Das richtige Gewicht in der Schwangerschaft

Als Schwangere nimmt man zu – das ist klar. Aber wie viel ist normal?

von Daniela Frank, aktualisiert am 09.10.2018
Frau steht auf Waage

Ein Körper für zwei: Schwangere nehmen natürlich zu, keine Frage. Nur wann ist es zu viel?


Was die meisten Frauen sonst eher fürchten, passiert in der Schwangerschaft unweigerlich: Der Bauch wächst, der Zeiger auf der Waage bewegt sich nach rechts. Manche tun sich schwer, da locker zu bleiben. Andere denken sich "Wie schön, dass ich darauf jetzt nicht achten brauche!" und greifen eher bei kalorienreichen Nahrungsmitteln zu, sei es Kuchen, Bratwurst oder Schokolade.

Eine Fehleinschätzung, denn der Kalorienbedarf steigt erst ab dem vierten Monat - und dann nur um etwa 250 Kilokalorien pro Tag. Das entspricht einem kleinen Müsli mit Früchten oder einem Frischkäsebrot mit Apfel. Dabei ist das richtige Gewicht ein wichtiger Faktor in der Schwangerschaft: Sowohl zu viele Pfunde als auch eine Hungerkur können Mutter und Kind schaden.

"Übergewicht lässt in der Schwangerschaft das Risiko für Diabetes und Bluthochdruck steigen", sagt Professor Dr. Ekkehard Schleußner, Direktor der Universitätsklinik Geburtshilfe der Frauenklinik Jena. Außerdem drohen Schwangeren, die deutlich übergewichtig oder fettleibig sind, mehr Komplikationen bei der Geburt. Untergewicht dagegen kann zu einer Frühgeburt, zu einem Nährstoffmangel beim Baby oder zu einem niedrigen Geburtsgewicht führen.

Anfangs nimmt die Schwangere noch nicht zu

In jeder Schwangerschaft gilt: Das Gewicht steigt nicht kontinuierlich an. Im ersten Schwangerschaftsdrittel nimmt die Frau in der Regel nicht oder kaum zu, manche nehmen sogar leicht ab. Denn der Körper stellt sich um, viele Frauen können jetzt nur kleine Portionen essen oder leiden unter Übelkeit und Erbrechen. "Nimmt eine Frau in der Frühschwangerschaft deutlich zu, liegt das meistens am Essverhalten", sagt Schleußner. Im zweiten Trimester und dritten Trimester legen Schwangere dann an Gewicht zu. Insgesamt sind es im Schnitt rund 10 bis 16 Kilo. Je nach Ausgangsgewicht entscheidet sich der empfohlene Wert jedoch.

Eine Orientierung, die weltweit Verwendung findet, liefert das amerikanische Institute of Medicine (IOM), das die Gewichtszunahme in Bezug zum Body-Mass-Index (BMI) der Frau vor der Geburt setzt:

BMI vor der Schwangerschaft Empfohlene Gewichtszunahme in der Schwangerschaft Wöchentliche Zunahme im 2. und 3. Trimester (Durchschnitt)
unter 18,5 12,7 bis 18,1 kg 0,45 kg
zwischen 18,5 und 24,9 11,3 bis 15,9 kg 0,45 kg
zwischen 25 und 29,9 6,8 bis 11,3 kg 0,27 kg
über 30 5 bis 9 kg 0,23 kg

Die Gewichtsverteilung in der Schwangerschaft

Zwar gibt es keine explizite Empfehlung für Deutschland, Experte Schleußner findet die Tabelle zur Orientierung trotzdem sinnvoll. Doch was rät er, wie viel Schwangere nun mehr auf die Waage bringen dürfen? "Alles im angegebenen Bereich ist im Rahmen", sagt Schleußner. So einfach lasse sich die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ohnehin nicht steuern. Denn sie hängt nicht nur davon ab, wie sich die Schwangere ernährt.

Zu einem großen Teil wird sie von schwangerschaftsbedingten Veränderungen im Körper bestimmt. Hormone sorgen zum Beispiel dafür, dass sich die Blutmenge im Körper erhöht, die Brüste schwerer werden und sich Flüssigkeit im Körper einlagert. Am Ende der Schwangerschaft verteilt sich die Gewichtszunahme – im Beispiel 14 Kilogramm – ungefähr wie folgt:

Körperteil Gewicht
Gebärmutter 1,5 kg
Vermehrte Blutbildung 2,0 kg
Plazenta (Nachgeburt) 0,5 kg
Fruchtwasser 1,0 kg
Reserven der Mutter 2,0 kg
Wachstum der Brüste (je 250 Gramm) 0,5 kg
Flüssigkeitseinlagerungen 3,0 kg
Gewicht des Kindes 3,5 kg
Gesamt 14 kg

Gewichtsschwankungen: Wann zum Arzt?

Etwa alle vier Wochen prüft der Arzt das Gewicht der Schwangeren, trägt ihr Gewicht im Mutterpass ein und spricht mit ihr über die Gewichtsentwicklung. "Wenn sie plötzlich stark zunimmt, also etwa zwei bis drei Kilo innerhalb einer Woche, prüft er, was dahintersteckt", sagt Schleußner. Starke Wassereinlagerungen können zum Beispiel auf Bluthochdruck und drohende Komplikationen wie Präeklampsie hindeuten. Aber auch, wenn das Gewicht im zweiten oder dritten Trimester über längere Zeit stagniert oder die werdende Mutter sogar abnimmt, sollte sie einen Arzt aufsuchen.


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