Konsum 2.0: Teilen ist das neue Kaufen

Immer mehr Familien entdecken das Tauschen und Teilen für sich. Das Gute: Ob Auto, Kinderkleidung, Werkzeug – Sharing 2.0 funktioniert unkompliziert, sagt unser Experte

von Annett Zündorf, 30.06.2016

Unsere Wohnung hat einen besonderen Platz: Dort stapeln sich Kindersachen, die zu klein sind, Bücher, die wir nicht mehr lesen, oder Kindersitze, die ausgedient haben. Hat sich genug angesammelt, schaffe ich alles in den Umsonstladen in unserer Stadt oder stelle es in eine Umsonstbox. Wenn ich etwas brauche, frage ich herum. Ich weiß genau, wer in der Nachbarschaft eine Bohrmaschine besitzt, wer ein Schleifgerät oder eine ordentliche Säge. Ein Auto leihe ich bei Bedarf von einem Freund.

Ich gehöre zu den Tauschern. Bevor ich etwas kaufe, versuche ich erst mal, es auszuleihen. Da bin ich mittlerweile keine Ausnahme mehr. Viele Eltern kleiner Kinder kaufen gebraucht oder geben ihre Sachen einfach so weiter. "Tauschgeschäfte sind so alt wie die Menschheit", sagt auch Martin Gsell, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Öko-Institut e. V. in Berlin.

Besitz ist kein Prestigeobjekt mehr

Aber seit einiger Zeit liegen Tauschen und Teilen im Trend. "In Zeiten des Wohlstandes wurde wenig getauscht und Dinge nicht mehr gemeinsam genutzt", sagt Gsell. Aber längst dient Kaufen und Besitzen nicht mehr als Prestigeobjekt. Immer weniger Menschen wollen alles selbst besitzen. Stattdessen suchen sie in sozialen Netzwerken oder auf speziellen Plattformen gezielt nach Angeboten oder bieten selbst an. Ob Carsharing, Kleidertausch oder gemeinsames Gärtnern – die Möglichkeiten sind unendlich. Und sie sind gut zu nutzen.

"Der große Vorteil an Sharing 2.0 ist der leichte Zugang", erklärt Gsell. Mussten früher mühsam Zeitungsanzeigen geschaltet werden, sind heute Angebote ständig und in Echtzeit verfügbar. Perfekt für Familien. Egal, ob sie am Carsharing teilnehmen und ein Auto kurzfristig über eine App buchen oder in der Nachbarschaft fragen, wer eine Leiter hat oder einen Babysitter kennt – der Aufwand ist gering.

Verlust oder Beschädigung sollten geregelt sein

Neulinge im Tauschgeschäft sorgen sich manchmal: Was, wenn ich mit dem Auto einen Unfall habe, was, wenn meine Bohrmaschine kaputt ist oder ich sie gar nicht erst wiederbekomme? Ein bisschen sollte man natürlich auf sein Bauchgefühl hören. Auch klare Vereinbarungen helfen. Gerade bei Carsharing-Angeboten ist man versichert und das Auto immer gewartet. In Netzwerken kann eher etwas schiefgehen, aber hier funktioniert die soziale Kontrolle. Über Bewertungen werden schwarze Schafe schnell herausgefiltert. In Nachbarschaftsnetzwerken, in denen alle Teilnehmer in einem Viertel oder einer Straße wohnen, dürfen nur registrierte Bewohner mitmachen. Auch dort ist man vor schlechten Erfahrungen relativ sicher.

Für Familien ist das neue Tauschen und Teilen vor allem mit Blick auf die Haushaltskasse interessant. Ob der klassische Babybasar in der Kita oder die hippe Kleidertausch-Party: "Wer gebraucht kauft, spart Geld, außerdem sind in gebrauchter Kinderkleidung die Schadstoffe reduziert", sagt Martin Gsell.

Einmal im Jahr oder wöchentlich?

Ein weiterer Vorteil: Da man meistens weder Mitgliedsbeiträge zahlt noch zu bestimmten Terminen an einem bestimmten Ort sein muss, kann jeder die Plattformen so nutzen, wie es zur eigenen Familie passt – einmal im Jahr oder täglich. Sharing-Experte Martin Gsell sieht Teilen und Tauschen als großen Trend der Zukunft. "Gemeinsames Wohnen, der Austausch und die gemeinsame Nutzung von Konsumgütern und Autos werden zunehmen."


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