Schwanger und krank: Was darf ich einnehmen?

Bei Husten, Schnupfen, Kopfweh sind Schwangere oft verunsichert: Welche Medikamente sind erlaubt? Experten klären auf

von Tanja Pöpperl, aktualisiert am 14.11.2016
Schwangere Frau studiert Medikament

Kann ich das Medikament in der Schwangerschaft einnehmen?


Die Angst ist groß, dem entstehenden Leben durch Medikamente Schaden zuzufügen. Deshalb sind die meisten Schwangeren extrem zurückhaltend, wenn es darum geht, Arzneimittel einzunehmen. Und das ist auch gut so. Beruhigend aber: Wenn Beschwerden einen stark beeinträchtigen, gibt es meist gut untersuchte Wirkstoffe oder erprobte Anwendungen, die auch Schwangere durchaus nutzen können. Hier ­eine Übersicht:

Schnupfen

Er dauert mit Medikamenten sieben Tage und ohne eine ­Woche, lautet ein alter Mediziner-Witz. Doch eine verstopfte Nase, die einen nachts am Schlafen hindert, muss keine Schwangere hinnehmen. "Versuchen Sie Salz­­nasenspray oder inhalieren Sie, um die ­Nase frei zu bekommen", rät die Kölner Gynä­kologin ­Gabrielle Stöcker. Für ­eine Inhalation geben Sie einen ­­Liter heißes ­Wasser in ­eine Schüssel und atmen den Dampf mit einem Handtuch über dem Kopf fünf bis zehn Minuten lang ein.

Wenn das nicht ausreicht: "Ein abschwellendes Spray ist durchaus vertretbar, vor allem wenn der Schnupfen nachts den Schlaf raubt. Das ist ein großer Stressfaktor für Schwangere", erklärt Dr. Christof ­Schaefer, Mediziner und Experte für Embryonaltoxikologie in Berlin. Allerdings sollte das Präparat möglichst nur zur Nacht und nicht länger als ­eine Woche am Stück zum Einsatz kommen.

Birgit Friesicke

Birgit ­Friesicke, ­Apothekerin aus Lüdinghausen, emp­fiehlt Schwangeren zudem eine Nasen­salbe mit Engelwurz-Extrakt. Dünn außen auf die Nasen­­flügel auftragen, das lindert die Beschwerden. "Oder versuchen Sie es mit homöopathischen Mitteln, ­etwa Allium cepa oder Pulsa­tilla in der Potenz D 6.Bei akutem Fließschnupfen alle halbe Stunde fünf Globuli einnehmen, bis Besserung eintritt." Zudem raten ­alle Experten dazu, ausreichend zu trinken, um die Schleimhäute feucht zu halten. Zweieinhalb Liter Wasser oder Tee über den Tag verteilt sollten es sein (sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen).

Husten

Nervtötend, so ein trocke­ner Dauer­hus­ten. Da ist an Schlaf oft nicht zu denken. "Anhaltender Reizhus­ten lässt sich auf pflanzlicher Basis recht gut mit Eibisch- und Thymian­präparaten stillen, zum Beispiel als Tee, Tropfen oder Lutschpastillen", sagt Birgit Friesicke. "Oder homöopathisch, zum Beispiel mit Belladonna in der Potenz D 6. Halbstündlich fünf Globuli einnehmen, bis der Hus­tenreiz abklingt."

Dr. med. Christof Schaefer

Bei verschleimten ­Bronchien bringt das ätherische Öl Cineol in Kapseln oder als Balsam oft Linderung. Allerdings soll man es nicht im ersten Schwangerschafts­drittel nehmen. Experte Schaefer rät zusätzlich zu bewährten Hausmitteln wie frische Luft, ausreichend trinken und inhalieren, um die Atemwege zu befeuchten.

"Bei quälendem Reizhus­ten könnte man nach ärztlicher Absprache kurzfristig ein hustenstillendes Mittel einnehmen", so ­Schaefer. "Bei starker Schleimbildung wäre ein Schleimlöser mit dem Wirkstoff Acetylcystein ein gängiges Mittel in der Schwangerschaft. Aber bitte niemals gleichzeitig den Husten lösen und stillen!"

Halsweh

Die Auswahl an Lutschtabletten gegen Kratzen im Hals oder Schluckbeschwerden ist bunt und un­übersichtlich. "Sie brauchen kein Produkt mit lokal betäubender oder antiseptischer Wirkung. Es geht nur darum, ausreichend zu schlucken und den Hals feucht zu halten", erklärt Christof Schaefer. Diesen Effekt erreichen Sie mit jedem Bonbon und geeignetem Tee, ­etwa Salbei. Pastillen mit Isländisch Moos oder Hyaluronsäure können den gereizten Hals zusätzlich beruhigen.

Gabrielle Stöcker

"Manchen Frauen tut es gut, mit Salbeitee zu gurgeln", sagt Birgit Friesicke. "In der Stillzeit ist das aber nicht ratsam, denn Salbei kann den Milchfluss hemmen." Heftige Halsschmerzen, eventuell von Fieber begleitet, können allerdings auch durch eine eitrige Mandelentzündung verursacht werden. Dann heißt es: ab zum Arzt. "Er verschreibt dann Penicillin, das ist normalerweise gut verträglich und in der Schwangerschaft kein Problem", sagt Toxikologe Christof Schaefer.

Fieber

"Bis 38 Grad würde ich mir ­keine Sorgen machen, da muss man nicht gleich etwas einnehmen", beruhigt Apothekerin Friesicke. Die Ursache für hohes Fieber sollten Sie aber abklären lassen. "Handelt es sich lediglich um die harmlose Begleiterscheinung eines grippalen Infekts, können Sie Wadenwickel ausprobieren. Oder das Fieber mit dem Wirkstoff Paracetamol senken", sagt Friesicke. Die Dosierung immer mit dem Gynäkologen besprechen.

Kopfschmerzen

Hämmern, Dröhnen, einseitiges Stechen: Leider werden Schwangere oft von Kopfweh geplagt. Bei starken Beschwerden darf man auch mal zur Tablette greifen. So können Schwangere bis zur 28. Schwangerschaftswoche Ibuprofen nehmen oder – in der gesamten Schwangerschaft – Paracetamol. "Allerdings bei wiederholter Einnahme nicht ohne ärztliche Absprache und nicht wochen- oder monatelang", sagt Christof Schaefer.

Schwangere mit Mi­gräne profitieren in vielen Fällen von Aku­punktur, so ­­Gabrielle Stöckers Erfahrung. "Erkundigen Sie sich bei ­Ihrer Krankenkasse, oft werden die Kosten übernommen." 

Bei leichteren Spannungskopfschmerzen kann ­eine Schläfenmassage mit verdünntem Pfefferminzöl helfen, weiß ­Birgit ­Friesicke. Wenn ­Wärme die Beschwerden lindert, tut oft ein erwärmtes Kirschkernkissen im Nacken oder ein warmes Bad gut.

Rückenschmerzen

Fast jede Schwangerschaft wird von einem schmerzenden Rücken begleitet. Doch nicht immer liegt die Ursache nur im steigenden Gewicht und der veränderten Körperhaltung: "Überlegen Sie, ob zum Beispiel eine andere ­­Matratze oder ein Wechsel der Sitz­möbel Ab­hilfe schaffen könnte", regt ­­Christof Schaefer an. "Bei leichteren Beschwerden hilft oft ­eine Wärmeanwendung, etwa ein Körner­kissen auf die schmerzende Stelle legen." Von Pflastern, die die Haut ­chemisch erwärmen, rät er ab. Anhaltende Schmerzen bessern sich manchmal durch Massagen oder Krankengymnastik. Besprechen Sie mögliche Therapien mit dem Arzt.

Magen-Darm-­Beschwerden

Übelkeit und Erbrechen treten gerade in der Frühschwangerschaft recht häufig auf. "Meist klingen die Beschwerden nach dem dritten Monat von alleine ab", sagt ­Gabrielle Stöcker. "Oft hilft es, kleine Portionen über den Tag verteilt zu essen und auf Getränke mit Kohlensäure zu verzichten." Bessert sich die Übelkeit nicht, lindern manche Medikamente die Beschwerden. Bitte besprechen Sie dies unbedingt mit dem Arzt.

Steckt ein Magen-Darm-Infekt hinter den Beschwerden und kommt zum Erbrechen Durchfall hinzu, sollten Schwangere vor allem viel ruhen und ausreichend trinken. Tipp der Frauenärztin: "Frische Ingwerstücke mit heißem Wasser übergießen und das in kleinen Schlucken trinken." Da Ingwer möglicherweise Wehen auslösen kann, empfiehlt sich dies nicht als Dauerlösung und nicht bei fortgeschrittener Schwangerschaft. Bei wässrigem Durchfall ohne Übelkeit können Sie in der Apo­theke nach einer Elektrolytlösung zum Trinken fragen. "Der Körper scheidet vermehrt Mineralstoffe aus, die Sie mit solchen Präparaten nachliefern können", erklärt Apothekerin Friesicke. Generell gilt: "Wenden Sie sich mit länger andauerndem Erbrechen und Durchfall immer an den ­behandelnden Frauen­­arzt, eventuell ist eine ­kurze stationäre Behandlung mit Infusio­nen nötig", so Stöcker.

Verstopfung

Mit einem streikenden Verdauungs­trakt haben viele Schwangere zu tun, vor allem wenn sie Eisenpräparate verschrieben bekommen. Das kann sehr unangenehm sein, aber ist kein Grund, zu Abführmitteln zu greifen. "Vermeiden Sie unbedingt sogenannte Laxanzien, die machen den Darm chronisch träge", warnt ­Gab­rielle Stöcker.

Bewährte Helfer, die die Verdauung in Schwung bringen, sind ballaststoffreiche Nahrungs­mittel, Leinsamen, Milchzucker oder Trockenpflaumen. Zudem sollten Betroffene mindestens zwei ­Liter Wasser am Tag trinken und sich möglichst viel bewegen, soweit Bauchumfang und allgemeine Verfassung das noch zulassen. "Wenn gar nichts mehr geht, rate ich zu einem Mini-Klis­tier nach ärzt­licher Absprache", sagt die Gynäkologin. Tabu sind pflanzliche Abführmittel mit Aloe oder Sennes. Gleiches gilt für Rizinusöl, es kann zu schlimmen Durchfällen führen und Wehen auslösen.

Medikamenten-Infos für Schwangere und Stillende

Unter werdenden und stillenden Müttern gilt die Internet-Adresse als Geheimtipp: www.embryotox.de*. Wen mit Baby im Bauch oder an der Brust etwa Grippe oder Heuschnupfen plagen, erfährt von niedergelassenen Ärzten oder Apothekern unter Umständen: "Für Sie gibt es leider keine Medikamente." Denn viele Mittel werden aus ethischen Gründen nicht an Schwangeren getestet. Embryo­tox versucht, trotzdem an aussagekräftige Daten zu kommen. Auf der Website finden werdende Mütter oft differenziertere Informationen.


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