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Medikamente in der Stillzeit

Erkältung, Kopfschmerzen, Heuschnupfen – auch stillende Frauen werden mal krank. Dürfen sie dann Arzneimittel nehmen oder schadet das ihrem Baby? Apothekerin Anke Kreutzmann klärt auf

von Peggy Elfmann, aktualisiert am 13.12.2019

Apothekerin Anke Kreutzmann über Medikamente in der Stillzeit


Die Kopfschmerzen werden immer schlimmer, aber kann man in der Stillzeit ein Medikament dagegen einnehmen? Oder schadet das dem Säugling? "Ich erlebe immer wieder, dass viele Mütter sehr skeptisch sind und sich nicht trauen, ein Medikament zu nehmen, solange sie ihr Baby stillen", sagt Anke Kreutzmann, Apothekerin in Wuppertal.

Die Sorge, dass Arzneimittel dem Baby schaden könnten, kann sie gut nachempfinden. Und natürlich sei es besser, wenn man kein Medikament benötigt. Deshalb lohnt es sich, es zunächst mit alternativen Maßnahmen zu probieren – zum Beispiel mit einem Schläfchen oder Spaziergang bei Kopfschmerzen oder einem Wärmekissen bei Rückenschmerzen. Wenn die Schmerzen oder Beschwerden sehr stark sind, kann eine Arznei jedoch helfen. "Viele Frauen denken, dass sie abstillen oder eine Stillpause machen müssten, wenn sie ein Medikament nehmen. Aber eine medikamentöse Therapie erfordert nur ganz selten ein Abstillen", erklärt Anke Kreutzmann, die auch Stillberaterin ist.

Grund für die Verunsicherung ist meist der Beipackzettel. Dort findet sich häufig der Satz: "für die Anwendung in der Stillzeit nicht zugelassen". Manchmal sind es auch Ärzte, die vorsichtshalber raten, mit dem Stillen zu pausieren oder sogar abzustillen. Dabei rührt der Hinweis auf dem Beipackzettel nicht unbedingt daher, dass das Mittel ungeeignet ist. In den meisten Fällen gibt es einfach keine Studien und die Hersteller können sich durch diesen Hinweis rechtlich absichern.

Gehen Medikamente in die Muttermilch über?

Es gibt einen einfachen Grund dafür, dass oft keine Studien vorliegen: Stillende dürfen aus ethischen Gründen nicht an Medikamentenstudien teilnehmen. Immerhin besteht ein potenzielles Risiko, dass dem Baby etwas passieren könnte. "Das ist jedoch sehr selten", sagt Anke Kreutzmann. Untersuchungen zeigen, dass zwar Spuren von Medikamenten in die Muttermilch übergehen. "Beim Baby kommt jedoch nur wenig an, da das Arzneimittel erst noch den Magen-Darm-Trakt passieren muss", erklärt die Apothekerin. Gerade bei Neugeborenen oder jungen Babys raten Ärzte besonders zur Vorsicht, da ihr Stoffwechsel noch nicht ausgereift ist und die Arzneimittel über Leber und Nieren verarbeitet werden müssen. Die Medikamente sollten also immer nur so lange wie notwendig genommen werden und so niedrig dosiert wie möglich.

Dank Beobachtungsstudien konnten Forscher Erkenntnisse über die Verträglichkeit verschiedener Arzneimittel gewinnen. Sie tragen die Daten in sogenannten Pharmakovigilanzzentren zusammen. Das größte dieser Zentren ist das Embryotox an der Charité in Berlin. Dort finden sich Informationen zu mehr als 400 Medikamenten. Für Ärzte und Apotheker ist das Embryotox der Ansprechpartner in Sachen Arzneimittel in der Schwangerschaft und Stillzeit. Auch Anke Kreutzmann nutzt diese Informationen regelmäßig für ihre Beratungen in der Apotheke und weiß: "Es gibt fast immer ein geeignetes Mittel für Stillende."

Was hilft bei Kopf- und Rückenschmerzen?

Anke Kreutzmann rät, es zunächst mit alternativen Maßnahmen zu probieren. Bei Kopfschmerzen können Bewegung und Entspannung guttun, bei Rückenschmerzen eine Massage, aber auch Wärme oder Kälte. "Lindert das die Beschwerden nicht, kann man ein Schmerzmittel nehmen", sagt Anke Kreutzmann. "Es ist wichtig, dass die Schmerzen verschwinden, damit die Mutter sich wieder gut um das Kind kümmern kann."

Bei Schmerzen wie Kopf- oder Rückenschmerzen ist Ibuprofen das Mittel der ersten Wahl. "Es kommt fast gar nicht in der Muttermilch an", sagt die Stillberaterin. "Es wirkt zudem entzündungshemmend und eignet sich zum Beispiel auch bei Schmerzen durch Milchstau oder Brustentzündung." Auch Paracetamol kann in der Stillzeit verwendet werden. Migräne-Patientinnen können es ebenfalls mit Ibuprofen oder Paracetamol versuchen. "Bei unzureichender Wirksamkeit können aber auch Triptane eingesetzt werden", sagt Anke Kreutzmann. Die Dosierung und Anwendung bitte vorher mit  dem Arzt besprechen.

Hilfe bei Durchfall und Erbrechen

Gegen Übelkeit, Durchfall und Erbrechen dürfen Stillende ebenfalls zu Medikamenten greifen. Wichtig: immer genug trinken, da gerade bei Durchfall die Flüssigkeitszufuhr wichtig ist. Bei Übelkeit und Erbrechen können Stillende nach Rücksprache mit dem Kinderarzt Dimenhydrinat-Präparate nehmen, bei Durchfall Loperamid.

Diese Mittel sollten nur vorübergehend genommen werden. "So kurz wie möglich", lautet das Motto. Anke Kreutzmann spricht von einer Risiko-Nutzen-Abwägung: "Die Mutter sollte sich dazu an Ihren Arzt oder Apotheker wenden und beraten lassen."

Husten lindern

Husten- und schleimlösende Präparate können in der Stillzeit gegen Husten genommen werden. Mittel der ersten Wahl sind Acetylcystein und Ambroxol. Wichtig: Stillende sollten auf Arzneimittel und Einreibungen mit Eukalyptus- oder Pfefferminzöl, Cineol oder Menthol verzichten. Dies kann bei Säuglingen im schlimmsten Fall zu einem Atemstillstand führen. Besonders gefährlich für Säuglinge ist der Hustenblocker Codein, der in vielen rezeptpflichtigen Hustenmitteln und Kombipräparaten gegen Schmerzen enthalten ist. Die allgemeine Empfehlung, keine rezeptpflichtigen Medikamente ohne ärztliche Verordnung zu nehmen, gilt für Stillende doppelt.

Und bei bakteriellen Infektionen?

Für große Unsicherheit unter stillenden Müttern sorgen Antibiotika. Häufig heißt es, dass sie einer Stillpause oder gar des Abstillens bedürfen. Es gibt bestimmte Antibiotika, die in der Stillzeit nicht genommen werden dürfen. "Es existiert aber eigentlich immer eine stillfreundliche Variante als Alternative", sagt Anke Kreutzmann.

Diese Mittel der ersten Wahl gehen nur minimal in die Muttermilch über. Etwa zehn Prozent der Säuglinge, deren Mutter ein Antibiotikum genommen hat, hat einen etwas dünneren Stuhl. Andere Nebenwirkungen wurden bei diesen Mitteln nicht beobachtet. "Ist das Baby auffällig, sollte man das mit dem Arzt besprechen und dann im Zweifel die Arznei wechseln", rät die Apothekerin.

Wichtig: Eine vom Arzt empfohlene Therapie sollte keinesfalls ohne ärztliche Rücksprache abgebrochen werden, aus Angst, dem Baby zu schaden. "Nebenwirkungen beim Säugling sind extrem selten", sagt Kreutzmann.

Medikamente über einen längeren Zeitraum

Manche Mittel müssen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Das Spektrum ist sehr weit: von Heuschnupfen-Mitteln bis zu chronischen Krankheiten. Durch die längerfristige Einnahme können sich Reste im Körper anlagern. Eine Einnahme sollte immer mit dem Kinderarzt besprochen werden.

In gewissen Fällen ist es sinnvoll, die Medikamente vor einer längeren Stillpause zu nehmen, etwa vor dem Einschlafen oder wenn das Baby betreut wird, da die Konzentration des Wirkstoffs im Blut und in der Muttermilch mit der Zeit abnimmt. Manche Psychopharmaka und Mittel bei Epilepsie sind besonders schwierig, vor allem in Kombination mit anderen Medikamenten. "In solchen Fällen sollte man sich unbedingt mit dem Spezialisten und Embryotox besprechen", rät Anke Kreutzmann.

Einfacher sei es für Heuschnupfen- oder Asthma-Patientinnen. "Da gibt es Mittel der ersten Wahl, mit denen wir schon lange Erfahrung haben", sagt die Apothekerin und Stillberaterin. Sie empfiehlt Wirkstoffe wie Cetirizin. Eine mögliche Nebenwirkung ist Müdigkeit. "Wenn man beobachtet, dass das Baby ungewohnt müde ist, sollte man das mit dem Arzt besprechen", rät die Expertin. Generell gilt: Wenn Sie sich unsicher sind, fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker und besprechen Sie mit ihm die Embryotox-Informationen.


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