Restless-Legs-Syndrom in der Schwangerschaft

Jede dritte Schwangere hat Schlafprobleme, weil ihre Beine kribbeln, zucken, schmerzen. Was hinter dem Syndrom steckt und was dagegen hilft

von Peggy Elfmann, aktualisiert am 02.03.2016

Keine Ruhe: Bei manchen Schwangeren sind auch in der Nacht die Beine aktiv


Mit der Schwangerschaft fängt für die meisten Frauen eine wunderbare Zeit der Veränderungen an. Für manche beginnt aber auch eine Zeit der Schlaflosigkeit. Sie liegen nachts wach und grübeln, weil sie an die bevorstehende Geburt und das Baby denken. Bei etlichen Schwangeren hat die nächtliche Unruhe aber auch organische Ursachen. Sobald sie still liegen oder sitzen, kribbeln, zucken oder schmerzen ihre Beine. Das Phänomen heißt Restless-Legs-Syndrom, kurz RLS, und betrifft hierzulande fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung. Besonders oft erkranken Frauen in der Schwangerschaft. "Jede dritte bis vierte werdende Mutter leidet an den Symptomen. Meist treten sie im letzten Drittel auf", sagt Prof. Dr. med. Claudia Trenkwalder, Neurologin und Leiterin der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel.

Kribbelnde Beine können belastend sein

Die meisten Schwangeren ­spüren nur milde Symptome: Ihre Beine kribbeln und ziehen leicht, selten sind auch die Arme betroffen. Die Beschwerden treten vor allem abends und nachts auf, also dann, wenn sich der Körper eigentlich entspannen sollte. Für RLS-Patientinnen aber ist Ruhe unangenehm, erst durch Aufstehen und Umhergehen lassen die Beschwerden nach. Die Folge: Sie schlafen wenig und schlecht, der Körper kann sich nicht erholen. "Früher wurden die Beschwerden als Wehwehchen abgetan", sagt Dr. med. Klaus König, Frauenarzt in Steinbach am Taunus und stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte. Aber mittlerweile weiß man, dass die Störung eine große Belastung bedeutet und die ständige Müdigkeit und Erschöpfung mit ernsten Folgen wie Depression einhergehen kann. König sagt: "Man muss die Patientinnen ernst nehmen." Ob es sich tatsächlich um das Restless-Legs-Syndrom handelt, wird mittels einer ­Anamnese und Laboruntersuchungen ermittelt.

Die Unruhe in den Beinen führt bei einem Zehntel der Frauen zu schweren Problemen. "Sie klagen über starke Schmerzen, die tief innen im Bein sitzen. Und auch im Schlaf kommt es zu unwillkürlichen Muskelzuckungen, sodass der Schlaf völlig gestört ist", erklärt Nervenspezialistin Trenkwalder. Untersuchungen im Schlaflabor zeigen, dass RLS-Patientinnen nur 50 Prozent der Nacht im Tiefschlaf verbringen – bei Gesunden hingegen sind es mehr als 85 Prozent. Auch langes Sitzen wie bei einem Kinobesuch oder einer längeren Autofahrt wird für die Frauen zur Tortur.

Ursachen sind unbekannt

Warum die Krankheit auftritt, wissen Forscher noch nicht. Sie unterscheiden zwei Formen des Restless-Legs-Syndroms: primäres oder idiopathisches und sekundäres. Offenbar stören bestimmte Botenstoffe den Gehirnstoffwechsel und verursachen die Unruhe. Beim idio­pathischen RLS ist keine erkennbare Ursache vorhanden, das sekundäre RLS ist die Folge einer anderen Erkrankung, etwa eines Nierenleidens, oder Eisenmangels. Und dieser scheint gerade in der Schwangerschaft ein häufiger Auslöser zu sein. "Je mehr der Eisenspiegel sinkt, umso stärker werden die Symptome", erläutert Trenkwalder. Aber nicht jede Schwangere, die zu wenig Eisen in ihrem Blut hat, erkrankt. Deshalb vermuten Wissenschaftler eine genetische Veranlagung. Da das Syndrom vor allem Schwangeren zu schaffen macht, scheint der weibliche Hormonhaushalt die Krankheitsentstehung zu begünstigen.

Keine Gefahr für das Baby

Beruhigend: Das Ungeborene leidet unter der Störung nicht. "Dieses Wissen hilft den Schwangeren, die Beschwerden zu akzeptieren und sich damit zu arrangieren", sagt Frauenarzt König. Denn die sonst üblichen Medikamente, darunter verschiedene Dopamin-Mittel, Opiate oder Anti­epileptika, sind für ­­Schwangere nicht zugelassen. Auch von Schlafmitteln raten Mediziner ab, da sie das Ungeborene schädigen könnten. Klaus König empfiehlt seinen Patientinnen Kneippgüsse, Beinmassagen, moderaten Sport und Entspannungsübungen. "Alles, was ablenkt und entspannt, tut gut", meint er. Auch Magnesium- und Eisenpräparate können die Symp­tome lindern. Sie sollten aber nur nach Rücksprache mit dem Arzt genommen werden.

"Bei starken Beschwerden ­helfen ­diese Tipps leider gar nicht", sagt Neurologin Trenkwalder. In besonders schweren Fällen verschreibt der Arzt Schmerzmittel oder Dopamin-Arzneien. "Das muss immer sorgfältig abgewogen werden", sagt Gynäkologe König.

Mit der Geburt hören die Beschwerden in der Regel auf. Aber das ­Risiko, später wieder zu erkranken, ist deutlich erhöht. Auch bei einer weiteren Schwangerschaft treten die unruhigen Beine oft erneut auf. "Betroffene Frauen sollten deshalb ihren Eisenspeicher auftanken, bevor sie schwanger werden. Das geht leider nicht immer mit eisenreichen Lebensmitteln, sondern Eisenpräparate helfen hier", rät Trenkwalder. Das könne das Risiko minimieren, an RLS zu erkranken, so die Expertin.


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