Was muss ich vor der Elternzeit regeln?

Ich bin schwanger! Mit dieser Info ist es für Ihren Arbeitgeber noch nicht getan. Was Sie vor Ihrem Mutterschutz alles klären sollten
von Peggy Elfmann, aktualisiert am 30.03.2016

Entspannt in die Elternzeit: Wichtige Punkte früh mit dem Arbeitgeber klären

W&B/Forster & Martin

Schwanger! Die Freude ist bei werden­den ­Müttern groß, aber kaum ein Chef teilt sie. Für ihn bringt die Schwangerschaft einer ­Mitarbeiterin viele Unwägbarkeiten und Veränderungen mit sich. "Beim Arbeitgeber entstehen ­­Ängste, weil unklar ist, ob und wie die Frau für die Firma weiterhin einsetzbar ist", sagt Anke Richter aus Alten­kirchen, die Frauen beim Wiedereinstieg in den Beruf begleitet. Sie rät Schwangeren: "Werden Sie aktiv, und präsentieren Sie Ihrem Arbeitgeber Lösungen, um ihm diese Sorgen zu nehmen – so früh wie möglich."

Anke Richter ist Dipl.-Be­triebs­wir­tin und leitet die Be­ra­tungs­stel­le „Frau und Beruf“ in Altenkirchen. Sie hat zwei Kinder

W&B/Privat

Mit konkreten Vorstellungen ins erste Gespräch gehen

Wann ist der beste Zeitpunkt dafür? "Wenn die Frau sich selbst im Klaren ist, wie sie ihre Rolle als Mutter ausfüllen möchte", erklärt Anke Richter. Dazu gehört vor allem die Frage: Wie lange soll die Elternzeit dauern? Und: Wie ­­lassen sich Kind und Beruf miteinander vereinbaren?

"Gehen Sie mit konkreten Vorstellungen über die Zeit nach der Geburt in das erste Gespräch mit dem Vorgesetzten", rät Cornelia Spachtholz vom Bundesverband berufstätiger Mütter.

Cornelia Spachtholz, Dipl.-Kff. (FH), ist Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands berufstätiger Mütter und hat einen Sohn

W&B/Privat

Schwanger­schaft sparsam thematisieren

Auch wenn werdende Mütter an kaum etwas anderes mehr denken können als an das ­Baby: "Thematisieren Sie die Schwanger­schaft am Arbeitsplatz möglichst wenig, so werden Sie weiterhin professionell wahrgenommen", sagt Spachtholz.

Privat sollten Sie sich schon jetzt um ­einen Kita-Platz kümmern, falls in Ihrer Gegend Mangel herrscht. Erkundigen Sie sich, wie Ihr Arbeitgeber Sie unterstützen kann. Manche Firmen beteiligen sich zum Beispiel an den Kosten.

Dr. Sandra Flämig ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Arbeitsrecht mit ­­eigener Kanzlei in Stutt­gart und Mutter zweier Kinder

W&B/Privat

Wichtige Punkte früh klären

Der letzte Arbeitstag kommt meist viel zu schnell und oft auch überraschend, etwa weil gesundheitliche Probleme auftreten und der Arzt ein Beschäftigungsverbot ausspricht. Deshalb klären Sie folgende Dinge so früh wie möglich:

  • Urlaubsanspruch: Wie viele Urlaubstage stehen Ihnen noch zu? Wollen Sie diese vor dem Mutterschutz nehmen? Gut zu wissen: Urlaubstage verfallen nicht, man kann sie auch nach der ­Elternzeit nehmen.
  • Überstunden: Wie viele Überstunden haben Sie? Können Sie sich die ausbezahlen lassen oder mit Freizeit ausgleichen?
  • Übergabe: Welche Aufgaben ­können Sie vor dem Mutterschutz beenden? Kann ein Kollege Ihre Tätigkeiten während der Elternzeit übernehmen, oder muss eine Vertretung eingestellt werden? Über welche Arbeitsabläufe müssen die Kollegen Bescheid wissen?

Auch Teilzeitregelung möglichst schon jetzt besprechen

Noch nicht zwingend notwendig ist es, jetzt mit dem Arbeitgeber über Teilzeit nach der Elternzeit und flexible Arbeitsbedingungen zu sprechen. Alle Expertinnen empfehlen es aber. "Besonders ratsam ist das, wenn die Firma solchen Themen gegenüber noch nicht aufgeschlossen ist", sagt Richter. Bringen Sie Beispiele von Mitarbeitern vor, die erfolgreich in Teilzeit oder Telearbeit tätig sind. "Lassen Sie sich eine Zusage möglichst schriftlich geben, eine E-Mail-Korrespondenz genügt", sagt Rechtsanwältin Sandra Flämig aus Stuttgart. Am besten bereiten Sie den Antrag zur Elternzeit und gegebenenfalls Teilzeit in der Elternzeit noch vor der Geburt vor.

Selbst wenn Sie nur eine kurze Auszeit planen, rät Flämig: "Lassen Sie sich unbedingt ein Arbeitszeugnis ausstellen, bevor Sie in Elternzeit gehen." Man wisse nie, welche Umstrukturierungen in der Firma während der Elternzeit stattfinden. "Möglicherweise haben Sie dann ­einen neuen Chef, mit dem Sie nicht klarkommen, der aber das Arbeitszeugnis schreiben soll", so die Anwältin.


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