Wann sind Scheiden-pH-Tests sinnvoll?

Scheideninfekte sind für Schwangere gefährlich. Für zu Hause gibt es Selbsttests, mit denen Frauen den pH-Wert ihrer Scheide bestimmen und damit Hinweise auf ein erhöhtes Infektionsrisiko erkennen können
von Barbara Erbe und Daniela Frank, 27.11.2017

Für Schwangere können Keime im Intimbereich gefährlich werden

Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

Jedes elfte Neugeborene in Deutschland kommt laut Netzwerk Neonatologie zu früh zur Welt. Einer von vielen möglichen Gründen dafür können Keime sein, die durch den Muttermund in die Gebärmutterhöhle wandern und dort einen Blasensprung und vorzeitige Wehen auslösen. Ein Scheiden-pH-Test misst den Säuregehalt der Scheidenflora. Ist er erhöht, kann das ein Hinweis auf eine bestehende oder drohende Infektion sein.

Normalerweise herrscht in der Scheide ein pH-Wert zwischen ungefähr 3,8 und 4,4. Dieses saure Milieu hemmt das Wachstum vieler unerwünschter Keime. "Steigt der pH-Wert an, wird also weniger sauer, können sich krankmachende Keime besser vermehren", erläutert Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte Deutschland. Zum Beispiel droht dann eine sogenannte bakterielle Vaginose.

Dr. med. Christian Albring ist Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte

Andreas Schoelzel

Gestörte Scheidenflora erhöht Infektionsrisiko

Deshalb behalten Ärzte und Hebammen bei der Schwangerenvorsorge die Scheidenflora im Blick. "Ich als Arzt mache das aber nicht mithilfe eines pH-Tests", erklärt Albring. "Sondern sehe als Fachmann bei der Überprüfung des Muttermunds am Vaginalschleim, ob das Scheidenmilieu gestört sein könnte." Zusätzlich könne er die Schwangere nach Symptomen wie Jucken oder Brennen im Genitalbereich fragen. "Besteht der Verdacht auf eine Infektion, gebe ich ein bisschen Vaginalsekret auf ein Trägermedium und sehe mir das unter dem Mikroskop an." Dort könne er erkennen, ob schädliche Keime die Scheide besiedeln und auch, wie stark die nützlichen Milchsäurebakterien vertreten sind. "Für uns Ärzte ist diese Methode viel genauer als ein pH-Test", erklärt Albring.

So funktionieren pH-Selbsttests

Frauen, die zusätzlich zu den Vorsorgeuntersuchungen wissen möchten, ob ihr Scheidenmilieu im Normalbereich liegt, können allerdings auf pH-Selbsttests zurückgreifen. Dabei handelt es sich um einen Teststreifen oder -handschuh aus der Apotheke. Der einem Wattestäbchen ähnelnde Teststreifen oder auch der Plastikhandschuh wird dazu für einige Sekunden zwei bis drei Zentimeter tief in die Scheide eingeführt. Danach lässt sich durch Abgleich mit einer Farbskala der pH-Wert ermitteln. Bei der Messung ist allerdings zu beachten, dass auch harmlose Gründe wie zum Beispiel vorangegangener Geschlechtsverkehr zu einer kurzfristigen Erhöhung des pH-Werts führen können. Wurden keine Kondome benutzt, deshalb am besten zwölf Stunden bis zur nächsten Messung warten.

Ist der pH-Wert nicht sauer genug, sollte die Ärztin oder der Arzt sorgfältig überprüfen, ob eventuell bereits eine Infektion der Vagina vorliegt. Falls ja, wird je nach Art der Infektion entsprechend behandelt.

Wer bezahlt die Selbsttests für zu Hause?

Meistens müssen die Teststreifen oder Handschuhe selbst bezahlt werden. Doch inzwischen übernehmen auch einige Krankenkassen im Rahmen der Schwangerenbetreuung die Kosten für den Selbsttest. Denn einige Pilotprojekte liefen überaus erfolgreich. "Eine Aktion des Landes Thüringen von 1998 bis 2000 und eine Untersuchung der Ersatzkassen im Jahr 2009 haben gezeigt, dass insbesondere die frühen Frühgeburten vor der 32. Schwangerschaftswoche bei Anwendung des einfachen Selbsttests deutlich abnehmen", berichtet Prof. Dr. Werner Mendling, Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie in der Gynäkologie und Geburtshilfe (AGII).

Andere Studien deuten jedoch auf keinen besonderen Effekt von zusätzlichen pH-Tests durch die Schwangere selbst hin. Ob eine Messung im Einzelfall sinnvoll ist, dazu kann der Frauenarzt oder die Hebamme beraten.

Bei Risikopatientinnen auf jeden Fall sinnvoll

Laut Albring ist der pH-Selbsttest vor allem für Schwangere eine gute Kontrollmöglichkeit, die häufiger mit Vaginalinfektionen zu kämpfen hatten. Ob die Testhandschuhe oder -stäbchen für alle Schwangeren sinnvoll sind, könne man aber noch nicht sagen. "Dazu müssen wir die Ergebnisse aus Thüringen abwarten." Es zeichne sich allerdings schon ab, dass die Selbsttests Schwangeren ermöglichen, selbst etwas zu tun, um ihre Scheidenflora im Blick zu behalten. "Sie steigern die Disziplin, die vor allem bei Risikopatientinnen wichtig ist", sagt er. "Besonders sinnvoll sind sie also, wenn eine Frau bereits eine Frühgeburt hatte oder wenn bereits früher Infektionen der Scheide aufgetreten sind."

Messung des pH-Werts schließt Infektionen nicht aus

Allerdings gilt auch: Einige Keime, insbesondere Pilze, können sich auch im sauren Milieu, also bei einem unauffälligen pH-Wert, vermehren. Ein normaler pH-Wert und damit ein saures Scheidenmilieu bedeutet daher keinen hundertprozentigen Schutz – weder gegen Keime noch gegen Frühgeburten.


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