Verkürzte Zungenbändchen – wie behandeln?

Ein winziges Bändchen in Babys Mund kann zu Problemen beim Stillen führen. Zum Glück lässt sich die Ursache leicht beheben

von Peggy Elfmann, aktualisiert am 07.01.2016
Baby streckt die Zunge raus

Ist das Zungenbändchen verkürzt, kann das Baby die Zunge nicht herausstrecken


Ein dünnes Häutchen verbindet Zunge und ­Mundboden – klein und eigentlich ziemlich unscheinbar. Es ist das sogenannte Zungenbändchen. Mediziner sprechen vom Frenulum linguae. Meist spürt man das Bändchen erst, wenn man die Zunge weit nach vorne streckt und sie mal nach oben, mal nach unten bewegt.

Zungenbändchen: Wozu es da ist

Was wie ein albernes Spielchen wirkt, ist für Babys wichtig. ­Diese Bewegungsfreiheit der Zunge bildet eine Voraussetzung dafür, dass die Kleinen an der Brust trinken können. "Um die ­Brustwarze richtig zu fassen, müssen Babys die Zunge über die ­Unterkieferleis­te hinausschieben können", erklärt die Laktationsberaterin ­Erika Nehlsen IBCLC aus Ottenstein. Mit massierenden Zungenbewegungen drücken die Kleinen dann Milch aus der Brust.

Prof. Dr. Dr. Thomas M. Boemers

Zu kurzes Bändchen kann Probleme machen

Etwa vier bis zehn Prozent der Babys kommen mit einem zu kurzen Zungenbändchen, einem sogenannten Ankyloglosson, auf die Welt. Einige haben keine Prob­leme damit. Schwierig wird es, wenn dadurch die Zunge so stark im Mundboden verankert ist, dass das Baby sie nicht über die Unterlippe heben kann. Denn dann ist es auch nicht in der Lage, die Brustwarze samt Warzenhof in den Mund zu nehmen. "Nimmt das Baby nur die Brustwarze in den Mund, fehlt der Puffer zwischen der Kieferleiste. Es fühlt sich für die Mutter an, als würde es beißen", erklärt Still-Expertin Nehlsen. Die Brustwarzen werden schnell wund und schmerzen. Die Milch fließt meist schlecht, weil das Baby die für das Saugen wichtigen wellenförmigen Bewegungen nicht ausführen und keinen Unterdruck bilden kann.

Erika Nehlsen

Unkomplizierte Behandlung

Wenn sich das Kind nicht richtig anlegen lässt, beim Saugen von der Brust abrutscht oder nur wenig, aber sehr oft trinkt, sollte man an ein verkürztes Zungenbändchen als Ursache denken. "Auch Kinder, die sehr viel Gewicht verlieren, haben häufig ein verkürztes Zungenbändchen", sagt Nehlsen. Die Mütter leiden oft an schmerzhaften, roten und rissigen Brustwarzen – und stillen häufig früh ab.

Die gute Nachricht: Diagnose und Behandlung sind unproblematisch. Um festzustellen, ob das Bändchen tatsächlich zu kurz ist, bewegen Hebamme oder Kinderarzt einen Finger oder einen Spatel an der Basis der Zunge von ­­einer Seite zur anderen. Ist das nicht möglich, ist das Zungenbändchen verkürzt. Beim Herausstrecken bildet die Zunge dann die Kontur eines Herzens. Um dies zu beheben, kann der Arzt das Zungenbändchen durchtrennen.

Verkürztes Zungenbändchen: Probleme beim Stillen

Wann ist ein Eingriff notwendig?

Ob der Eingriff nötig ist, ist Abwägungssache, denn es fehlen verbindliche Kriterien. "Ein Zungenbändchen, das keine Probleme macht, muss nicht behandelt werden", sagt Professor Thomas ­Boemers, Chefarzt an der Klinik für Kinderchirurgie und Kinder­urologie der Kliniken der Stadt Köln und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie. Entscheidend sind Art und Ausmaß der Beschwerden. Gerade aber, wenn das Bändchen fest ist und die Zunge nur eingeschränkt bewegt werden kann, raten die Experten zu einer frühen Behandlung. "Je länger es unbehandelt bleibt, umso derber kann das Häutchen werden", so Nehlsen.

Ist das Bändchen dünn, macht der Arzt meist gleich einen kleinen Schnitt. Oft geschieht das ­ohne Narkose. "Manche Kinder verschlafen ­diese Prozedur sogar", erzählt ­Erika Nehlsen. Falls nicht, ­empfiehlt sie, das Kleine danach anzulegen. "Zum ­einen wird dadurch Druck auf das Gewebe ausgeübt, zum anderen beruhigen sich die Babys schnell, wenn sie an der Brust trinken und die Nähe ­ihrer Muttter spüren", erklärt die Still- und Laktationsberaterin.

Narkose nur selten nötig

Ein sehr dickes oder stark durchblutetes Zungenbändchen ist ein Fall für den Kinderchirurgen. "Das kommt aber nur selten vor", sagt Thomas Boemers. Etwa 20- bis 25-mal pro Jahr führt er diesen Eingriff durch. Die Kleinen bekommen dazu eine Vollnarkose, das Durchtrennen ist oft nur eine Sache von Sekunden. 

Von dem Schnitt profitieren die Kleinen auch, weil Kinder mit zu kurzem Zungenbändchen später Probleme beim Sprechen bekommen können. Laute, die ­mithilfe der Zungenspitze entstehen, wie s, d, t, l und n, können sie nicht so gut bilden. Das bestätigt auch die Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Ein kleiner Schnitt kann so den Besuch beim Logopäden ersparen.


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