Meine Schwangerschaft: Ich, ein Busenwunder

Apothekerin und Baby-und-Familie-Redakteurin Julia Schulters ist schwanger. Netter Nebeneffekt: Ihr neues Dekolleté!
von Julia Schulters, aktualisiert am 15.04.2014

„Endlich ein üppiges Dekolleté!“ Doch beim BH-Kauf trübt sich Julias Freude

W&B/Fotolia, W&B/Forster&Martin

Na gut, ich geb's ja zu: Diesen Text schreibe ich eigentlich nur, weil ich es unbedingt selber einmal schwarz auf weiß lesen möchte. Um diese Info im niemals vergessenden Internet für immer und ewig festzuhalten: Meine derzeitige BH-Größe beträgt 80 D. Hat das jetzt jeder mitgekriegt? Ich bin ein Busenwunder. Also neuerdings. Mein Brustwachstum verhält sich proportional zur Dauer meiner Schwangerschaft und ich kann nicht leugnen, dass ich – wäre das der einzige Nebeneffekt meiner anderen Umstände – ernsthaft über zehn bis 12 weitere Kinder nachdenken würde.

Spätentwicklerin mit überdurchschnittlicher Oberweite

80 D. Ich kann es gar nicht oft genug wiederholen. Jawohl, Freundinnen der gymnasialen Unterstufe meiner Jugend, erblasst nur vor Neid, wenn ihr das lest! Ich, Spätentwicklerin, traumatisiert durch eure ewigen Regelschmerzen-Schwimmatteste, die ich in der siebten Klasse immer noch nicht vorweisen konnte, habe es – zumindest vorübergehend – auf eine überdurchschnittliche Oberweite gebracht! Erwäge ein Klassentreffen einzuberufen. Kurzfristig, versteht sich.

Ich mach mir ja nichts vor. Nach dem Abstillen soll es ja angeblich ganz schnell wieder vorbei sein mit der wundersamen Brustvermehrung. Habe mich mit Freundinnen bereits mehrfach ausgiebig ausgetauscht über dieses Phänomen. Keine hat mich verschont: Da war von leergesaugten Exemplaren die Rede, die größentechnisch plötzlich nur noch in diese Polyester-Sport-BHs aus Teenieläden passten. Oder von monatelangen Fitnessstudio-Schindereien an der Brustpresse und unangenehmen Kalt-Warm-Wechselduschen-Kuren, um das Bindegewebe wieder auf Vordermann zu bringen. Lillifee 2432 im Internet schwört übrigens schon vorbeugend bei Kinderwunsch auf kühlende Vollfettquark-Masken im Dekolletébereich. Die, schreibt sie, verstärken den körpereigenen Liftingeffekt der Haut. Angeblich.

Nach der Geburt die Figur zurück? Nein, danke!

In München gab es sogar mal eine Klinik, die einen Großteil ihres Umsatzes damit erwirtschaftete, Frauenkörper nach Geburten rundumzuerneuern. Ab 143 Euro pro Monat – Laufzeit sechs Jahre – konnte Frau postpartal aus einem bunten Potpourri an Schönheits-OPs wählen: Bauchdeckenstraffung, Brustvergrößerung oder Verkleinerung, Fettabsaugen an Oberschenkel und Hüfte, auf Wunsch sogar inklusive Intimkorrektur. "Für Mütter, die nach der Geburt ihre Figur zurückhaben wollen", stand auf dem Flyer, den die Herren Chirurgen auf ihrer Homepage präsentierten. Ganz ehrlich? Von Zurückhaben kann bei mir gerade ganz und gar nicht die Rede sein! Ich würde meine derzeitige Ausstattung oberhalb meines Bauchnabels viel lieber konservieren. Aber natürlich weiß ich als Naturwissenschaftlerin, dass ich derzeit lediglich von den sehr wohlwollend gestimmten Hormonen profitiere.

Da ich persönlich von Silikon und anderen chirurgischen Überarbeitungsmaßnahmen so gar nichts halte und mich nunmehr mit den Gesetzen der Schwerkraft abgefunden habe, mache ich einfach das Beste draus: Ich werde meine neue, zeitlich begrenzte Optik in vollen Zügen auskosten und mein neues Busenwunder-Dasein erstmal genießen. Habe mir also vorgenommen, die verbleibenden Monate dankbar in den Spiegel zu schauen und mein überaus sehenswertes Dekolleté in entsprechenden Ausschnitten zu präsentieren. Vielleicht sollte ich auch in einen neuen Schwung Fotos investieren, bevor ich niederkomme. Also Passbilder, ist ja klar.

Neues Hobby: Baden in Bewunderung

Letztens beim Italiener mit Selbstbedienungstheke flirtete der Pizzabäcker mit mir. Bei einer Frau mit nicht mehr zu übersehendem Babybauch katapultiert eine solche Begebenheit das Selbstbewusstsein in ungeahnte Höhen. Es passiert ja schließlich nicht mehr allzu oft, dass man als Schwangere die uneingeschränkte Aufmerksamkeit fremder Männer genießt – mal abgesehen vom mitleidigen Türe aufhalten und Sitzplatz anbieten in der S-Bahn. Der charmante Italiener schielte jedenfalls verstohlen auf meine Oberweite und ließ sich zu der Frage hinreißen "Bist du alleine?". Ich war völlig verzückt von soviel Bewunderung, dass ich völlig verdrängte, was er da eigentlich über seinem Tresen sah: Nämlich ausschließlich den oberen Teil meines Körpers. Was soll ich sagen, der Zauber der Situation war schnell erloschen, als ich über meinen Bauch streichelte und leise murmelte: "Nö, zu zweit". Er verwies mich dann an seinen Kollegen, der das Pizzabacken übernahm und mir freundlicherweise für die restliche Wartezeit einen Barhocker anbot. Ja, so ist es wohl: Mit Bauch ist man nur Busenwunder zweiter Klasse.

Und auch das muss man der Ehrlichkeit halber sagen: Man steht als plötzlich gut ausgestattete Frau ja auch vor noch nie dagewesenen Problemen: Neulich musste ich sogar mein wöchentliches Schwimmtraining abbrechen, weil meine Freundin Lena in der Dusche plötzlich Anlass zur Sorge hatte, ich könne mit meinem alten Bikini – Modell Triangel –, eine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses riskieren.

Großprojekt: Der passende Bikini/BH

Ich habe mich dann daraufhin im Miederwarenfachgeschäft beraten lassen. Nach kurzer Inspektion in der Umkleidekabine riet man mir zum Badeanzug mit eingebauten Körbchen und umspielenden Rillen, die – so die erfahrene Fachkraft – meine weibliche Rundungen auch im späteren Stadium der Schwangerschaft vorteilhaft kaschieren würden. Die Eigenschaften "Heben, Teilen, Stützen" seien in meinem Fall ganz besonders wichtig. "Sie neigen ja eher zu schwachem Bindegewebe", sagte sie ganz unverblümt während sie meine extrabreiten Träger festzurrte. "Und wenn ihre Brust so schnell wächst, wie Sie sagen, dann wird ihr Busen nach dem Stillen wahrscheinlich sowieso erstmal eine Weile brauchen, um sich zu erholen." Pah. Ich war echt beleidigt! Wo ist es eigentlich mit der nötigen Sensibilität in solchen Läden hin? Um den größten Schaden abzuwenden, habe ich mich trotzdem überreden lassen, etwas zu kaufen: Modell Yuna. 49.99 Euro. Mit extraweichen Cups, in Schwarz-weißer Tupf-Optik.

Apropos Miederwarenfachgeschäft. Was kommt eigentlich nach 80 D? Doppel D oder gar E? Und müssen die – gesetzt den Fall, ich komme mit meiner derzeitigen Größe nicht durch die Stillzeit – so etwas eigentlich bestellen oder gibt’s das da vorrätig? Da habe ich jahrelang davon geträumt, mir solche Fragen zu stellen und jetzt wo es soweit ist, merke ich auf einmal, dass das Leben mit überdurchschnittlicher Oberweite ganz schön ernüchternd ist. Na toll. Und als wäre diese Einsicht nicht schon traurig genug, stelle ich soeben fest, dass mein Liebster auch noch den Vollfettquark gegessen hat. "Mann Felix, der war für mein Dekolleté!"


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