Stillen klappt nicht – was tun?

Zu flache oder große Brustwarzen, Saugverwirrung, falsche Position: Manchmal klappt das Stillen einfach nicht. Was dann hilft
von Annett Zündorf, 22.07.2015

Das Baby trinkt einfach nicht an der Brust? Die richtige Technik kann dann helfen

Shutterstock/Svetlana Fedoseyeva

Während manche Mütter ihre Babys sofort problemlos stillen, verläuft der Start bei anderen eher holprig.

"Die ersten Tage nach der Geburt waren ein Schock. Nach einem stressigen Geburtsmarathon mit anschließendem Kaiserschnitt und völliger Erschöpfung, konnte ich mein Kind erst knapp einen Tag später an die Brust legen. Immer wieder versuchte mein Baby, Milch aus meiner Brust zu bekommen. Ich stopfte ihm meine Brustwarze in den Mund, hielt das Kind in allen möglichen Positionen. Schwestern und Hebammen kamen. Sie zwickten mir in die Brust, um den Milchfluss anzuregen, sperrten den Mund des Babys auf, damit die Warze hineinpasste, brachten mir Stillhütchen, auf denen das Kind herumkaute. Nichts half. Ich begann am dritten Tag, Milch abzupumpen und per Flasche zu füttern. Mein Baby schrie die Brust voller Verachtung an, es drehte den Kopf weg und wollte nur noch die Flasche. Dabei wollte ich doch mindestens die ersten sechs Wochen stillen, um ihm ein bisschen Nestschutz mit auf den Weg zu geben", erzählt Ute T. aus Rostock.


Wie Ute T. geht es vielen Müttern. Dabei lässt sich fast immer etwas tun. "Nur ganz selten gibt es Babys, bei denen es mit dem Stillen nicht klappt", sagt Sabine Roßnick. Die Hamburger Still- und Laktationsberaterin (IBCLC) hilft seit 15 Jahren Frauen und ihren Babys. Die eine Patentlösung für alle gibt es nicht. Zu unterschiedlich sind die Ursachen. Mütter können sich bei Bedarf an eine Stillberaterin, speziell ausgebildete Hebamme oder Still-Sprechstunde wenden.

Viel Milch

Gerade zu Beginn der Stillzeit schießt die Milch ungebremst ein. Dann haben manche Frauen so pralle Brüste, dass das Neugeborene die Brustwarze mit seinem Mund nicht zu fassen bekommt. In diesem Fall können Mütter versuchen, die Milch sanft auszustreichen. Sabine Roßnick empfiehlt eine Technik, bei der die Umgebung der Brustwarze sanft gepresst wird. "Durch den Druck werden Lymphe und Milch zurückgedrängt, das Baby bekommt die wieder weiche Brustwarze zu fassen." Manchmal helfen auch Stillhütchen dabei, die Zeit des starken Milcheinschusses besser zu überbrücken.

Hier sehen Sie, wie die empfohlene Methode funktioniert. Lassen Sie sich die Techik aber von einer Fachkraft erklären, bevor Sie sie anwenden.

Anatomische Gegebenheiten

Kann das Baby die Brustwarze nicht fassen, können anatomische Probleme die Ursache sein. Manche Frauen haben Flachwarzen, die sich nicht aufrichten, oder Hohlwarzen, die sich sogar nach innen ziehen. Schafft das Baby es nicht, die Brustwarze in den Mund zu saugen, können Stillhütchen helfen. Wie man sie richtig anwendet, erklären Stillberaterin oder Hebamme.

Frauen mit sehr großen Brüsten sollten diese beim Stillen gut unterlagern, zum Beispiel mit einem aufgerollten Tuch. So wird das Baby durch das Gewicht der Brust beim Saugen nicht beeinträchtigt. Hat die Mutter sehr große Brustwarzen, bekommen manche Neugeborene die Warze nicht in den Mund. Dann muss die Mutter vorübergehend Milch abpumpen, bis der Mund des Babys groß genug ist. "In diesem Fall muss man überlegen, wie das Kind die Milch bekommen soll", sagt Roßnick, "Man kann die Milch löffeln, das Kind aus einem Becher lecken lassen oder es per Fingerfeeding versorgen." Beim Fingerfeeding saugt das Baby am Finger der Mutter, neben den Finger wird ein Aufsatz oder Schlauch geschoben, über den das Baby Milch bekommt. Stillberaterin oder Hebamme zeigen, wie die alternativen Füttermethoden funktionieren.

Falsche Position

Manchmal sind die Brüste der Mutter eigentlich perfekt zum Stillen und trotzdem schafft es das Baby nicht, ausreichend Milch zu trinken. "Häufig sind Babys nicht korrekt angelegt", erklärt Roßnick. "Der Mund des Babys ist beim Saugen weit geöffnet, die Lippen sind nach außen gestülpt." Hebamme oder Stillberaterin unterstützen die Mutter beim richtigen Positionieren.

Baby schläft ständig ein

Zu früh geborene Kinder oder Neugeborene mit einer Gelbsucht sind schwach und ständig müde. Sie gehen zwar an die Brust, schlummern aber schon nach kurzer Zeit ein. Manchmal hilft es dann, ihren Ellenbogen sanft zu massieren. "Legen Sie das Baby alle drei Stunden an", sagt Roßnick. Schläft das Kind zu diesem Zeitpunkt, sollte es behutsam geweckt werden. Gerade Kinder mit Problemen können nicht auf die regelmäßige Milchzufuhr verzichten. Halten Sie Rücksprache mit Stillberaterin, Hebamme oder Kinderarzt, wenn Sie unsicher sind. "Trinkt das Baby nur fünf Minuten statt etwa 15 an jeder Brust, muss die Mutter zusätzlich abpumpen, damit die Milchbildung angeregt wird", sagt Roßnick. Mütter können sich elektrische Milchpumpen in der Apotheke ausleihen.

Saugverwirrung

Wer seinem Kind längere Zeit abgepumpte Milch gibt, sollte sich Gedanken machen, ob das Kleine aus der Flasche trinken oder die Milch lieber per Becher oder Fingerfeeder bekommen soll. Während manche Babys ohne Probleme zwischen Flasche und Brust wechseln, haben andere dadurch eine Saugverwirrung. Manche wollen dann nur noch aus der Flasche trinken. In diesem Fall hilft nur Geduld und konsequenter Verzicht auf Schnuller und Fläschchen. "Legen Sie sich das nackte Baby auf den nackten Oberkörper, dann das Baby mit Tuch oder Decke zudecken", rät Roßnick. Immer wieder kann die Mutter dem Kind die Brust anbieten, am besten dann, wenn es nicht besonders hungrig ist.

"Bei uns haben Milchpumpe, Kuscheln und Geduld geholfen. Nach knapp drei Wochen trank mein Kind endlich aus der Brust. Probleme gab es keine mehr", erzählt Ute T.



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