Traumfigur kurz nach der Geburt – geht das?

Einige Stars präsentieren wenige Wochen nach der Geburt ihre schon wieder schlanke und straffe Figur. Wie schaffen sie das bloß?
von Anne-Bärbel Köhle, aktualisiert am 08.08.2016

Victoria Beckham trug angeblich kurz nach der Geburt ihrer Tochter wieder Größe 34

Reuters/Carlo Allegri

Man könnte schreien vor Neid. Kaum haben ­diese Frauen ein Kind geboren, sind sie schon wieder gertenschlank. Manchmal sehen sie ­ekelhafterweise sogar noch besser aus als vor der Schwangerschaft. Heidi Klum zum Beispiel. Vier Kinder scheinen spurlos an ihr vorübergegangen zu sein. Fünf Wochen nach der Geburt ihres Sohnes Henry etwa stakste sie schon wieder über den Laufsteg. Designerin ­Victoria Beckham trug angeblich eine Woche nach der Geburt ihres vierten Kindes Größe 34.

Karin Kalbantner-­Wernicke ist Physiotherapeutin in Hochheim

W&B/Sabine Dürichen

Schlank gleich nach der Geburt? Gibt es!

Wie geht das überhaupt? Vielleicht haben manche dieser Wunder-Mütter ihre Kinder Wochen vor dem errechnetem Geburtstermin per Kaiserschnitt (inklusive Bauchdecken­straffung) entbunden, um sich die letzten Schwangerschafts-Kilos zu ersparen? Wird mit­hilfe von Photoshop am einen oder anderen Bild herumgeschummelt? Vielleicht. Doch eine deprimierende Wahrheit bleibt:

Es gibt sie. Auch wenn man es nicht hören will. Manche Frauen haben natürlicherweise ein dermaßen gutes Bindegewebe und nehmen während der Schwangerschaft so wenig zu, dass sie sich tatsächlich kurz nach der Geburt wieder in ­ihre alte Skinny-Jeans quetschen können. "Das ist eine Frage der Gene", sagt Dr. med. Ansgar Römer, niedergelassener Gynäkologe aus Mannheim. Voraussetzung für dieses Wunder: "Diese Frauen hatten auch schon vor der Geburt eine sehr ­gute, durchtrainierte Figur", erklärt der ­­Frauenarzt. Sie bauen also auf einem fantastischen Fundament auf. So wie Heidi Klum oder Victoria Beckham. Und nach der Geburt? Ziehen sie ein eiser­­nes Programm durch. "Das geht nur mit harten Diäten und mit extrem viel Sport", sagt Physiotherapeutin ­Karin Kalbantner-­Wernicke, die in ihrer Praxis viele junge Mütter betreut. "Dazu braucht es eine Ernährungsberaterin, einen Fitnesscoach und eine Vollzeitnanny."

Nicht jeder hat dieselben Voraussetzungen

Die große Masse der anderen Frauen hat ungünstigere Startchancen, verfügt weder über einen Stall von Angestellten noch über ­einen Traumbody. Und da, sagt ­Römer, "lässt sich auch nicht viel machen. So ist eben die Natur". Frauen würden zudem ihre Kinder ­heute "viel später als früher bekommen. Mit Anfang 20 erholt sich ein Körper aber von den Zeichen der Schwangerschaft schneller als mit Anfang 40".

Das klingt entlastend. Doch nimmt es nicht den Druck von vielen derjenigen Frauen, die nach der Geburt so aussehen, wie Jung-­Mütter eben normaler­­weise daherkommen. Warum ist es so schwierig, das zu akzeptieren? "Nach der Pubertät ist die Schwangerschaft im Leben ­einer Frau die zweite große Umbruch­phase", erklärt Römer. "Der Körper verändert sich unter den Hormoneinflüssen enorm. Manches davon lässt sich nicht wieder zurückdrehen." ­Gerade bei Spätgebärenden fiele das Ende der Schwangerschaft fast schon mit dem Beginn der Wechseljahre zusammen: ebenfalls ­eine Zeit der körperlichen Umstellung, bei der ­manche Frauen nicht mehr so leicht abnehmen. Große Umbrüche, die am Selbstbild rütteln. Genau davor hat ein Großteil der Frauen offenbar Angst.

Angst vor Kilos kann zu Esstörungen führen

Das Resultat einer Studie des Institute of Child Health am ­University College London ließ die Wissen­schaftler zusammenzucken: Von mehr als 700 schwangeren Untersuchungsteilnehmerinnen gab jede Vierte an, Angst vor einer Gewichtszunahme zu haben. Jede ­Zehnte zeigte Zeichen ­einer Essstörung, hungerte, hatte Fress­anfälle, erbrach sich absichtlich oder trieb sehr viel Sport. Jede 15. Schwangere galt als essgestört.

Fazit der Forscher: Die Unzufriedenheit der Frauen hängt auch mit dem Bild der perfekten Schwangeren zusammen. Runde Bäuchlein unter einer glamourösen Robe, gestreichelt von manikürten Händen: Stars sind nicht nur nach der Geburt wunderschön – sondern auch schon während der Schwangerschaft. Vom ersten Moment an sehen sich Frauen also einem Mix an Anforderungen gegenüber: Sie müssen sexy sein. Mütterlich. Schlank. Cool. Das Resultat: "Die Natürlichkeit geht verloren", sagt Kalbantner-Wernicke. Frauenarzt Römer beobachtet in seiner Praxis zunehmend Frauen, "die ihre Schwangerschaft nicht genießen, die bei jeder Wassereinlagerung und bei jedem Kilo nervös werden".

Kurz nach der Geburt auszusehen wie vorher geht so oder so nur mit härtester Selbstbeherrschung. Gesund ist es nicht. "Wer zu früh ­seinen Beckenboden belastet, muss mit Spätfolgen rechnen, etwa Blasen­schwäche", sagt Kalbantner-Wer­nicke. Römer kennt noch ­eine weitere unangenehme Folge. "Im Wochenbett stellt sich der Metabolismus des Körpers um. Wer jetzt stark abnimmt, setzt den Jo-Jo-­Effekt erst recht in Gang." Nein danke, ­­Heidi. Dann doch lieber ein paar ent­spannte Monate lang ein paar Kilo zu viel auf der Waage!


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