Praxistest Baby
Schwanger werden für Profis

Daniela Frank
W&B/Kirsch, istock/Frank Ramspott/Seydoux/Aaltazar

Daniela Frank ist Baby-und-Familie-Redakteurin und schwanger

 

Eigentlich bin ich ja Profi. Sagen zumindest meine Freunde und Kollegen. Und klar, in den fünfeinhalb Jahren als Redakteurin bei baby-und-familie.de habe ich mir ein solides Wissen zum Kinderkriegen und Kinderhaben angeeignet. Allerdings nur in der Theorie. Vor einem knappen Jahr beschlossen mein Freund und ich, dass es Zeit wird für die Praxis. Wir wollten es locker angehen, ohne Druck, ohne ständiges Rechnen. "Die ganze Zeit nur auf den Eisprung warten ist ja total unromantisch", sagte ich zu ihm.

Ein paar Monate später: Übelkeit, eine ganze Woche lang. Ein klassisches Zeichen! "Ich glaube, ich bin schwanger", verkündete ich ihm. Insgeheim war ich mir ziemlich sicher. So sicher, dass ich gleich mehreren Freundinnen augenzwinkernd erzählte: "Mir ist schon seit Tagen ständig schlecht." Nachdem ich endlich einen Schwangerschaftstest machen konnte, starrte ich ungläubig auf das Ergebnis: negativ. "Warum war mir dann ständig übel?", rief ich vorwurfsvoll. Die Praxis ist eben oft rätselhaft.

Weil mein Zyklus sehr unregelmäßig war, riet mir meine Ärztin zu Ovulationstests. Nun also doch den Eisprung berechnen. Ich besorgte mir einen Zykluscomputer. "Zu 98 Prozent verlässlich", stand auf der Packung. Wenn ich meinem Gefühl schon nicht trauen kann, dann doch wohl der Technik. "Romantik ist eh überbewertet", seufzte ich in Richtung meines Freundes. "Ich besorg’ uns ein paar Kerzen", entgegnete er tröstend. Anfangs dauerte es ewig, bis endlich eine fruchtbare Phase angezeigt wurde. Inzwischen war schon mehr als ein halbes Jahr vergangen, seit ich die Pille abgesetzt hatte. Von Lockerheit keine Spur mehr.

Wir waren gerade im Urlaub, als es plötzlich unter meinem T-Shirt unangenehm spannte. "Die sehen ja aus, wie gemacht", sagte mein Freund. Er ist in dieser Hinsicht vorgebildet: Als Fotograf hatte er für Männermagazine einige Male mit künstlichen Körperteilen zu tun. "Brustspannen ist ein typisches Anzeichen für eine Schwangerschaft", dozierte ich. Insgeheim war ich unsicher. Lag ich vielleicht schon wieder falsch? Eingebildete Schwangerschaften kommen gar nicht so selten vor, hatte ich gelesen. Zurück zu Hause machte ich sofort einen Test: positiv. Zum Glück nicht verrückt.

Dank meines Zykluscomputers konnte ich auch die Schwangerschaftswoche schon genau bestimmen. "Fünf plus vier", sagte ich zu meiner Ärztin beim ersten Ultraschalltermin. Sie notierte es. "Wahrscheinlich sieht man ja noch nicht viel", fügte ich vorlaut hinzu. Sie setzte das Gerät an und sagte "Oh." Stirnrunzelnd starrte sie auf den Bildschirm. Ich hielt die Luft an. "Was ist denn los?", fragte ich panisch. Alles von Eileiterschwangerschaft bis Fehlgeburt ging mir durch den Kopf. "Das ist aber schon ein bisschen weiter", sagte sie und maß das deutlich erkennbare kleine Wesen auf dem Bildschirm aus. "Acht plus zwei", befand sie. "Komisch, was Ihr Gerät da angezeigt hat." In der Praxis ist wohl nicht mal auf die Technik Verlass.


 

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