Praxistest Baby
Torschlusspanik

Daniela Frank
W&B/Kirsch, istock/arkadivna/Elena Lux/macrovector, Fotolia/Brilt/lian/2011
 

"Geht unbedingt noch oft Essen und ins Kino!", raten uns Freunde seit Wochen. "Das geht nach der Geburt alles nicht mehr." Meist lässt mich das genervt mit den Augen rollen. Zumindest innerlich. "Wir haben einen Beamer daheim und bestellen gerne Pizza", antworte ich automatisch. Jaja, ein Kind zu kriegen heißt, der Alltag ändert sich radikal. Unser bisheriges Leben wird bald vorbei sein. Kann man zumindest überall nachlesen. Aber die Zeiten, in denen mich das beunruhigt hat, sind längst vorbei. Dachte ich zumindest.

Denn gleichzeitig erscheinen immer öfter umfangreiche Listen vor meinem inneren Auge. Einerseits Baby-Kram. "Wir haben immer noch keine Badewanne – und kein Fieberthermometer!", rufe ich derzeit meinem Freund regelmäßig panisch zu. Andererseits Sachen, die ich vor der Geburt noch fertig kriegen will. Die Wohnzimmerlampe zusammenbauen. Den Keller aufräumen und Übriggebliebenes im Internet verkaufen. Nachher ist ja keine Zeit mehr. "Wie sollen wir denn das alles schaffen?", jammere ich weiter. Sechs Wochen Mutterschutz fand ich am Anfang der Schwangerschaft noch ziemlich viel. Eventuell auch leicht übertrieben. Mittlerweile weiß ich nicht, ob das reicht.

"Erst einmal sollst du dich ausruhen!", sagt mein Freund angesichts der seitenlangen Listen stirnrunzelnd. Doch ich bezweifle, dass ich dafür Zeit haben werde: Die Anträge stapeln sich noch unausgefüllt auf dem Tisch, die Kliniktasche ist noch nicht gepackt, der Wickelplatz noch nicht eingeräumt. Während ich noch arbeite, komme ich damit kaum voran. Denn strenge ich mich zu sehr an oder bin gestresst, wird mittlerweile ab und zu mein Bauch hart. Dazu lauert gerade überall eine fiese Erkältung. Ein deutliches Halskratzen spüre ich schon.

Am Wochenende wache ich mit dickem Hals und belegter Stimme auf. "Jetzt bleibst du aber mal im Bett", sagt mein Freund streng. Er bringt mir Tee und Kekse, mein Widerstand schmilzt. Stundenlanges Seriengucken fühlt sich eigentlich ziemlich gut an. "Genieß es!", rät mir meine beste Freundin am Telefon. "Nach der Geburt hast du nicht einmal mehr Ruhe, wenn du krank bist." Darüber hatte ich mir bisher gar keine Gedanken gemacht. Aber für Eltern ist es wohl großer Luxus, sich ausruhen zu können – ganze Tage im Bett rumzugammeln schier unmöglich.

Nach dieser Erkenntnis streiche ich meine Listen großzügig zusammen. "Hoffentlich ist mir in ein paar Wochen vom Seriengucken so langweilig, dass ich total scharf bin auf den Baby-Stress", teile ich meinem Freund meinen neuen Plan mit. Er reagiert nicht sofort. Die Augen konzentriert auf sein Tablet gerichtet lehnt er im Bett. Motorengeräusche sind zu hören. "Könnte funktionieren", antwortet er lächelnd, nachdem er sein Autorennen beendet hat. Ich habe mich neben ihm längst wieder meinem Handy zugewandt und verbinde darauf bunte Punkte, bis sie verschwinden. Das Spiel hat er mir im letzten Urlaub gezeigt. Seitdem entspannt es mich abends oder in der S-Bahn.

Früher war sinnloses Gedaddel überhaupt nicht mein Ding. Und normalerweise hätte ich mir das längst zugunsten eines guten Buches oder der Nachrichten des Tages wieder abgewöhnt. Aber gerade werde ich dafür keine Energie aufwenden – das Problem löst sich in ein paar Wochen ja von selbst: In unserem neuen Leben werden wir dafür keine Zeit mehr haben. Wichtigere Dinge warten.


 

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