Erfahrungen gebe.