Test auf Zytomegalie in der Schwangerschaft?

Von einer Infektion mit Zytomegalie (CMV) bemerken Schwangere meist nichts. Doch sie kann dem Kind schaden. Ist der Test sinnvoll?

von Daniela Frank, aktualisiert am 12.11.2018
Sprechstunde

Manche Ärzte raten am Anfang der Schwangerschaft zu einem Test auf Zytomegalie


Wer sich mit Zytomegalie infiziert, bemerkt das meist gar nicht. Die Erreger gehören zu den Herpesviren und werden über Speichel, Blut, Urin, Tränen, Samen- oder Vaginalflüssigkeit sowie Muttermilch übertragen. Bei Gesunden ist eine sogenannte CMV-Infektion in der Regel harmlos, es treten keine oder erkältungsähnliche Beschwerden auf. Bei Menschen mit gestörter Immunabwehr kann die Krankheit jedoch schwer verlaufen. Gefährlich ist sie aber auch in der Schwangerschaft: Beim ungeborenen Kind kann sie zu einer Reihe von Krankheitszeichen und Fehlbildungen oder zur Fehlgeburt führen. "Eine Studie hat zum Beispiel gezeigt, dass ein Viertel der schwerhörig geborenen Kinder ihr Hörvermögen aufgrund einer CMV-Infektion in der Schwangerschaft eingebüßt haben", sagt Professor Klaus Friese, Ärztlicher Direktor der Klinik Bad Trissl.

Zytomegalie: Vergleichsweise viele Schwangere stecken sich an

Etwa die Hälfte der deutschen Frauen im gebärfähigen Alter hat schon einmal eine CMV-Infektion durchgemacht. Diese Frauen sind anschließend immun. Da das Virus – wie alle Herpesviren – lebenslang im Körper verbleibt, kann es zwar wieder aktiv werden. Eine solche Reaktivierung berge jedoch weit geringere Risiken für das Ungeborene als die Erstinfektion. Schwangere mit bereits überstandener Infektion müssen sich daher eigentlich keine Sorgen um CMV machen.

Die problematische Erstinfektion ist trotzdem vergleichsweise häufig: "Von 200 Schwangeren ist etwa eine Frau betroffen – viel mehr als zum Beispiel von Toxoplasmose", sagt Friese, der eine europäische Zytomegalie-Studie leitet. "Die meisten Schwangeren stecken sich bei ihrem ersten Kind an, indem sie zum Beispiel den Schnuller abschlecken oder vom Löffel des Kindes probieren." Klaus Friese rät deshalb zu einem Test auf Zytomegalie zu Beginn der Schwangerschaft. Weist das Blut der Schwangeren Antikörper auf, kann sie die Erstinfektion nicht mehr treffen.

Schutzmaßnahmen für negativ getestete Mütter nötig

Eine negativ getestete Mutter sollte entsprechende Maßnahmen ergreifen, um sich nicht anzustecken: Gründliches Händewaschen mit Seife ist wichtig, vor allem nach dem Kontakt mit dem Speichel oder nach dem Wickeln von Kleinkindern. Gegenstände wie Geschirr oder Handtücher sollten Mutter und Kind nicht gemeinsam benutzen und Dinge, die mit Urin oder Speichel von Kleinkindern in Berührung kamen, sollten anschließend gut gereinigt werden. Für CMV-negative Frauen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen arbeiten, gelten sogar besondere Regeln: Laut Biostoffverordnung der EU sollten sie nur Kinder über drei Jahre betreuen und vom Wickeln freigestellt werden, da bei Kleinkindern die Virusausscheidung in Urin und Speichel besonders hoch ist. Außerdem sollten sie sich zusätzlich mit intensiven Hygienemaßnahmen schützen.

Steckt sich eine Frau trotzdem während der Schwangerschaft an, muss das Kind nicht unbedingt Schäden davontragen: Das Virus geht nur in etwa 40 Prozent der Fälle auf das Ungeborene über, von den infizierten Kindern erleiden nur ungefähr 10 bis 20 Prozent Schäden. Diese sind jedoch manchmal bei der Geburt noch nicht erkennbar und kommen erst später zum Vorschein. Teilweise wird dann die Verbindung zu einer möglichen CMV-Infektion in der Schwangerschaft nicht mehr hergestellt.

Behandlung noch schwierig

Diagnostiziert der Arzt bei der Schwangeren eine akute Zytomegalie – was in der Regel zufällig geschieht – gestaltet sich die Behandlung derzeit jedoch noch schwierig. Denn die Virostatika, die normalerweise eingesetzt werden, sind für Schwangere nicht geeignet. Reife Neugeborene könnten – falls betroffen – das Medikament bekommen.

"Für Schwangere läuft derzeit eine Studie mit Hyperimmunglobulinen", sagt Friese. "Sie sind besonders im ersten Schwangerschaftsdrittel vielversprechend, das Mittel ist aber noch nicht zugelassen." Hyperimmunglobuline sind spezifische Antikörper, die gegen Bestandteile der Virushülle gerichtet sind. Sie binden freie Viren und verhindern so die Ausbreitung der Infektion. Um festzustellen, ob das Virus auf das Ungeborene übergegangen ist, kann der Arzt zum Beispiel eine Fruchtwasseruntersuchung durchführen. Diese birgt aber ein Fehlgeburtsrisiko von etwa 0,3 bis einem Prozent.

Die beste Art der Vorsorge besteht laut aktuellem Forschungsstand daher immer noch in einer umfassenden Hygieneaufklärung.

Zytomegalie-Test zählt zu den IGe-Leistungen

Die meisten Krankenkassen bezahlen den Test auf CMV bisher nicht. "Da tut sich aber etwas", sagt Friese. Bei der Kasse nachzufragen könnte sich also lohnen. Auch die privaten Kassen bezahlen den Test teilweise, ansonsten kostet er etwa 20 Euro.


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