Herzerkrankungen:
Schwangerschaft mit schwachem Pumporgan

Chronische Herzprobleme sind meist kein Hindernis fürs Kinderkriegen. Allerdings müssen Betroffene mit einer Risikoschwangerschaft rechnen

von Julia Lüneburg, 03.05.2012

Starke Belastung für den Körper: Eine Schwangerschaft mit Herzproblemen muss streng überwacht werden


Nicht jedes Herz kann für zwei schlagen. Denn eine Schwangerschaft ist immer auch eine Belastung für den Kreislauf. Deshalb müssen herzkranke Frauen mit Kinderwunsch einiges beachten, um sich und den Nachwuchs nicht zu gefährden. Je nach Erkrankung variiert das Risiko für Mutter und Kind. Eine strenge Überwachung und Zusammenarbeit von Kardiologen und Gynäkologen ist jedoch immer nötig.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) geht von jährlich 30.000 Patientinnen aus, bei denen während einer Schwangerschaft Komplikationen aufgrund einer Herzkrankheit auftreten. "Fast drei Viertel dieser Frauen haben einen angeborenen Herzfehler", wie Professorin Dr. Vera Regitz-Zagrosek, Direktorin des Instituts für Geschlechterforschung in der Medizin am Charité-Klinikum in Berlin erzählt. Sie betont, dass auch Frauen, die bisher keine diagnostzierten Herzprobleme haben, bestimmte Risikofaktoren – wie zum Beispiel die Familiengeschichte – beachten sollten.

Der Körper einer schwangeren Frau muss schon früh mit einer gesteigerten Belastung zurecht kommen. Bereits in der fünften Schwangerschaftswoche nimmt das Blutvolumen der Frau zu. Bis zu 50 Prozent mehr Blut muss das Herz dann durch den Körper pumpen. Außerdem vergrößert sich das Herz und es schlägt schneller. Ab der Mitte der Schwangerschaft sinkt dann der Blutdruck. Während einer Schwangerschaft befindet sich der Körper also in einem ständigen Ungleichgewicht.

Ein gesundes Herz kann solche Schwankungen ausgleichen. Ein krankes Herz wird dagegen überfordert und gefährdet nicht nur die Mutter, sondern auch das ungeborene Kind. Unter anderem sind es Durchblutungsstörungen der Gebärmutter, die zu zahlreichen Komplikationen wie Wachstumsstörungen, Früh- oder Totgeburten führen können. Meist muss dann die Geburt frühzeitig eingeleitet werden und das Kind kommt mit einem sehr geringen Gewicht zur Welt.

 

Die Komplikationen, die durch Klappenfehler, andere Herzerkrankungen oder arteriellen Bluthochdruck entstehen können, werden durch zahlreiche Risikofaktoren noch verstärkt. Wenn eine Frau bereits älter als 35 Jahre ist oder Übergewicht hat, besteht die Gefahr eines Schwangerschafts-Bluthochdrucks oder einer Nierenfunktionsstörung. "Und das gefährdet wiederum das Ungeborene", erklärt Kardiologin Regitz-Zagrosek. Auch wenn in der Familie bereits Fälle einer Herzerkrankung auftraten, muss eine Schwangerschaft strenger überwacht werden als bei einer gesunden Frau.

Da Mediziner diese Schwangerschaften zu den Risikoschwangerschaften zählen, stehen häufiger Vorsorgeuntersuchungen an – um den ganzen Verlauf der Schwangerschaft streng zu überwachen. "Wichtig ist vor allem eine enge Zusammenarbeit zwischen Kardiologen und Gynäkologen", betont Vera Regitz-Zagrosek. Sie rät dazu, sich an Universitätskliniken zu wenden. Diese können meist einen spezialisierten Kardiologen in der Nähe der Patientin empfehlen.

Eine weitere Gefahr für das Ungeborene steckt bereits in seinen Genen. Denn viele Herzkrankheiten oder auch das Marfansyndrom (eine Bindegewebsschwäche mit fehlerhaften Herzklappen oder Aorten) werden vererbt. Mit Hilfe der Pränataldiagnostik, also Untersuchungen des ungeborenen Kindes, können Ärzte heute jedoch recht gut vorhersagen, wie hoch das Krankheitsrisiko für den Fötus ist.

 

Ein schwieriger Punkt für Frauen mit chronischen Herzerkrankungen und Kinderwunsch ist die Medikation. Einige Wirkstoffe, wie zum Beispiel die gegen hohen Blutdruck oft eingesetzten ACE-Hemmer, schaden dem Ungeborenen und sollten deshalb nicht während einer Schwangerschaft genommen werden. Auch die wassertreibenden Diuretika gefährden das Kind, weil sie das Blut verdicken und so die häufig sowieso schon gestörte Durchblutung beeinträchtigen. Lediglich von manchen Beta-Blockern gehe keine Gefahr aus, so Regitz-Zagrosek. "Die Medikation hängt immer von der Schwere der Krankheit ab, nur der Arzt kann entscheiden, welchen Wirkstoff in welcher Menge die Patientin nehmen darf".

Es gibt jedoch Fälle, in denen Ärzte einer Frau mit chronischer Herzkrankheit vom Kinderwunsch abraten müssen. Zum Beispiel, wenn die Gefahr besteht, dass eine Schwangerschaft lebensgefährliche Komplikationen auslöst. Das ist der Fall bei einem sehr geschwächtem Herz oder wenn Chirurgen eine künstliche Herzklappe implantieren mussten. Auch bei schwerem Lungenhochdruck oder dem Marfansyndrom raten Ärzte meist von einer Schwangerschaft ab.

 


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