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Placenta praevia: Was sind die Risiken?

Bei manchen Schwangeren liegt die Plazenta an einer schwierigen Stelle. Der Arzt stellt dies im Ultraschall fest. Welche Gefahren dann drohen

von Beatrice Sobeck, 07.12.2018
Schwangere Frau

Wo liegt die Plazenta? Der Arzt kann das im Ultraschall erkennen


Fällt der Begriff Placenta praevia bei einer Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung, verunsichert das erst einmal, ganz klar. Schließlich kann die Diagnose "Fehllage des Mutterkuchens" im schlimmsten Fall schwere Komplikationen nach sich ziehen. Es kommt dann zu Blutungen, die Geburt muss eventuell vorzeitig eingeleitet werden, oder der Arzt schließt eine vaginale Entbindung grundsätzlich aus.

Der Sitz der Plazenta wird bereits beim Ultraschall zwischen der neunten und zwölften Schwangerschaftswoche untersucht, um eine Fehllage zeitig zu entdecken. Das kann Fluch und Segen zugleich sein. Gut ist die frühe Diagnostik natürlich, weil der Arzt oder die Ärztin die Schwangere sofort aufklären kann.

Viele Plazentafehllagen lösen sich später auf

Hebammen, dazu gehört auch Manuela Rauer, beobachten allerdings, dass Eltern bei der Diagnose manches Mal beunruhigt zurückbleiben. "Viele zunächst festgestellten Plazentafehllagen lösen sich im weiteren Verlauf der Schwangerschaft auf. So erhalten etwa fünf bis sechs Prozent der Schwangeren die Diagnose Placenta praevia, beim Entbindungstermin sind es nur noch 0,4 Prozent", erklärt die Hebamme aus Berlin. "Das hängt mit dem Wachstum der Gebärmutter zusammen. Wächst diese, zieht sie die Plazenta oft vom Muttermund weg" (siehe unten). Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte aus Hannover, ergänzt: "Die Wahrschein­lichkeit ist tatsächlich groß, wenn die Plazenta nur teilweise über dem inneren Muttermund oder am Rand liegt. Verschließt sie den Muttermund vollständig, wird sich an der Diagnose nichts mehr ändern."

Warum wandert die Plazenta?

Manchmal liegt die Plazenta anfangs am Muttermund, am Ende der Schwangerschaft aber nicht mehr. Der Grund ist einfach:

 

Ursachen der Placenta praevia unterschiedlich

Doch was führt überhaupt dazu, dass sich die Plazenta so tief in der Gebärmutter bildet? "Die Plazenta wächst dort, wo sich das befruchtete Ei in die Wand der Gebärmutter eingenistet hat", erklärt Albring. "Und dies findet häufiger in der Nähe des Gebärmutterausgangs statt: wenn eine Frau schon mehrere Geburten oder Fehlgeburten erlebt hat, wenn es bei einer früheren Geburt Probleme mit der Ablösung der Plazenta gegeben hat oder wenn schon Ausschabungen der Gebärmutter vorgenommen wurden. Es gibt zudem Hinweise ­darauf, dass sich das Ei häufiger in der Nähe von bestehenden Narben einnistet, etwa bedingt durch frühere Operationen oder Kaiserschnitte", sagt der Gynäkologe. Ein höheres Alter der Schwangeren, Rauchen sowie künstliche Befruchtung gelten ebenfalls als Risikofaktoren. Doch auch ohne all diese Faktoren könne eine Placenta praevia auftreten, so Albring.

Wie sich ein Fehlsitz der Plazenta auf den weiteren Verlauf der Schwangerschaft und auch auf die Geburt auswirkt, hängt davon ab, wo genau die Plazenta in der Gebärmutter liegt. Zu unterscheiden sind:

  • Placenta praevia totalis: Die Plazenta liegt direkt über dem Ausgang der Gebärmutter.
  • Placenta praevia partialis: Der innere Muttermund ist teilweise vom Mutterkuchen überdeckt.
  • Placenta praevia marginalis: Die Plazenta grenzt an den Rand des inneren Muttermundes.

Wo sitzt die Plazenta?

Die Lage des Mutterkuchens hat großen Einfluss darauf, ob ein Kind per Kaiserschnitt geholt werden muss. Je tiefer die Plazenta liegt, umso wahrscheinlicher ist der Eingriff

Placenta praevia: Bei Blutungen sofort ins Krankenhaus

Liegt die Plazenta weniger als zwei Zentimeter vom inneren Muttermund entfernt, handelt es sich um eine Risiko­schwangerschaft. Die werdende Mutter wird engmaschig untersucht. Solange die Placenta praevia keine Symptome – meist Blutungen – verursacht, beeinträchtigt sie die Entwicklung des Babys nicht. "Bedrohlich ist es immer dann, wenn frisches Blut auftritt. Zögern Sie nicht, rufen Sie den Notarzt, und lassen Sie sich ins Krankenhaus fahren", rät Rauer. Im weiteren Verlauf werden Mutter und Kind überwacht. Wenn nötig, erhält die Frau Flüssigkeit per Infusion und teilweise auch Blutkonserven, um eine Kreislaufkomplikation zu verhindern. Manchmal kann ein Notkaiserschnitt nötig sein. Da das Risiko für eine Früh­geburt hoch ist, geben Ärzte der Mutter wehenunterdrückende Mittel sowie je nach Schwangerschafts­woche Medikamente, die die Lungen­reifung des Babys fördern.

Gegen Ende der Schwangerschaft: Strenger Schongang im Alltag

Liegt der Mutterkuchen in der 30. bis 32. Schwangerschaftswoche noch immer tief in der Gebär­mutter, sollten sich die Frauen im Alltag vorsichtiger verhalten. Einkäufe schleppen? Tabu. Das Geschwisterkind tragen? Auch tabu. Hausarbeit? Nur in Maßen, schön langsam mit vielen Pausen. Sport? Gestrichen. Geschlechtsverkehr? Ebenso. "Mechanische Belastungen und Risse in den Blutge­fäßen der Plazenta müssen unbedingt vermieden werden", sagt Albring. Denn das würde eine Frühgeburt bedeuten. Daher kann es mit fortschreitender Schwangerschaft passieren, dass die werdende Mutter länger liegen muss. Treten Blutungen auf, wird der Arzt sofort ein Beschäftigungsverbot aussprechen.

Natürliche Geburt trotz Placenta praevia?

Selbst wenn die Plazenta nur teilweise über den inneren Gebärmuttermund gewachsen ist, besteht bereits eine hohe Gefahr, dass es vor dem Beginn der Wehen zu schwersten Blutungen kommt. "Eine natürliche Geburt wäre zu gefährlich, in diesen Fällen wird immer ein Kaiserschnitt geplant", erklärt Albring.

Im Fall einer Placenta praevia totalis und partialis ist eine Spontan­geburt also ausgeschlossen. Bei einer natürlichen Geburt würde sich die Plazenta als Erstes lösen, das Kind bekäme keinen Sauerstoff mehr. Auch die Mutter wäre in Gefahr. "Mit großer Wahrscheinlichkeit würden unstillbare, starke Blutungen auftreten, die nur durch eine notfallmäßige Entfernung der gesamten Gebärmutter gestillt werden könnten", so Albring.

Grenzt die Plazenta hingegen nur an den Rand des Muttermunds, schließt ihn aber nicht mit ein, kann eine natürliche Geburt unter bestimmten Bedingungen möglich sein. "Der Arzt stellt per Ultraschall sicher, dass die Plazenta weit genug vom Muttermund entfernt liegt und durch die Dehnung der Gebärmutter bei der Geburt nicht reißen wird", sagt Albring. Gynäkologe und Hebamme empfehlen jedoch, unbedingt in einer Klinik zu entbinden, damit im Notfall schnell reagiert werden kann.


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