Niedriger Blutdruck in der Schwangerschaft

Müde, schlapp, schwindelig? So fühlen sich viele Schwangere anfangs. Auch ein niedriger Blutdruck kann die Ursache sein. Was dagegen hilft

von Annett Zündorf, 12.07.2016

Niedriger Blutdruck? Viele Schwangere fühlen sich schlapp


Ständig müde und abgeschlagen, dazu vielleicht noch Kopfschmerzen, Schwindelgefühl oder ein ungewöhnlich schneller Herzschlag – werdende Mütter fühlen sich anfangs oft schlapp. "Das ist in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft bei den meisten Frauen so", erklärt Familienhebamme Constanze Richter aus Jena. Damit einhergehen kann ein niedriger Blutdruck.

Während der Schwangerschaft und der damit verbundenen hormonellen Umstellung verändern sich viele Körperfunktionen, darunter das Herz-Kreislaufsystem. So sinkt der Blutdruck normalerweise leicht ab, während der Puls sich etwas beschleunigt. Blutdruckkontrollen gehören zu jedem Check bei der Schwangerenvorsorge dazu. Blutdruckwerte unter 120/80 gelten im Allgemeinen als optimal. Einen generell zu niedrigen Blutdruckwert gibt es nicht. "Es gibt sogar Frauen, die mit einem Blutdruck von 90/60 keine Probleme haben", sagt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. "Problematisch wird es nur, wenn die Blutdruck-Regulation nicht mehr funktioniert. Wenn einem beim Aufstehen schwindlig wird, man sich müde und schlapp fühlt."

Arzt klärt Ursachen der Beschwerden ab

Klagen die Frauen in der Praxis von Constanze Richter über solche Beschwerden, hilft meist schon ein Gespräch. "Oft reicht es ihnen zu wissen, dass es sich nicht um eine ernsthafte Erkrankung, sondern um normale Schwangerschaftsbeschwerden handelt", sagt Richter.

Trotzdem prüfen Gynäkologe und Hebamme, ob womöglich eine andere Ursache dahintersteckt. "Ein Eisenmangel und damit eine schlechte Sauerstoffversorgung verursachen fast die gleichen Symptome", erklärt Albring. Ähnliches gilt für eine Schilddrüsenerkrankung. Manchmal fühlen die Frauen sich auch müde und schwindlig, weil sie zu unregelmäßig oder falsch essen.

Bewegung hilft am besten

Sind organische Ursachen ausgeschlossen, können schwangere Frauen selbst viel gegen ihre Beschwerden unternehmen. Das allerwichtigste ist Bewegung. Wer mit dickem Bauch müde und antriebslos auf die Couch sinkt, tut sich und dem Baby nichts Gutes. Trägheit verschlimmert die hormonelle Umstellung. "Eine Geburt ist körperliche Schwerstarbeit und der Körper kann sich darauf am besten mit Bewegung vorbereiten", sagt Albring.

Es lohnt sich, gleich nach dem Aufwachen noch zehn Minuten länger im Bett zu bleiben, die Beine anzuheben und zu bewegen. Das bringt den ersten Schwung. Schön ist für viele Schwangere ein entspannender abendlicher Spaziergang. Aber auch richtiger Sport bringt den Körper auf Touren. "Einmal in der Woche den Kreislauf positiv stressen", rät Richter. Schwimmen, Yoga, ein kleines Federballspiel – alles ist erlaubt, solange der Bauch nicht durch Sprünge und Körperkontakt wie beispielsweise beim Basketball gestaucht wird. Wer Fahrrad fahren möchte, darf das so lange, wie es gut tut und der Bauch nicht im Weg ist.

Kaffee in Maßen ist erlaubt

Schwangere Frauen sollten regelmäßig essen und ausreichend trinken. 1,5 Liter brauchen sie auch an normalen Tagen. Natürlich darf auch Kaffee oder schwarzer Tee dabei sein. "Ein, zwei Tassen am Tag schaden nicht und helfen Frauen, die durch niedrigen Blutdruck Kopfschmerzen bekommen", sagt Richter. Von Limonaden oder Softdrinks mit Koffein und Zucker raten die Experten ab!

Wessen Kreislauf mit regelmäßigem Essen, Trinken und Sport nicht auf Touren kommt, kann es mit einer kalten Dusche probieren. Auch Saunagänge sind für Schwangere erlaubt. Allerdings nur, wenn sie bereits vorher regelmäßig in die Sauna gingen und daran gewöhnt sind.

Niedriger Blutdruck meist nicht gefährlich

Aber auch wenn Müdigkeit und Schwindel gar nicht zu vertreiben sind, müssen Schwangere sich nicht um ihr Kind sorgen. "Früher hat man gedacht, ein niedriger Blutdruck könne dazu führen, dass das Baby nicht richtig versorgt wird. Aber das ist nicht der Fall", versichert Albring. Wenn der Schwindel zu stark wird, hilft es, sich hinzusetzen und die Beine hochzulegen, um eine Ohnmacht zu vermeiden. Aber dazu kommt es laut Hebamme Constanze Richter meist nicht. "Ich habe noch nie erlebt, dass eine Frau wegen niedrigen Blutdrucks auf der Straße umgekippt ist", sagt Richter.


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