Mein Körper nach der Geburt

Das Baby ist auf der Welt, der Bauch schon ein bisschen kleiner. Die alte Figur? Noch so weit weg! Was im Wochenbett normal ist und was Frauen jetzt schon tun können
von Barbara Weichs, 11.07.2017

Kurz nach der Geburt sollten Mütter sich nicht wegen ihrer Figur unter Druck setzen

W&B/Stefanie Aumiller, istock/gradyreese

Überrascht. Das war Lisa F. aus München (30), als sie sich nach der Geburt ihres Sohnes Carlo im Februar zum ­ersten Mal nackt im Spiegel anschaute. Nur noch eine kleine Wölbung erinnerte an die riesige Babykugel. Der Bauch – fast weg, dafür war die Haut noch sehr gedehnt und faltig, wie bei einem Ballon, aus dem die Luft entwichen ist.

Einige Wochen nach der Geburt trug Lisa F. schon wieder ­eine Jeans aus ihrer Vor-Schwangerschaftszeit. Doch nicht immer bildet sich der Bauch so schnell zurück, Haut und Ge­webe brauchen meist länger, um sich wieder zu straffen. Und auch andere Veränderungen bleiben vorerst. Die ­junge Mutter erzählt: "Mein Busen ist wegen des Stillens so viel größer als sonst. Ich habe viele Besenreiser bekommen, und die ­Linea ­nigra, die Schwangerschaftslinie auf meinem Bauch, ist noch recht dunkel." Spuren, die noch verblassen können, vielleicht aber auch sichtbar bleiben.

Franziska Liesner ist Physiotherapeutin und Heilpraktikerin. Sie führt eine Beckenbodenpraxis in Hamburg

W&B/Stefanie Aumiller

Rückbildung braucht Zeit

Wie schnell sich der Körper nach Schwangerschaft und Geburt der alten Figur annähert und ob er das tatsächlich tut, ist individuell verschieden. Manche Mütter werden noch Wochen nach der Entbindung von Außenstehenden gefragt, wann denn der Termin sei. Auch wenn das frus­triert – keine Mutter sollte sich unter Druck setzen. Der ­Körper hat mit der Schwangerschaft und Geburt Herausragendes geleis­tet. Er braucht jetzt einfach Zeit – bei der einen mehr, bei der anderen weniger.

Das Motto fürs Wochenbett sollte immer sein: nicht zu schnell zu viel wollen. "In zwei Wochen fit und schlank sein wie vor der Schwanger­schaft, das wäre der falsche Anspruch", sagt Physiotherapeutin ­Franziska Liesner, die in Hamburg eine Beckenbodenpraxis leitet. Je mehr Ruhe sich Frauen in den sechs bis acht Wochen nach der Entbindung gönnen, umso besser kommen sie in ihrem Körper an – und umso besser gelingt der Start ins Familienleben.

Ursula Jahn-Zoehrens ist erste Vorsitzende der Hebammen- gemeinschaftshilfe e. V. und Hebamme in Bad Wildbad

W&B/Privat

Schmerzen nach der Geburt sind normal

"Viele Frauen beschreiben ihr Körpergefühl direkt nach der Geburt als völlig neue Dimension", sagt Ursula Jahn-Zoehrens, Heb­amme aus Bad Wildbad und erste Vorsitzende der Hebammengemeinschaftshilfe e. V. Vor allem rechnen viele nicht damit, auch nach der Geburt noch Schmerzen zu spüren. "Sie sind aber normal – sowohl nach ­einer natürlichen Geburt als auch nach einem Kaiserschnitt", erklärt Dr. Chris­tian ­Albring aus Hannover, Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauen­ärzte e. V. ­Allein die Überdehnung des Beckens während der Geburt bereitet oft Beschwerden im Steißbeinbereich und unteren Rücken.

Dr. med. Christian Albring ist Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V. und niedergelassener Gynäkologe in Hannover

Andreas Schoelzel

Geburtsverlauf für Rückbildung entscheidend

Wie stark der Körper belastet ist, hängt vom Geburtsverlauf ab. Wie lange lag die Frau in den Wehen? Eine Geburt, die nach fünf Stunden vorüber ist, erschöpft in der Regel weniger als eine, die 18 Stunden dauert. Bei Verletzungen am Muttermund oder am Damm tun Sitzen, Gehen und der Toi­­lettengang weh. Zwei Wochen oder länger dauert es, bis diese Verletzungen abgeheilt sind. Wenn sich die Gebärmutter zusammenzieht, spüren gerade Zweitgebärende in den ersten Tagen nach der Entbindung oft heftige Nachwehen. Frauen mit einem Kaiserschnitt haben häufig über Wochen Schmerzen beim Aufstehen, Treppensteigen oder wenn sie ihr Baby hochheben.

Karina B. (38), Mutter von Marius (5) und ­Baby Ronja, hat genau das erlebt. Sie hat sowohl ihren Sohn als auch Anfang Januar ihre Tochter per Kaiser­schnitt bekommen. "Diesmal ist die Narbe aber viel größer, wie ­eine Trennung von Ober- zu Unter­bauch", erzählt die Münchnerin. Die Schmerzen waren langwierig. ­Karina B. fühlte sich schlecht.

Nach einer Geburt sind vor allem die Muskulatur der Bauchdecke und das Bindegewebe stark gedehnt, der Beckenboden ­extrem geschwächt. Frauen merken das, wenn sie beim Niesen, Hus­ten oder Lachen unwillkürlich Harn verlieren. Manche haben das Gefühl, nach unten offen zu sein. "Es braucht viel Zeit, bis alles wieder voll belastet werden kann, ­ohne Schaden zu nehmen", erklärt Chris­tian Albring. Deshalb ist es so wichtig, sich in den ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt zu schonen. "Es heißt nicht ­­ohne Grund Wochenbett und nicht Tages­sofa", sagt Jahn-Zoehrens.

W&B/Szczesny

Muskel-Wunder Beckenboden

Der Beckenboden besteht aus drei Muskelschichten: Die äußerste Schicht bilden die Schließmuskeln, die sich wie eine ­liegende Acht um Harnröhre und After ziehen (­siehe Zeichnung). Die mittlere Schicht verläuft quer und verbindet die beiden Sitz­beinhöcker. Die innerste Schicht liegt oberhalb der beiden anderen, auf ihr sitzen die Organe. Im Zusammenspiel entsteht so ­­eine Basis, die die Körpermitte stabilisiert.

Flexibel und dynamisch gleichzeitig, weil er Gegensätzliches leisten muss – das kennzeichnet den Beckenboden. Er hält die Bauch­organe in der richtigen Lage und sorgt so dafür, dass wir Urin und Stuhl halten können. Er öffnet sich aber auch, wenn wir zur Toilette gehen müssen. In der Schwangerschaft trägt er das Baby, bei der Geburt dehnt er sich. Auch beim Sex öffnet er sich, damit der Penis in die Scheide eingeführt werden kann.

Für die geschwächten Muskeln können und sollten Mütter trotzdem sofort nach der Geburt ­etwas tun. "Der Beckenboden hält den Körper von innen in sich zusammen", sagt die Heb­amme (­siehe Kasten oben). Ist er schwach, kann das zu Inkontinenz, Problemen beim Sex und Laufen ­führen. Je mehr Kinder eine Frau bekommt, umso größer ist die Belas­tung für den Beckenboden – und das Risiko, eine Schwäche zu entwickeln. Beckenboden-Reha nennt Franziska Liesner deshalb das, was schon im Wochenbett passieren sollte: den Beckenboden gezielt zu entlasten statt zu belasten, indem die Frau:

  • viel liegt, immer wieder auch auf dem Bauch
  • so wenig trägt wie möglich
  • das Becken möglichst oft hochlagert – zum Beispiel mit einem Kissen
  • das ­Baby im Liegen und nicht im Sitzen stillt
  • über die Seite aufsteht.

Ganz wichtig sei auch sich so zu ernähren, dass keine Verstopfung entsteht. "Drücken setzt dem ­Beckenboden zu", sagt Expertin Liesner.


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