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Polymorphe Schwangerschaftsdermatose (PUPPP)

Diese stark juckende Hautkrankheit tritt typischerweise in den letzten Wochen der Schwangerschaft auf. PUPP steht für: Pruritic Urticarial Papules and Plaques of Pregnancy

von Nele Langosch und Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 19.10.2020
Schwangerschaftsstreifen

Stark juckende Dehnungsstreifen, auch mit geröteten Knötchen? Dahinter kann eine polymorphe Schwangerschaftsdermatose stecken


Die polymorphe Schwangerschaftsdermatose wird auch als Pruritic urticarial papules and plaques of pregnancy (PUPPP; englisch "juckende quaddelartige Knötchen und Plaques in der Schwangerschaft") bezeichnet. Betroffen sind vorwiegend Erstgebärende, aber auch Frauen, die Zwillinge oder Drillinge erwarten und/oder in der Schwangerschaft sehr stark an Gewicht zugenommen haben.

Ursache: Wie kommt es zu einer polymorphen Schwangerschaftsdermatose?

Die genaue Ursache konnte noch nicht geklärt werden. Vermutlich schädigt die Überdehnung der Haut das Bindegewebe. Dabei entstehen möglicherweise Strukturen, auf die das Immunsystem mit einer Entzündung reagiert. Zu dieser Annahme passt, dass die polymorphe Schwangerschaftsdermatose genau dann auftritt, wenn die Haut am stärksten überdehnt ist, und dass die juckenden Knötchen zuerst innerhalb der Dehnungsstreifen (Striae distensae) entstehen.

Symptome: Wie äußert sich eine polymorphe Schwangerschaftsdermatose?

Die Hautkrankheit macht sich typischerweise erst in den letzten Wochen der Schwangerschaft bemerkbar: Plötzlich treten neue Dehnungsstreifen (Striae distensae) auf. Diese jucken stark, röten sich und schwellen quaddelähnlich (urtikariell) an. In den darauf folgenden Tagen entstehen in den anderen Bereichen von Bauch, Gesäß und Oberschenkeln gerötete Knötchen (Papeln) sowie rote, zentimetergroße, plateauartig geformte Knoten (Plaques). Die Nabelregion ist in der Regel nicht betroffen.

Im Laufe einiger Wochen werden die Hautveränderungen vielgestaltig, das heißt polymorph (griechisch polys "viel", morphe "Gestalt, Form"): Neben angeschwollenen (urtikariellen) Papeln und Plaques entstehen nun auch flächige, teilweise schuppende oder krustig belegte Rötungen sowie stecknadelkopfgroße Bläschen. Große Blasen gehören hingegen nicht zu den Symptomen einer polymorphen Schwangerschaftsdermatose.

Nur bei wenigen Betroffenen tritt die Erkrankung in weiteren Schwangerschaften erneut auf. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Haut aufgrund einer Mehrlingsschwangerschaft besonders stark überdehnt wird. Die Gesundheit des Kindes ist nicht gefährdet.

Diagnose: Wie stellt der Arzt eine polymorphe Schwangerschaftsdermatose fest?

Der Arzt fragt die Patientin nach ihrer Krankheitsgeschichte und untersucht die gesamte Haut mit dem bloßen Auge. In schwierigen Fällen veranlasst er zusätzlich Blutuntersuchungen und/oder feingewebliche Untersuchungen von Hautproben (Biopsien), um ähnlich aussehende Krankheiten auszuschließen. 

Behandlung: Was hilft bei polymorpher Schwangerschaftsdermatose?

Wichtig: Patientinnen sollten die geeignete Behandlung auf jeden Fall mit dem Arzt absprechen!

Als Therapie kann der Arzt ein mildes Kortisonpräparat (Glukokortikoid) in Form einer Salbe oder Creme verschreiben. Nach jedem Duschen sowie bei Bedarf sollten die betroffenen Frauen außerdem eine rückfettende Creme oder Lotion auftragen. Wenn dieses Hautpflegemittel die Substanz Polidocanol enthält und im kalten Zustand angewandt wird, hilft es besonders gut gegen den Juckreiz. Falls dies nicht ausreicht, kommen zusätzlich bestimmte antiallergische Arzneimittel (Antihistaminika) infrage.

Allerdings müssen Arzt und Patientin vor der Anwendung ausführlich klären, welche Vor- und Nachteile die Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft hat.

Nur im Falle einer sehr schweren polymorphen Schwangerschaftsdermatose verordnet der Arzt für wenige Tage ein Glukokortikoid in Form von Tabletten. Der Wirkstoff Prednisolon hat dabei den Vorteil, dass er bereits im Mutterkuchen (Plazenta) weitgehend abgebaut wird und das Ungeborene somit kaum beeinflusst.

Frau Angela Unholzer

Autorin und Expertin:

Dr. med. Angela Unholzer ist Hautfachärztin mit den Zusatzbezeichnungen Allergologie und Dermatohistologie. Ihre Facharztweiterbildung absolvierte sie an der Dermatologischen Universitätsklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Augsburg. An der letztgenannten Klinik leitete sie von 2006 bis 2012 als Funktionsoberärztin die Lichtabteilung, die dermatologische Tagesklinik und die allgemeindermatologische Ambulanz. Anschließend war sie in einer Praxis in der Nähe von Augsburg tätig. Seit 2014 ist sie in einer eigenen Praxis in Donauwörth niedergelassen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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