Praxistest Baby

Väter-Themen

Daniela Frank
Daniela Frank

Neulich verabredeten sich die Jungs zum Kindsbier. Flo und Lydi hatten ein kleines Mädchen bekommen. Während sich mein Freund sonst immer beschwerte, dass es schwierig war, nur zwei oder drei seiner Kumpels zu einem Kneipenabend zusammenzutrommeln, ging bei einem Kindsbier kurzfristig locker ein Zehnertisch zusammen. Als er spätnachts neben mir ins Bett kroch, erschnupperte ich, dass sich auch die Anzahl der von ihm konsumierten Biere fast im zweistelligen Bereich bewegen musste.

"Und, wie war’s?", fragte ich am nächsten Morgen. Oder eher mittags. "Flo und Lydi mussten dann doch noch vom Geburtshaus ins Krankenhaus", berichtete er. "Aber der Flo sagt, sie hatten trotzdem eine total natürliche Geburt – genauso, wie sie es sich gewünscht haben." Ich erfuhr außerdem, dass die beiden sehr gut mit den riesigen Stoffwindeln klarkamen, die wir kurz vor der Geburt bei ihnen besichtigt hatten. Und, dass das Stillen bei Lydi auf Anhieb funktioniert hat. "Klingt doch super", sagte ich. "Und wie geht’s den anderen so?" "Max und Miri stillen gerade ab", erzählte er. "Der Max ist ziemlich fertig, weil sich das so zieht. Wie lange dauert denn Abstillen eigentlich?", fragte er. "Ähm, kommt darauf an", sagte ich. "Habt ihr denn nur über Baby-Themen geredet?" Ich war etwas irritiert.

"Hm, am Ende haben wir noch ziemlich heftig diskutiert", sagte mein Freund. Das war nichts Ungewöhnliches. In der Regel ging es um Politik oder Gesellschaftliches. Meist führten die vielen Biere bei den Jungs wohl dazu, dass die Gemüter mit der Zeit etwas hochkochten. Einigen von ihnen war das spätestens am nächsten Tag ein bisschen unangenehm. Mein Freund hingegen liebte solche Diskussionen. Oft war er so euphorisiert, dass er sie mir am nächsten Morgen detailreich nacherzählte und mit mir sofort einen neuen Disput vom Zaun brach.

"Worum ging’s denn?", fragte ich neugierig. "Ach, der Alan ist beim Impfen ziemlich skeptisch", sagte er. "Er meint, er sei doch auch nicht geimpft und lebe noch. Da haben wir ihm gesagt: Ja genau, weil wir anderen alle geimpft sind." Ich grinste. Noch ein Kinder-Thema also! "Und hat der Alan seine Jungs dann auch nicht impfen lassen?", fragte ich. "Doch, aber nicht gegen alles", schmunzelte mein Freund.

Tags darauf postete mein Liebster auf Facebook ein satirisches Video, in dem ein kleiner Junge im Anzug angeblich alle Belege dafür zusammengetragen hatte, dass Impfen Autismus begünstige. Nachdem der Kleine sein Vorhaben wortreich angekündigt hatte, zog er aus einem Aktenumschlag nacheinander lauter leere Blätter. Das seien die Belege, sagte er. Es gebe nämlich keine. "Jetzt stichelst du ja ganz schön", sagte ich zu meinem Freund. "Ich hoffe, der Alan ist jetzt nicht sauer." Glücklicherweise schien das nicht der Fall zu sein. Unter dem Post lieferte sich mein Freund lediglich noch eine Diskussion mit einer Bekannten aus Italien, wo eben eine Impfpflicht eingeführt wurde. Die Intensität seines Engagements für Kinder-Themen überraschte mich. So ganz schlecht fand ich es aber nicht.

Eine Woche später traf er den Flo wieder auf ein Bier. "Und, wie geht’s der Lydi und der Kleinen?", fragte ich ihn danach. "Ganz gut, glaub ich", sagte er. "Aber ehrlich gesagt weiß ich das gar nicht so genau. Wir haben eigentlich nur über die Arbeit geredet."


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