Brauchen Eltern eine Lebensversicherung?

Darüber denkt niemand gerne nach: Was mit den Kindern passiert, wenn ein Elternteil stirbt. Wie Familien den Nachwuchs absichern

von Franziska Draeger, aktualisiert am 28.03.2017
Zufriedene Familie mit Kindern

Gut abgesichert: Das Kind im Ernstfall versorgt zu wissen, ist wichtig


Man mag es sich als Eltern nicht vorstellen: Was passiert, wenn man selbst, der Partner oder gar beide sterben, solange die Kinder finanziell noch nicht auf eigenen Beinen stehen. Eins ist klar: Niemand kann Mutter und Vater für ein Kind ersetzen. Doch die richtige Vorsorge bewahrt Hinterbliebene wenigstens vor der größten Ungewissheit und finanzieller Not. Das sollten Eltern daher regeln:

Vormundschaft fürs Kind: Wer könnte sich kümmern?

Wer kümmert sich um den Nachwuchs? Das ist zunächst die wichtigste Frage. Stirbt nur ein Elternteil, geht das Sorgerecht in der Regel an den überlebenden Elternteil, auch nach einer Scheidung. Zum Glück ist es sehr unwahrscheinlich, dass beide gleichzeitig ums Leben kommen. Trotzdem sollte man überlegen, wer dann die Verantwortung übernimmt. So können Sie in einer Sorge­rechtsverfügung einen Vormund für das Kind festlegen.

Edda Castelló

Zur finanziellen Versorgung ist ein Vormund nicht in der Pflicht – und nicht unbedingt in der Lage. Vom Staat kommt zwar Unterstützung, als Kindergeld und Waisenrente. Doch eine Vollwaisenrente beträgt durchschnittlich nur etwa 300 Euro pro Monat. Im Zweifel müssen Großeltern den Unterhalt des Kindes aufstocken, außer das Erbe der Eltern reicht aus – oder eine Lebensversicherung zahlt.

Finanzielle Vorsorge: Wie versichern?

Eine Lebensversicherung hilft auch, wenn nur ein Elternteil stirbt. "Fast jeder braucht eine, sobald andere finanziell von ihm abhängen", sagt ­Edda Castelló von der ­Verbraucherzentrale in Hamburg. Denn Witwen- und Halbwaisenrente für den überlebenden Partner und zwei minderjährige Kinder betragen im Schnitt nur ­etwa 800 Euro. Meist zu wenig für ­einen Alleinerziehenden.

Stefan Albers

Es gibt verschiedene Versicherungskonzepte, doch nicht alle taugen etwas. "Die Kapitallebensversicherung ist Quatsch", sagt Castelló. Die Versicherung ist mit einem Sparvertrag kombiniert. "Diese Sparverträge sind aber schlecht verzinst, ihre Laufzeit ist viel zu lang." Wer sie vorzeitig beendet, muss mit schlechten Konditionen rechnen.

Das Mittel der Wahl sei eine Risiko­lebensversicherung, so Castelló. "Bei der Auswahl gilt: Der günstigste Anbieter ist auch der beste", sagt Stefan Albers, Präsident des Bundesverbands der Versicherungsberater in Bonn. "Die wichtigsten Eckdaten sind ­ohnehin ­gesetzlich geregelt." Die Tarife variieren enorm. Statt 120 Euro kann man auch 700 Euro im Jahr zahlen – für ein und dieselbe Leistung. Der Beitrag hängt meist vom Gewinn ab, den ein Versicherer erwirtschaftet. Deshalb sollte man nicht nur den aktuellen Zahlbeitrag beachten, sondern auch den festgelegten Höchstbeitrag.

Wer Risikosportler ist oder schwere Vorerkrankungen hat, sollte auf jeden Fall erst mit einem Berater sprechen. Dieser kann eine anonyme Voranfrage an Versicherer stellen und Angebote ein­holen. Sonst läuft man Gefahr, dass man aus gesundheitlichen Gründen bei einer Versicherung abgelehnt wird, und das muss man beim nächsten Antrag angeben. Unabhängige Berater vor Ort findet man zum Beispiel über die Seite des Bundesverbands der Versicherungsberater (www.bvvb.de).

Wie hoch soll die Versicherungssumme sein?

Die Empfehlungen, wie viel Geld im Versicherungsfall ausbezahlt werden sollte, variieren. Am besten überschlägt man, welche Summe der Partner vom Versicherungsstart an noch bräuchte, bis die Kinder volljährig sind, und wie viel der Nachwuchs bis zum Ausbildungsende benö­tigt. "Viele unterschätzen diesen Betrag", sagt Albers. Ein Beispiel: ­Eine Familie mit zwei Kindern, fünf und drei Jahre alt, schließt eine Versicherung ab. Stirbt einer der Partner kurz darauf, ist der andere noch 15 Jahre lang auf Unterstützung angewiesen, bis das jüngste Kind volljährig ist, die Kinder brauchen Hilfe, bis sie 25 Jahre alt sind.

Wenn man schätzt, dass der Partner etwa 1000 ­Euro neben seinem eigenen Gehalt braucht und die Kinder je ­etwa 500 Euro pro Monat, liegt die nötige ­Summe bei etwa 450 000 Euro. Zieht man die Witwen- und Waisen­­rente davon ab, bleibt etwa ­eine Lücke von einer Viertelmillion. Wer noch einen Hauskredit abzahlt, muss das einrechnen. Die Laufzeit der Versicherung sollte erst enden, wenn das jüngste Kind voraussichtlich finanziell unabhängig ist. "Die Beiträge werden güns­tiger, wenn man die versicherte ­Summe jährlich sinken lässt", rät Verbraucherschützerin Edda Cas­telló. Schließlich nimmt mit jedem Jahr, in dem nichts passiert, die Summe ab, die Kinder bis zum Ausbildungsende noch benötigen.

Damit im Ernstfall kein Geld durch die Erbschaftssteuer verloren geht, rät Albers zur sogenannten Kreuzversicherung. Die Partner versichern dabei jeweils das Leben des anderen. Die Ausschüttung geht dann direkt an den Überlebenden, nicht erst über den Umweg einer Erbschaft. Das kann allerdings im Fall einer Scheidung kompliziert werden. "Doch normalerweise ist es kein Problem, den Versicherungsnehmer zu wechseln", sagt ­Albers. Die Expartner müssten dem jeweils anderen nur seine Versicherung zurück­­geben, wenn sie sich trennen.

 


Haben Sie in der Stillzeit Alkohol getrunken?
Zum Ergebnis
Wie hat Ihr Kind schwimmen gelernt?
Zum Ergebnis