Wie gewöhnt man den Hund ans Baby?

Jahrelang war der Hund das Kind im Haus – und nun zieht ein Baby ein. Wie gewöhnt man den Vierbeiner an den neuen Mitbewohner?

von Susanne Kailitz, aktualisiert am 23.04.2018

Durch klare Regeln lernt der Hund, dass das Kind in der Rangordnung über ihm steht


Gibt es etwas Schöneres, als mit einem Hund aufzuwachsen? Ja? Nein? Vielleicht? Das muss jede Familie für sich entscheiden. Für Kai Hartmann, Dresdner Hunde­trainer, ist aber klar, dass diese Kons­tellation gewisser Vorbereitungen und Regeln bedarf.  
Meist ist der Hund schon da, wenn sich ein Baby ankündigt. Für das Tier bedeutet das: Er spielt nun nicht mehr die Hauptrolle. "Hunde orientieren sich in ihrem Verhalten an dem Menschen, der ihre soziale Gruppe anführt. Wenn ein kleiner Mensch neu dazukommt, verändert sich das ganze Gefüge – das versetzt den Hund in Stress", sagt Hartmann.

Frühzeitig den neuen Alltag planen

Der Hundetrainer rät, sich schon während der Schwangerschaft zu überlegen, wie der neue Alltag gestaltet werden kann. "Gibt es Rituale, auf die der Hund künftig verzichten muss, etwa das Liegen auf der Couch? Darf er bestimmte Zimmer nicht mehr betreten?" All das müsse im Vorfeld überlegt und dem Vierbeiner beigebracht werden. "Manche Familien wollen nicht, dass der Hund sich im Kinderzimmer aufhält. Warum soll er dann nicht mitbekommen, wie aus dem früheren Arbeits- ein Kinderzimmer mit neuen Möbeln wird, das er auch in Augenschein nehmen darf?"

Hund an neue Gerüche gewöhnen

Hunde erfahren ihre Umgebung stark über Gerüche. Daher kann es sinnvoll sein, das Tier an Dinge, die bald dem Kind gehören, zu gewöhnen. "Ich kenne Hunde, denen es geholfen hat, schon mal am Kinderwagen oder Strampler zu schnuppern. Genauso gibt es welche, die das eher verstörte. Ob diese Hilfestellung ankommt, regelt nur der Hund selbst. Unsere menschlichen Ideen sind da wenig hilfreich", sagt Hartmann und rät zum Ausprobieren. "In der Regel hat der Hund das Neue nach drei Wiederholungen verstanden."

Neue Regeln eindeutig kommunizieren

ist das Baby auf der Welt, lerne der Hund meist schnell, dass der winzige Mensch in der Rangordnung über ihm stehe. "Das deutlich zu machen ist Sache der Halter. Je klarer sie dabei sind, desto schneller lernt der Hund", sagt der Trainer. Wichtig: eindeutig kommunizieren. "Hunde spüren Unsicherheit, dann geht bei ihnen das Radar an."

Das erste Kennenlernen zwischen Baby und Tier

Kai Hartmann empfiehlt, den Hund dann und auch später immer mal wieder zum Kind zu lassen. "Dabei auf einen sicheren Abstand achten, etwa den Hund am Kinderbett schnuppern lassen, ihn auf den Arm nehmen oder auf die Couch lassen", rät er. An oberster Stelle stehe die Sicherheit des Babys. "Ist man sich nicht sicher, wie der Hund reagiert, würde ich ihn über einen Maulkorb sichern", sagt Trainer Kai Hartmann. "Die meisten Hunde tun sich damit viel leichter, als wir uns das vorstellen." Aus Erfahrung weiß er: "Verwehren fördert gerade bei Hunden das Be­gehren."

Signale des Hundes genau beobachten

Mit dem Einzug des Babys übernehmen die Hundebesitzer eine große Verantwortung. Wichtig ist, dass sie die Signale ihres Vierbeiners genau kennen und deuten, besonders dann, wenn es zur Interaktion zwischen Hund und Kind kommt. Laut Hundetrainer Kai Hartmann liege eine Gefahr darin, dass vor allem Kleinkinder mit ungestümen Bewegungen oder ruppigen Griffen das Tier in Stress versetzen. "Hunde haben eine lange Eskala­tionsspanne. Sind sie gestresst, schauen sie zunächst weg oder wenden den Kopf ab", sagt der Experte. Ein Knurren sei ein sehr spätes, deutliches Zeichen, dass es nicht gut laufe. Wenn die Besitzer darauf nicht reagieren, könne es im schlimmsten Fall passieren, dass der Hund schnappt oder beißt.

Ein ruhiges Plätzchen schaffen

Auch normaler Lärm beim Spielen oder Schreien stresst Vierbeiner, denn ihr Ruhebedürfnis liegt bei 18 bis 20 Stunden am Tag. "Besser im Vorfeld überlegen, wo der Hund seine Ruhe finden kann", rät Kai Hartmann. Wenn es dem Vierbeiner zu laut wird, muss er irgendwo ein ruhiges Plätzchen haben, das er aufsuchen kann.

Zunächst nur unter Aufsicht

Entschieden ist Coach Hartmann, wenn es um Situationen geht, in denen Hund und Kind allein sein könnten. Kinder seien erst etwa mit acht Jahren in der Lage, die Signale eines Hundes richtig zu deuten und dementsprechend zu handeln. "Bis dahin sollte der Kontakt nur unter Aufsicht stattfinden, auch wenn Eltern nur schnell ins Bad wollen", sagt der Experte. "Die Zeit, eine Tür zu schließen oder das Baby in den Laufstall zu legen, hat man immer. Vor allem, wenn Sie sich vorstellen, welche Vorwürfe Sie sich machen würden, wenn in dieser Minute etwas passiert."

Auf Hygiene achten

Davon ist auch Kinderärztin Cornelia Katzorke aus Flöha überzeugt. In Sachen Hygiene rät sie, auf die Standards zu achten: gründlich Hände waschen nach dem Gassi-Gehen sowie nach Kontakt mit Fell oder Speichel des Tiers. "Ich rate davon ab, den Hund Babys Gesicht ablecken zu lassen oder Baby und Hund auf einer Decke kuscheln zu lassen", so Katzorke. Der Hund sollte außerdem regelmäßig entwurmt werden.


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