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Schilddrüsenprobleme nach der Schwangerschaft

Nach einer Geburt arbeitet bei Müttern die Schilddrüse manchmal nicht mehr richtig. Warum das oft unerkannt bleibt

von Larissa Gaub, aktualisiert am 19.12.2018
Junge Frau

Mini-Organ am Hals: In der Schwangerschaft ist die Schilddrüse besonders gefordert


Gerade mal so groß wie eine Walnuss ist das schmetterlingsförmige Organ direkt unter dem Kehlkopf im Hals: die Schilddrüse. Sie sorgt normalerweise dafür, dass der ganze Stoffwechsel in Schwung bleibt. Mit ihren Hormonen beeinflusst sie unter anderem das eigene Wohlbefinden, die Fruchtbarkeit und das Wachstum von Haut, Haaren und Nägeln.

Was viele nicht wissen: Bei Müttern gerät die Schilddrüse manchmal nach der Geburt des Kindes aus dem Gleichgewicht. "Etwa acht Prozent der Frauen erkranken an einer Schilddrüsenentzündung", erklärt der Kölner Professor Matthias Schmidt vom Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner. Sie tritt bis zu zwölf Monate nach der Entbindung auf. Mediziner sprechen dann von einer Postpartum-Thyreoditis. Wie die Krankheit genau entsteht, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Manche der betroffenen Frauen haben bereits vor der Schwangerschaft erhöhte schilddrüsenspezifische Antikörper. Dieser Umstand wird aber in der Regel nicht erkannt, wenn keine Symptome auftreten. Besonders gefährdet sind auch Typ-1-Diabetikerinnen, Frauen mit Autoimmunerkrankungen und solche, bei denen Schilddrüsenkrankheiten wie Hashimoto-Thyreoiditis in der Familie vorkommen.

Was passiert während der Schwangerschaft mit der Schilddrüse?

In der Schwangerschaft gerät die Schilddrüse unter Stress. Sie muss in dieser Zeit nicht nur den eigenen Körper mit ausreichend Hormonen versorgen, sondern zusätzlich auch das Ungeborene. "Gleichzeitig ist das mütterliche Immunsystem während der Schwangerschaft herunterreguliert, sodass die Entzündung nicht ausbricht", erklärt Schmidt. Sie entsteht nämlich durch eine Autoimmunreaktion, also einen Angriff des Immunsystems auf den eigenen Körper.

Nach der Geburt des Kindes arbeitet das Immunsystem der Mutter wieder normal. Jetzt kann es vermehrt Antikörper bilden, die die Schilddrüse angreifen. Diese Antikörper richten sich zum Beispiel gegen das Enzym Thyreoperoxidase (TPO), das die Schilddrüse bei der Hormonherstellung unterstützt. Kann es seine Funktion nicht mehr erfüllen, gerät die Schilddrüse ins Ungleichgewicht und bildet zu viele oder zu wenige Hormone. Kommt es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse, verlangsamt sich der Stoffwechsel. Bei einer Überfunktion geschieht das Gegenteil. Zu Beginn der Erkrankung liegt oft eine Überfunktion vor, die dann in eine Unterfunktion übergeht.

Wie erkennt man eine Störung der Schilddrüse?

Häufig bleibt die Erkrankung bei jungen Müttern unerkannt. Prof. Dr. Ekkehard Schleußner, Direktor der Klinik für Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Jena, rät: "Fühlt sich die Frau sehr erschöpft oder antriebsarm, sollte sie sich auf jeden Fall Hilfe beim Gynäkologen oder Hausarzt holen und die Schilddrüsenfunktion überprüfen lassen." Prof. Matthias Schott, Endokrinologe am Universitätsklinikum Düsseldorf, ergänzt: "Dies geschieht mit einem speziellen Bluttest."

Eine Überproduktion der Hormone führt zu gegenteiligen Symptomen. "Die Frauen sind sehr überdreht und nervös, zittern vermehrt, schwitzen verstärkt und leiden manchmal unter einem unangenehmen Herzrasen", erklärt Nuklearmediziner Schmidt. Ob eine Therapie nötig ist, entscheidet der Arzt. "Wenn die Symptome nur leicht ausgeprägt sind, kann man oft einfach abwarten. Aber wenn die Patientinnen stark darunter leiden und Herzrasen auftritt, helfen vorübergehend niedrig dosierte Betablocker", so Schmidt. Meist dürfen die Mütter trotz der Medikamente weiter stillen.

Nach einer Weile schlägt die Überfunktion meist in eine Unterfunktion um: Die Mütter fühlen sich weniger leistungsfähig, sind müde und antriebslos. Die Schilddrüse bildet nun zu wenig Hormone. "Jetzt verordnet der Arzt Schilddrüsenhormone in Tablettenform, um den Mangel auszugleichen. Aber bei der Hälfte der Frauen klingen die Symptome mit der Zeit ganz von selbst ab", sagt Schmidt. "Die Erkrankung heilt aus, sodass keine dauerhafte Medikamenteneinnahme erforderlich ist."

Typische Symptome:

Die Schilddrüse stellt Hormone her, die viele Körperfunktionen beeinflussen. Gerät sie aus dem Gleichgewicht, kommt es zu einer Unter- oder Überfunktion. Das kann sich unter anderem folgendermaßen bemerkbar machen:

Unterfunktion: Depression, Abgeschlagenheit, brüchige Nägel, trockenes Haar, trockene Haut, niedrige Herzfrequenz, Verstopfung, Unfruchtbarkeit, Menstruationsstörungen, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, Muskelschwäche

Überfunktion: Schlafstörungen, Reizbarkeit, Nervosität, feuchte, warme Haut, hohe Herzfrequenz, Rhythmusstörungen, erhöhte Stuhlfrequenz bis hin zu Durchfall, Unfruchtbarkeit, Zyklusstörungen, Gewichtsabnahme, Wärmeempfindlichkeit, feinschlägiges Fingerzittern

Einem Jodmangel vorbeugen ist wichtig

Vorbeugend raten Ärzte Frauen schon bei Kinderwunsch – aber spätestens mit Eintreten der Schwangerschaft –, ihre Schilddrüsenwerte überprüfen zu lassen. So kann eine bestehende Fehlfunktion erkannt und entsprechend gegengesteuert werden.

Generell wird Schwangeren und stillenden Müttern empfohlen, auf eine ausreichende Jodversorgung zu achten, um einen Jodmangel der mütterlichen Schilddrüse und des sich entwickelnden Kindes zu vermeiden. "Der Körper benötigt das Spurenelement, um die Schilddrüsenhormone zu bilden", erklärt Schott. Allein durch die Ernährung ist der Jodbedarf schwer zu decken. Daher wird Frauen ohne besonderes Risiko für Schilddrüsenerkrankungen empfohlen, während und nach der Schwangerschaft Jodtabletten einzunehmen. Unabhängig von Schwangerschaft und Kinderwunsch sollten Frauen jedoch nicht einfach Jodtabletten einnehmen. Zuvor müsste der Arzt klären, dass die Frau nicht an einer Autoimmunthyreoiditis leidet. "Sonst kann eine zusätzliche Jodsupplementierung das Krankheitsbild verstärken", sagt Schott.

Wenn der Arzt Tabletten verordnet, ist es wichtig, sie regelmäßig einzunehmen. Denn eine ausgeprägte Unterfunktion kann die Entwicklung des kindlichen Gehirns gefährden. Matthias Schmidt: "Die Hormone der Mutter spielen hier eine wichtige Rolle. Laut Studien kann eine Unterversorgung das Kind Intelligenzpunkte kosten."

Vorsicht vor Verwechslung!

Eine Wochenbettdepression löst ähnliche Symptome aus wie eine Schilddrüsenunterfunktion. Betroffene Frauen spüren zum Beispiel große Traurigkeit, Unruhe, Antriebslosigkeit, und es fällt den Müttern schwer, ihrem Baby mit Liebe zu begegnen. Die Wochenbett- oder auch postnatale Depression kann sich ebenfalls Wochen bis Monate nach der Schwangerschaft bemerkbar machen.

Nur der Arzt kann klären, ob eine Wochenbettdepression oder eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt. "Wenn die Schilddrüsenunterfunktion behandelt wird, hellt sich die Stimmung auf", erklärt Frauenarzt Ekkehard Schleußner. "Wenn das nicht passiert, sollte dringend abgeklärt werden, ob eine Wochenbettdepression vorliegt" – oder womöglich beides.

Beide Erkrankungen sind nicht mit dem Babyblues zu verwechseln. Hier kommt es in den ersten Tagen nach der Geburt zu Stimmungsschwankungen. Prof. Schleußner erklärt: "Sobald die Milch einschießt, klingt diese "Heulphase" jedoch wieder ab."

 


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