In der Stillzeit auf Alkohol verzichten?

Alkohol geht in die Muttermilch über. Deshalb sollten stillende Frauen nichts trinken. Tun sie es ausnahmsweise doch, gilt: Vor dem Alkoholkonsum noch einmal stillen und Milch abpumpen
von Daniela Frank, aktualisiert am 01.06.2017

Stillen ist gut fürs Baby – und die Mutter. Sie sollte dann aber keinen Alkohol trinken

Banana Stock/RYF

Stillen gilt als die ideale Ernährung für Babys: Es stärkt die Abwehrkräfte des Kindes und schützt vor Übergewicht. Bei der Mutter fördert es die Rückbildung und senkt das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs. Am besten fürs Kind ist es, wenn die Stillende sich gesund ernährt. Denn das Baby isst mit. Und es trinkt mit. Leider auch, wenn die Mutter Alkohol konsumiert. Darf sie in der Stillzeit also gar keinen Alkohol trinken?

"Besser nicht", sagt Dr. Reinhold Feldmann, Leiter der FAS-Ambulanz der Tagesklinik Waldstedde. Beim Stillen erreiche der von der Mutter konsumierte Alkohol das Kind zwar nur in verringerter Menge. Aber der Körper des Säuglings kann den Stoff nur sehr langsam abbauen, da seine Leber noch nicht voll ausgereift ist. Deshalb bleibt der Alkohol länger im Körper des Babys – und kann mehr Schaden anrichten. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kann Alkohol in der Muttermilch das Schlafverhalten von Babys negativ beeinflussen. Bei der Mutter können außerdem schon geringe Mengen Alkohol die Milchbildung verringern und so zu Stillproblemen führen. "Eine für das Baby unbedenkliche Menge lässt sich aus wissenschaftlicher Sicht nicht bestimmen", sagt Feldmann. "Es ist also am sichersten, wenn die Mutter auf Alkohol verzichtet."

Bei Ausnahme: Vorher abpumpen und stillen

Möchte die Stillende bei einem besonderen Anlass trotzdem ein kleines Glas Bier, Wein oder Sekt trinken, ist es wichtig, dass der Alkohol in ihrem Körper vor dem nächsten Stillen wieder abgebaut ist. "Der Alkoholgehalt in der Muttermilch ist in der ersten halben Stunde oder Stunde nach dem Alkoholkonsum am höchsten", sagt Maria Flothkötter vom Netzwerk "Gesund ins Leben" des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. "Danach fällt er wieder ab – mit etwa 0,1 Promille pro Stunde." Sie rät: Am besten über den Tag verteilt Milch abpumpen und vor dem Ausgehen noch einmal stillen. Nachts bekommt das Baby dann das Fläschchen mit der abgepumpten Milch. So kann die Mutter eine Mahlzeit überbrücken. Wenn sie das Kleine morgens erneut stillt, ist der Alkohol so weit abgebaut, dass beim Baby nichts mehr ankommt. "Das ist natürlich nur der Fall, wenn es bei ein bis zwei Gläsern Bier, Wein oder Sekt bleibt", sagt die Expertin.

Keine längeren Stillpausen

Von längeren Stillpausen oder dem Abstillen aufgrund von gelegentlichem Alkoholkonsum raten Experten ab: "Nach heutigen Erkenntnissen ist das Stillen für Mutter und Kind als äußerst positiv zu bewerten", sagt Feldmann. "Deshalb sollte die Mutter keinesfalls aufhören zu stillen, wenn sie ausnahmsweise ein Glas Alkohol trinkt." Stillt die Mutter noch ausschließlich, könnten längere Stillpause außerhalb der Reihe zu Stillproblemen führen. In diesem Fall oder wenn das Baby einen sehr unregelmäßigen Stillrhythmus hat, sollte die Mutter vorsorglich ganz auf Alkohol verzichten.

Laut BfR sollten Eltern ihr Baby außerdem nicht mit im Bett schlafen lassen, wenn sie etwas getrunken haben. Der Alkohol setzt das Reaktionsvermögen herab und kann dazu führen, dass Eltern nicht angemessen auf die Signale ihres Kindes reagieren können.


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