Übelkeit in der Schwangerschaft: Das hilft!

Den meisten Schwangeren ist anfangs oft übel. Dagegen lässt sich einiges tun. Manche trifft es auch besonders hart: Starke Übelkeit in der Schwangerschaft kann gefährlich sein
von Daniela Frank, aktualisiert am 04.10.2016

Bei der Hyperemesis gravidarum erbricht die Schwangere ständig und nimmt ab

Thinkstock/PhotoDisc

Beim Aufstehen weht schon der Duft von frischem Kaffee durch die Wohnung? Was für viele himmlisch klingt, schlägt Schwangeren oft heftig auf den Magen. "Übelkeit und Erbrechen sind in der Schwangerschaft häufig, sie betreffen etwa Dreiviertel der Frauen", sagt Dr. Patricia Van de Vondel, Chefärztin der Frauenklinik Porz am Rhein. Die werdenden Mütter reagieren dann auf bestimmte Gerüche, zum Beispiel Kaffee, empfindlich. Denn in der Schwangerschaft sind Geruchs- und Geschmacksnerven geschärft. Meist ist der Magen morgens besonders flau, bei manchen auch nachmittags oder nachts.

Dann hilft es zunächst, die Auslöser der Übelkeit zu meiden und über den Tag verteilt mehrere kleinere Portionen zu essen – auch wenn einem gerade übel ist. Dabei am besten fette und scharfe Speisen meiden und viel zuckerfreie Getränke ohne Kohlensäure trinken, zum Beispiel Wasser oder Tee.

Übelkeit in der Schwangerschaft: Ab wann ist sie gefährlich?

Die gute Nachricht zuerst: Die normale Schwangerschaftsübelkeit ist für das Ungeborene nicht gefährlich. Eine im September 2016 erschienene Studie hat sogar gezeigt, dass betroffene Schwangere seltener Fehlgeburten erleiden als solche, denen gar nicht übel ist: Ihr Risiko war um 50 bis 75 Prozent niedriger.

Doch es gibt Schwangere, bei denen die Übelkeit den ganzen Tag über anhält. Das ist nicht nur höchst unangenehm, sondern kann auch gefährlich werden, wenn die werdende Mutter nicht genügend Nahrung bei sich behalten kann. "Erbricht die Frau mehr als fünfmal pro Tag und zeigt Zeichen unzureichender Nahrungsaufnahme, spricht man von Hyperemesis gravidarum", sagt Van de Vondel. "Etwa zwei Prozent der Schwangeren sind davon betroffen."

Als Zeichen unzureichender Nahrungsaufnahme gelten entweder eine Gewichtsabnahme von mehr als fünf Prozent im Vergleich zum Gewicht vor der Schwangerschaft oder eine sogenannte Ketonurie. "Das ist ein Abbau von Körpersubstanz", sagt Van de Vondel. "Weil der Körper nicht genügend Nahrung bekommt, greift er auf seine Reserven zurück." Dabei entstehen sogenannte Ketonkörper als Abbauprodukte, die der Körper mit dem Urin ausscheidet. Mithilfe eines Urintests kann der Arzt eine Ketonurie feststellen.

Ab wann tritt Übelkeit bei Schwangeren normalerweise aus?

Wie die normale Schwangerschaftsübelkeit tritt auch die Hyperemesis gravidarum in der Frühschwangerschaft auf, meist ab etwa zwei Wochen nach Ausbleiben der Regel. "Leidet die Frau erst nach der neunten Schwangerschaftswoche unter Übelkeit, handelt es sich meist nicht um Hyperemesis gravidarum", sagt Van de Vondel. "Dann steckt womöglich eine andere Erkrankung dahinter." Die Expertin rät: Eine Schwangere sollte bei Übelkeit zum Arzt gehen, wenn der Leidensdruck für sie hoch und ihre Lebensqualität deutlich eingeschränkt ist – und natürlich, wenn sie keinerlei Nahrung bei sich behalten kann oder abnimmt.

Was hilft gegen die Übelkeit?

Doch auch vorher kann die werdende Mutter schon etwas tun: "Wenn sie schon bei beginnender, noch normaler Übelkeit bestimmte Dinge beachtet, kann das dem Auftreten der schweren Form vorbeugen", sagt Van de Vondel. Hilfreiche Maßnahmen sind:

  • Schon vor dem Aufstehen noch im Bett ein kleines Frühstück einnehmen, zum Beispiel etwas gesüßten Tee und einen Zwieback. Erst etwa 20 Minuten danach aufstehen.
  • Über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten einnehmen, statt wenige große. Insgesamt sollten diese mehr Kohlenhydrate enthalten als sonst.
  • Stark gewürzte, sehr zuckerhaltige, fette und scharfe Speisen meiden, genau wie Kaffee, säure- oder kohlensäurehaltige Getränke.
  • Gerüche meiden, gegen die gerade eine Abneigung besteht – oft sind das Kaffee, Fleisch oder bestimmte Parfums – und sich nicht zwingen, entsprechende Nahrungsmittel zu essen.
  • Vor der 15. oder 16. SSW auf Vitaminpräparate verzichten. "Anfangs brauchen Schwangere nur Folsäure", sagt Van de Vondel. "Zusätzliche Vitamine sind so früh meist nicht nötig – wenn überhaupt." Die Kapseln könnten den Magen belasten, da er sie auflösen muss. Das kann die Übelkeit verstärken.
  • Einige pflanzliche Mittel gegen Übelkeit sind für Schwangere erlaubt (Arzt oder Apotheker fragen!). "Am besten wirkt aber oft frischer Ingwer", sagt Van de Vondel. "Entweder ein kleines Stück davon kauen oder ein paar Scheiben als Tee aufgießen."

Wie wird Hyperemesis gravidarum behandelt?

Bei einer Hyperemesis gravidarum helfen diese Maßnahmen jedoch nicht mehr. Spätestens dann sollte die Schwangere zum Arzt gehen, meist muss sie für ein paar Tage ins Krankenhaus. "Wir geben ihr Infusionen mit Elektrolyten und Flüssigkeit", sagt Van de Vondel. "Dazu bekommt sie Mittel gegen die Übelkeit, zum Beispiel scheint Vitamin B6 ganz gut zu wirken." Nach zwei bis drei Tagen können die meisten Schwangeren wieder normal essen und entlassen werden. In sehr vereinzelten Fällen müssen betroffene Frauen künstlich ernährt werden.

Wann verschwindet die Schwangerschaftsübelkeit?

Ein kleiner Lichtblick: Normalerweise verschwindet die Übelkeit etwa nach der 13. oder 14. Schwangerschaftswoche (SSW) wieder. Vereinzelt kann sie länger andauern, sehr selten die gesamte Schwangerschaft über. Und dass sie in einer weiteren Schwangerschaft wieder auftritt, ist auch nicht gesagt: "Es besteht ein Wiederholungsrisiko von etwa 50 Prozent", sagt Van de Vondel.

Was sind die Ursachen starker Übelkeit bei Schwangeren?

Was die Hyperemesis gravidarum verursacht, weiß man noch nicht genau. "Die Risikofaktoren sind jedenfalls das genaue Gegenteil der Risikofaktoren vieler anderer Krankheiten", sagt Van de Vondel. "Es sind nämlich verstärkt junge, schlanke Nichtraucherinnen betroffen." Frauen, die vor der Schwangerschaft geraucht haben, adipös oder über 35 Jahre alt sind, leiden seltener darunter. "Die Gene haben mit der Erkrankung wahrscheinlich nichts zu tun", sagt Van de Vondel. "Man vermutet stattdessen, dass hormonelle Faktoren eine Rolle spielen – eher der höhere Östrogenspiegel als das Schwangerschaftshormon hCG." Auch Frauen, die Zwillinge erwarten, haben ein höheres Risiko.

Probleme und Stress verstärken Symptome

Daneben spielen psychosomatische und psychosoziale Ursachen eine nicht geringe Rolle. Stress verstärkt die Übelkeit, ob aufgrund von Problemen in der Beziehung, mit den Eltern oder der Schwangerschaft. Außerdem hat das Umfeld einen gewissen Einfluss: "Wenn eine Schwangere ständig gefragt wird, ob ihr schon schlecht ist, wird ihr eher schlecht", sagt Van de Vondel. "Es kann der Frau also auch schon helfen, wenn die Übelkeit weniger thematisiert wird." Da es anfangs kaum äußere Zeichen für die Schwangerschaft gebe, gelte die Übelkeit für viele als typisches Merkmal, das die Schwangerschaft dem Umfeld anzeigt.


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