Milchpumpe: Benutzung und Reinigung

Ob aus medizinischen Gründen oder um ein bisschen mehr Freiraum zu haben: Was stillende Frauen beim Abpumpen von Muttermilch beachten sollten

von Aglaja Adam, aktualisiert am 24.03.2017

Wichtig: Die Brusthaube der Milchpumpe sollte die richtige Größe haben


Hochleistungspumpen für den medizinischen Einsatz

Viele Mütter machen die erste Bekanntschaft mit einer Milchpumpe nach der Geburt im Krankenhaus. Dort stehen sogenannte elektrische Hochleistungspumpen bereit. "Diese kommen vor allem zum Einsatz, wenn das Kind zu früh geboren und noch zu schwach zum Trinken an der Brust ist, oder wenn es von der Mutter getrennt auf der Perinatalstation liegen muss", erläutert Still- und Laktationsberaterin Katrin Reich aus Haimhausen bei München. Die abgepumpte Muttermilch ist eine perfekte Starthilfe für schwache oder kranke Babys. Außerdem sorgt die Benutzung der Milchpumpe dafür, dass sich die Milchbildung bei der Mutter gut einspielt.

Wenn zu Hause gesundheitliche Probleme beim Stillen auftreten, wie Milchstau, sehr wunde Brustwarzen, Brustentzündungen oder wenn die Milchmenge weniger wird, können sich stillende Mütter eine solche Hochleistungspumpe ausleihen. Viele Apotheken, manche Sanitätshäuser oder auch qualifiziertes Fachpersonal stellen Mietpumpen bereit. Mit einem Rezept vom Arzt übernehmen die meisten gesetzlichen Krankenkassen bis zu einem halben Jahr die Mietkosten.

Für den Hausgebrauch: Manuelle oder elektrische Pumpe

Doch nicht nur aus medizinischen Gründen greifen viele Frauen zu Milchpumpen. "Oft genießen die Frauen es einfach, ein paar Stunden weggehen zu können, oder sie wollen bewusst den Partner in das Füttern des Babys mit einbeziehen", sagt Reich. Wer sich eine Milchpumpe anschaffen möchte, hat die Wahl zwischen kleinen elektrischen oder handbetriebenen Geräten. Nicht nur preislich unterscheiden sie sich. Die manuellen Pumpen kosten zwischen 30 und 60 Euro, die elektrischen von 100 Euro bis zu 400 Euro für Modelle, mit denen beide Brüste gleichzeitig abgepumpt werden können. Von gebrauchten Modellen rät Reich wegen der Gefahr von Keimrückständen ab.

"Man sollte sich vorher überlegen, warum und wie oft man abpumpen möchte", sagt sie. Um nur gelegentlich abzupumpen, reicht eine manuelle Pumpe. Hat die Frau Flach- oder Hohlwarzen, hilft das Gerät beispielsweise, auf das Saugen des Kindes vorzubereiten. Wer regelmäßig abpumpen möchte oder aus beruflichen Gründen darauf angewiesen ist, sollte auf die elektrische Variante zurückgreifen. Damit gehe das Abpumpen schneller, sie ist komfortabler und meist sei die erzielte Milchmenge größer, so die Stillberaterin. Beide Pumpenarten bauen ein Vakuum auf und lösen es dann wieder. Bei den manuellen Pumpen muss die Frau die Saugstärke und den Rhythmus selbst regulieren, das erfordert etwas Übung.

Wann und wie sollte man abpumpen?

"Eine manuelle Pumpe sollte erst zum Einsatz kommen, wenn sich ein Stillalltag eingependelt hat", sagt Reich. In den ersten sechs Wochen rät sie generell von Handpumpen ab. "Man sollte sie auch nicht ausprobieren, wenn man gestresst ist oder schon mit einem Milchstau kämpft", sagt sie. Die Benutzung von elektrischen Geräten, insbesondere der Hochleistungspumpen, sollten sich die Stillenden von Fachpersonal erklären lassen. "Wichtig ist, dass man entspannt bleibt", sagt Reich. Die Stillberaterin empfiehlt, während des Abpumpens mit dem Baby zu kuscheln, ein schönes Buch zu lesen, entspannende Musik zu hören oder fernzuschauen. Manchen Frauen hilft es auch, die Brust vorher sanft zu massieren oder mit einem Kirschkernkissen vorzuwärmen. Auch ein Wärmekissen im Nackenbereich kann helfen.

Länger als 30 Minuten sollte das Abpumpen nicht dauern – das reizt die Brustwarzen unnötig. "Wenn keine Milch kommt, erstmal eine halbstündige Pause einlegen", sagt Reich. Zehn bis 15 Minuten pro Seite sollten ausreichen, um die Brust richtig zu entleeren. Den richtigen Zeitpunkt zum Abpumpen sieht sie nach einer Stillmahlzeit. "Das Baby sollte, wenn möglich, immer vorher angelegt werden." Wichtig ist, mit der zweiten gestillten Seite anzufangen. Viele Kinder trinken eine Seite leer, in der anderen ist aber noch Milch zum Abpumpen vorhanden. Wie viel Milch pro Abpumpvorgang kommt, ist individuell sehr unterschiedlich.

Übrigens bringt eine Milchpumpe den Stillrhythmus in der Regel nicht durcheinander. "Vorausgesetzt, man legt vorher an oder pumpt im Rhythmus des Kindes, wenn das Stillen nicht möglich ist, sagt Reich. Allerdings können elektrische Pumpen bei Müttern mit viel Milch kontraproduktiv wirken. "Sie regen die Milchproduktion zusätzlich an."

Abpumpen funktioniert nicht – was tun?

Erster wichtiger Punkt: Die Pumpe muss richtig zusammengebaut sein. Die Stillberaterin rät zu Pumpen mit möglichst wenigen Einzelteilen. "Wenn das Vakuum nicht richtig aufgebaut wird, kann es nicht funktionieren", sagt Reich. Ist das Vakuum zu schwach, kommt keine Milch, ist es zu stark, schmerzt das Abpumpen.

Auch das Aufsetzen der Pumpe muss stimmen. "Der Trichter sollte möglichst nur die Brustwarze umfassen und wenig Vorhof", so Reich. Die Brustwarze muss gut in der Mitte sitzen und sich frei bewegen können. Auch die richtige Brusthaubengröße ist entscheidend. Es lohnt, sich von einer Stillberaterin oder der Hebamme beraten zu lassen.

Wie reinigt man die Milchpumpe?

Beim Reinigen der Pumpe ist etwas Sorgfalt nötig. "Man muss das Pumpset nach jedem Vorgang in seine Einzelteile auseinanderbauen", sagt Reich. Zuerst werden sie mit kaltem Wasser abgespült, so löst sich das Milcheiweiß. Dann mit warmen Wasser, Spülmittel und einer sauberen Bürste gut reinigen und mit klarem Wasser nachspülen. Die Pumpenteile am besten einmal am Tag fünf Minuten in kochendem Wasser oder im Vaporisator sterilisieren. Bei Frühchen oder kranken Kindern muss die Sterilisation nach jedem Gebrauch erfolgen.

Wie abgepumpte Milch aufbewahren?

"Die Milch ist bei Zimmertemperatur in einem verschlossenen Behälter vier bis sechs Stunden haltbar", sagt Reich. Sie empfiehlt sterilisierte Glas- oder Kunststofffläschchen. Diese sollten im Kühlschrank direkt über dem Gemüsefach aufbewahrt werden. "Dort ist es am kältesten", so Reich. Drei Tage kann diese gekühlte Milch verwendet werden. Man kann die Milch auch in speziellen Muttermilchbeuteln portionsweise einfrieren. Bei -18 Grad ist sie sechs Monate haltbar.

Wie erwärmt man abgepumpte Milch?

Vorsicht beim Erwärmen: Die Milch darf nicht heißer als 37 Grad werden, weil sonst wichtige Nährstoffe verlorengehen. "Auf keinen Fall in die Mikrowelle", sagt Reich. Die Erwärmung erfolgt dort nicht gleichmäßig und ist schlecht kontrollierbar. Wer mehrmals am Tag abpumpt und die Milch sammeln möchte, sollte sie einzeln im Kühlschrank aufbewahren und die Portionen erst zusammenmischen, wenn jede die gleiche Temperatur hat. Die Haltbarkeit richtet sich nach der ersten abgepumpten Milch.

Damit das Baby keine Saugverwirrung durch das Trinken aus der Flasche bekommt, sollten stillfreundliche Weithalssauger verwendet werden. Als Faustregel gilt: "Wenn man die Flasche umdreht, sollte nicht mehr als ein Tropfen pro Sekunde herausfließen", so Reich.


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