Fehlgeburt: Viele Abgänge bleiben unbemerkt

Die meisten Abgänge passieren, bevor sich die Eizelle einnistet. Manchmal verstirbt der Fetus auch später. Was der Arzt dann tut

von Daniela Frank, aktualisiert am 09.10.2013

Meist stellt der Arzt eine Fehlgeburt über eine Ultraschalluntersuchung fest


Er ist der Albtraum einer jeden Schwangeren: der Abgang. Doch in den allermeisten Fällen passiert er, ohne dass die Frau es merkt. Die Eizelle nistet sich gar nicht erst ein. Nur wenige Schwangere nach der 12. Schwangerschaftswoche erleiden eine Fehlgeburt. Wiederkehrende, sogenannte habituelle Aborte sind noch viel seltener – und sie lassen sich oft behandeln.

Von einer Fehlgeburt oder einem Abort spricht man, wenn der Fetus vor der 24. Schwangerschaftswoche (SSW) verstirbt. Eine Fehlgeburt bis zur 12. Schwangerschaftswoche gilt als früher Abort, ab der 20. Woche als Spätabort. Ab der 24. Schwangerschaftswoche oder wenn das Kind 500 Gramm wiegt, hätte es als Frühgeburt mit hoher Wahrscheinlichkeit mithilfe intensivmedizinischer Behandlungen überlebt. Verstirbt es nach diesem Zeitpunkt im Mutterleib, gilt es als Totgeburt.

Häufigkeit von Fehlgeburten

Die meisten Fehlgeburten geschehen, ohne dass die Frau es merkt: bevor sich die Eizelle einnistet. Man geht davon aus, dass bei Unter-30-Jährigen rund die Hälfte der befruchteten Eizellen abgehen, bei älteren Frauen sogar noch mehr. Ab dem Zeitpunkt, ab dem die Schwangerschaft feststellbar ist, also etwa ab der 5. Woche, beträgt die Rate der Fehlgeburten rund zehn bis 15 Prozent. Viele werdende Mütter warten bis zur 12. Schwangerschaftswoche, bevor sie ihrem Umfeld von der Schwangerschaft erzählen, weil etwa 80 Prozent der Aborte vor diesem Zeitpunkt stattfinden.

Symptome bei einer Fehlgeburt

Typisches Symptom einer Fehlgeburt sind Blutungen. Sie können schwach ausfallen oder ganz ausbleiben. Vor allem in der Frühphase der Schwangerschaft ist es möglich, dass ein sogenannter verhaltener Abort auftritt, ohne Blutung oder Wehentätigkeit. Weil der Körper aufhört, Schwangerschaftshormone zu produzieren, gehen jedoch Schwangerschaftszeichen wie Brustspannen oder morgendliche Übelkeit bei manchen Frauen zurück. Außer Blutungen können bei einem Abort krampfartige Schmerzen im Unterbauch auftreten, die sich wie Menstruationsschmerzen anfühlen. Die Symptome bei einer Fehlgeburt ähneln denen einer Eileiterschwangerschaft.

Diagnostik und Therapie

Meist diagnostiziert der Arzt eine Fehlgeburt mithilfe einer Ultraschalluntersuchung. Manchmal geschieht dies auch zufällig, bei einer Vorsorgeuntersuchung. Außerdem bestimmt der Arzt die Entzündungswerte und die Konzentration des Schwangerschaftshormons im Blut. Die Therapie besteht meist in einer Gebärmutterausschabung. Dabei werden Gewebereste aus der Gebärmutter entfernt. Passiert die Fehlgeburt nach der 14. bis 16. Schwangerschaftswoche, ist der Fetus häufig schon zu groß, um operativ entfernt zu werden. Dann wird die Geburt eingeleitet. Weil der Arzt stärkere Schmerzmittel geben kann als bei einer normalen Geburt, ist dies weitgehend schmerzfrei. Zudem hilft es dem Paar, von dem Ungeborenen Abschied zu nehmen. Später kann das fetale Gewebe auf Wunsch der Eltern weiter untersucht werden. Zum Beispiel ist eine Obduktion oder eine genetische Untersuchung möglich. Bei einer sogenannten habituellen Abortneigung, also wenn die Frau mehrere aufeinanderfolgende Fehlgeburten hatte, erfolgt eine ausführliche Ursachenforschung.

Mögliche Ursachen eines Aborts

Eine Fehlgeburt kann aus folgenden Gründen auftreten:

  • genetische Eigenschaften des Fetus, die nicht mit dem Leben vereinbar sind – dies ist die häufigste Ursache eines Aborts
  • Störungen im Hormonhaushalt der Mutter, zum Beispiel aufgrund von Schilddrüsenkrankheiten oder Diabetes mellitus
  • Anatomische Besonderheiten an der Gebärmutter, zum Beispiel Myome oder eine verengte Gebärmutterhöhle
  • eine angeborene oder erworbene Thromboseneigung der Frau. Dabei besteht die Gefahr, dass sich im Mutterkuchen Blutgerinnsel bilden, sodass der Fetus nicht ausreichend mit Blut versorgt wird
  • Autoimmunerkrankungen
  • andere immunologische Störungen: Der Fetus besteht zwar zur Hälfte aus Gewebe, das für den Körper der Mutter fremd ist, weil es vom Vater kommt. Trotzdem wird er in einer normalen Schwangerschaft nicht abgestoßen, weil das Immunsystem der Frau auf diese besondere Situation reagiert und etwas herunterfährt. Diese Immunmechanismen können gestört sein, sodass der Fetus abgestoßen wird.

Diagnostik und Therapie des habituellen Aborts

Bei wiederholten Fehlgeburten stehen dem Arzt verschiedene Diagnosemethoden zur Verfügung. Die Reihenfolge, in der er sie anwendet, ergibt sich daraus, wie wahrscheinlich die jeweilige Ursache ist. Bestätigt sich die Annahme, kann er entsprechend behandeln:

  • Genetische Veränderungen stellt der Arzt über ein Karyogramm des Paares fest. Es zeigt jeweils alle Chromosomen eines Menschen. Liegt eine Veränderung vor, kann eine Möglichkeit, weitere Aborte zu vermeiden, die Präimplantationsdiagnostik (PID) sein. Dabei werden Eizellen außerhalb des Mutterleibes künstlich befruchtet und nur solche ohne genetische Veränderung in die Gebärmutter eingesetzt. Ihr breiter Nutzen für Frauen mit wiederholten Aborten ist jedoch durch Studien nicht ausreichend belegt.
  • Mithilfe eines Ultraschalls oder einer Gebärmutterspiegelung kann der Arzt Fehlbildungen oder Myome in der Gebärmutter entdecken. Diese kann er operativ entfernen. Wenn die Frau schon ein oder mehrere Ausschabungen nach einer Fehlgeburt hatte, kann die Gebärmutterschleimhaut Verwachsungen aufweisen, die einer erneuten Schwangerschaft schaden könnten. Daher müssen diese Verwachsungen zuvor durch eine Operation gelöst werden.
  • Hormonelle Störungen ermittelt der Arzt in der Regel mithilfe einer Blutuntersuchung. Anschließend kann er den entsprechenden Wert – zum Beispiel des Schilddrüsenhormons TSH – medikamentös einstellen. Ähnliches gilt für die Behandlung von Diabetes mellitus mit Metformin oder Insulin. Auch das Polyzystische Ovarialsyndrom zählt zu den hormonellen Ursachen wiederholter Fehlgeburten. Es wird mit einer Kombination aus Lebensstiländerung (Gewichtsreduktion), medikamentöser und eventuell weiterer medizinischer Maßnahmen behandelt.
  • Bei einer Thromboseneigung verschreibt der Arzt meist Medikamente zur Blutverdünnung.
  • Haben die habituellen Aborte immunologische Gründe, ist derzeit eine eingehende Diagnostik und spezifische Therapie nur in spezialisierten Zentren unter Studienbedingungen möglich.
  • Frauen, die unter Ängsten oder anderen psychischen Problemen leiden, profitieren häufig von einer Psychotherapie.

Vorbeugen von Fehlgeburten

Wiederkehrende Fehlgeburten lassen sich im Grunde nur durch die Behandlung der Ursachen verhindern. Im Allgemeinen hilft außerdem der Verzicht auf Rauchen, Alkohol sowie größere Mengen Kaffee, das Risiko zu senken. Bei einer Neigung zu Aborten empfiehlt der Arzt, während der frühen Phase der Schwangerschaft auf Geschlechtsverkehr zu verzichten beziehungsweise Kondome zu verwenden. Denn im Ejakulat des Mannes sind Substanzen enthalten, die den Muttermund reizen. Falls Blutungen auftreten, sollte sich die Schwangere zudem unbedingt schonen.

Bestattung und Seelsorge

Nach einer Fehlgeburt hilft es den Eltern meist, bewusst Abschied zu nehmen. Dabei helfen Psychologen oder Seelsorger, die mit der jeweiligen Klinik zusammenarbeiten. Wiegt das Kind mehr als 500 Gramm, muss es individuell bestattet werden. Wiegt es weniger, können die Eltern sich auch für eine anonyme Sammelbestattung entscheiden. Kliniken führen diese häufig im Rahmen einer Trauerfeier durch, an der die Eltern teilnehmen können.

Mutterschutz und Rückbildung

Hatte der Fetus ein Geburtsgewicht von 500 Gramm oder mehr, darf der Arbeitgeber die Frau bis acht Wochen nach der Fehlgeburt nicht beschäftigen – außer auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin. Falls sie den Mutterschutz von sechs Wochen vor dem geplanten Entbindungstermin noch nicht in Anspruch genommen hat, steht er ihr noch zu. In jedem Fall – also auch bei einem geringeren Geburtsgewicht – kann die Frau ein Gespräch mit einer Hebamme sowie Rückbildungsgymnastik in Anspruch nehmen. Bei Bedarf bekommt sie eine psychologische Behandlung verschrieben.

Beratende Expertin: Prof. Dr. med. Bettina Toth, Leitende Oberärztin in der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen am Universitätsklinikum Heidelberg, Leiterin der Kinderwunschambulanz

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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