Meine Schwangerschaft: Warten aufs Baby

Apothekerin und Baby-und-Familie-Redakteurin Julia Schulters ist schwanger. Schon lange. Und es reicht ihr jetzt auch so langsam...
von Julia Schulters, aktualisiert am 28.09.2016

Fünf vor zwölf? Kurz vor der Geburt steigt die (An-)Spannung

W&B/Forster&Martin, Thinkstock/istock

Mein jetziger Zustand fühlt sich an wie Silvester. Nur, dass ich nicht weiß, wann Mitternacht ist. Der Countdown läuft. Sieben Tage noch – vorausgesetzt mein Baby hält sich an die durchschnittliche Aufenthaltsdauer eines Homo sapiens im Mutterleib. Kommt es nach seiner Frau Mama, ist es um seine Pünktlichkeit leider nicht so gut bestellt. Und da Erstgebärende ja bekanntermaßen ein bisschen länger brauchen, kann ich mich wahrscheinlich eher auf drei weitere Wochen mit Babybauch einstellen. Oh Mann. Ich hasse Silvester.

Brüten ist anstrengend!

Seit vorgestern Nachmittag schleppe ich laut Mutterpass 82 kg mit mir rum – 20 kg mehr als vor zehn Monaten, wohlgemerkt mit leerer Blase und nackten Füßen gewogen. Meine ausgelatschten Ballerinas in Größe 42 passen nur noch morgens, meine Schwangerschaftsjeans seit letzter Woche überhaupt nicht mehr. Mein Baby überschätzt sein Platzangebot mittlerweile gewaltig. Habe ich mich wirklich jemals darüber beschwert, dass es sich nicht ausreichend bewegt? Das nun ist wahrscheinlich die Rache. Vor ein paar Tagen hat es sich irgendwo unter meinem rechten Lungenflügel bequem gemacht. Da sitzt Mini-Schulters nun, tritt mir ab und zu feste in die Rippen und wartet auf seinen großen Tag. Ganz ehrlich? Brüten ist echt anstrengend!

Nachts: Chatten statt schlafen

Nachts gegen vier chatte ich jetzt immer mit Doris aus meinem Geburtsvorbereitungskurs. Die meiste Zeit liege ich nämlich wach – weil ich keine Luft bekomme oder mein rechtes Bein kribbelt. Weil ich entweder etwas Trinken oder aufs Klo muss. Und weil ich vom Vater meines ungeborenen Kindes nicht gerade milde darauf hingewiesen werde, dass ich schnarche. Doris – fünf Tage später ausgezählt als ich – wartet auch.

Nun ich würde unsere Gespräche nicht gerade als besonders tiefsinnig bezeichnen. Genau genommen drehen Sie sich eigentlich immer nur um die gleiche Frage:

Doris H., 04.04 Uhr: "Und?"

Julia Schulters, 04.05 Uhr: "Nix und."

Doris H., 04.08. Uhr: "Alles ruhig?"

Julia Schulters, 04.10 Uhr: "Es tut sich nix." – "Bei dir?"

Doris H., 04.12 Uhr: "Auch nix."

Kann man Wehen übersehen?

Doris und mich verbindet das gleiche Gefühl. Wir warten sehnsüchtig auf Schmerzen. Irgendein unangenehmes Gefühl im Unterleib. Oder Rückenschmerzen. Oder Blasensprung. Oder wenigstens Schleimpropfabgang. Hört sich – ­ wenn man mal ehrlich ist – jetzt alles nicht soooo toll an.

"Sie werden die Geburt schon nicht verschlafen", beruhigte mich meine Frauenärztin, nicht ohne sich ein Grinsen zu verkneifen, als ich ihr meine durchaus ernstgemeinten Bedenken mitteilte, die Wehen als solche am Ende vielleicht gar nicht zu erkennen. "Wenn Sie sich bei den Schmerzen nicht mehr fragen, ob es sich um Wehen handelt, können Sie sicher sein, dass es Wehen sind!"

Na, dann hoffe ich nur das: Die Wehen sollen sich ja nicht wagen, mich irgendwann nachts zu überrollen. Ich bin doch abends immer so müde. Eigentlich halte ich es sogar für ausgeschlossen, nach Mitternacht ein Kind zur Welt zu bringen. Das gleiche gilt für morgens auf nüchternem Magen. So zwischen 11 und 12 Uhr vormittags wäre es mir ganz recht. Schön ausgeschlafen und nach ausgiebigem Frühstück, am besten geduscht und mit trocken geföhnten Haaren. Man will ja für so ein elementares Ereignis wie eine Geburt optimal gerüstet sein.

Geburtsvorbereitung als Vollzeitjob

Wobei die perfekte Geburtsvorbereitung durchaus tagfüllend ist – ohne den pränatalen, sechswöchigen Mutterschutz quasi nicht durchführbar. Seit etwa zwei Wochen rühre ich nun morgens und abends geschrotete Leinsamen in meinen Joghurt, um Verdauung und Gebärmutter gleichermaßen anzuregen. Ich bedampfe mich täglich auf dem Klo mit Heublumendampfbädern, eine recht unappetitlich ausschauende Mischung aus getrockneten Pflanzenteilen und heißem Wasser, die dazu führt, dass das Badezimmer eine ganze Weile nach nassem Heu stinkt – und ganz nebenbei den Dammbereich erweichen soll. Und beim abendlichen Kochen lasse ich mit weichen Knien mein Becken kreisen und gebe laute Aaaah-Geräusche von mir. Lockert den Beckenboden angeblich.

Dazwischen beantworte ich SMS in Dauerschleife: "Ja, es ist noch alles ruhig." "Nein, noch nicht." "Termin ist ja auch erst nächste Woche." "Der letzte Ultraschall war ok." "Nee, keine Wehe beim CTG."

Bei Vollmond kommen die Kinder

Lange müssen meine Umwelt und ich aber sicher nicht mehr warten. Laut meiner Hebamme im geburtsvorbereitenden Akupunkturkurs hätte sich Mini-Schulters nämlich eigentlich bereits vorgestern Nacht herausbequemen müssen. "Dann ist Vollmond", hatte sie mir bei meiner letzten Konsultation mit mystisch angehauchter Stimme ins Ohr geflüstert, während sie per Nadel meinen Wehenpunkt im kleinen Zeh stimulierte. "Du wirst sehen, dann kommen die Kinder."

Meinen Liebsten konnte das nicht überzeugen. "Was soll den dann passieren?", fragte er irritiert, als ich ihn in Anbetracht der Mondphase anwies, schonmal das Handyladekabel in der Kliniktasche zu verstauen. "Gehorcht dein Fruchtwasser irgendwie den Gezeiten?" Ich gebe zu, dass mich die Hebammen-Prophezeiung nicht hundertprozentig überzeugte und doch passierte in dieser hellen Vollmond-Nacht Erstaunliches.

Doris H., 04.05 Uhr: "Und?"

Doris H., 04.10 Uhr: "Ähm, hallo?"

Doris H., 05.20 Uhr "Julia, bist du nicht da?"

Doris H., 06.00 Uhr "Hey ich mach mir Sorgen."

Doris H., 07.20 Uhr: "Oh, mein Gott, es ist das was ich denke, oder?"

Doris H., 08.14 Uhr: "Alles Gute für die Geburt."

Nun ja, ich hatte das erste Mal seit Wochen mal wieder richtig durchgeschlafen.


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