Das richtige Gewicht in der Schwangerschaft

Als Schwangere nimmt man zu – das ist klar. Aber wie viel ist normal? Und wann werden zu viele oder zu wenige Kilo zum Problem?

von Daniela Frank, aktualisiert am 19.10.2015

Schwanger! Nach ein paar Monaten zeigt die Waage meist mehr an


Was die meisten Frauen sonst eher fürchten, passiert in der Schwangerschaft unweigerlich: Der Bauch wächst, der Zeiger auf der Waage bewegt sich nach rechts. Manche tun sich schwer, da locker zu bleiben. Andere denken sich "Wie schön, dass ich darauf jetzt nicht achten brauche!" und genehmigen sich abwechselnd Kuchen, Bratwürste und Schokolade. Doch in der Schwangerschaft gilt: Sowohl zu viele Pfunde als auch eine Hungerkur können Mutter und Kind schaden.

Übergewicht für Schwangere gefährlich

Das Baby sollte einerseits alle Nährstoffe bekommen, die es braucht. Andererseits sollten sich Schwangere auch zusätzlich zu Obst und Gemüse Bratwürste im Übermaß verkneifen: Der Kalorienbedarf steigt erst ab dem vierten Monat um etwa 250 Kilokalorien pro Tag – und das entspricht einem kleinen Müsli mit Früchten oder einem Frischkäsebrot mit Apfel. "Übergewicht lässt in der Schwangerschaft das Risiko für Diabetes und Bluthochdruck steigen", sagt Professor Dr. Ekkehard Schleußner, Direktor der Abteilung Geburtshilfe der Frauenklinik Jena. Unbehandelt können diese für Mutter und Kind lebensbedrohlich sein. Außerdem drohen Schwangeren, die deutlich übergewichtig oder fettleibig (adipös) sind, mehr Komplikationen bei der Geburt: Ihre Babys sind meist größer und haben es schwerer, durch den Geburtskanal zu kommen. Das Kind hat ein höheres Risiko, später selbst an Übergewicht und Diabetes zu erkranken. "Es ist schon bei der Geburt eine hohe Nahrungsaufnahme gewohnt", sagt Schleußner. "Übergewicht wird so von Generation zu Generation weitergegeben – obwohl es nicht vererbt wird."

Eine Hungerkur während der Schwangerschaft kann dagegen zu einer Frühgeburt, zu einem Nährstoffmangel beim Baby oder zu einem niedrigen Geburtsgewicht führen. Letzteres erhöht ebenfalls das Risiko des Kindes, später einmal übergewichtig zu werden. "Es hat sich im Mutterleib an Nahrungsknappheit gewöhnt. Normal zu essen ist dann schon eine Überernährung", sagt Schleußner. Untergewichtige Frauen sollen deshalb als Schwangere etwas mehr zunehmen als Normalgewichtige, Übergewichtige weniger.

Anfangs nimmt die Schwangere noch nicht zu

Das Gewicht steigt in der Schwangerschaft jedoch nicht kontinuierlich an. Im ersten Schwangerschaftsdrittel (Fachbegriff: erstes Trimester) nimmt die Frau in der Regel nicht oder kaum zu, manche nehmen sogar leicht ab. Denn der Körper stellt sich um, viele Frauen können jetzt nur kleine Portionen essen oder leiden unter Übelkeit und Erbrechen. "Nimmt eine Frau in der Frühschwangerschaft deutlich zu, liegt das meistens am Essverhalten", sagt Schleußner. Im zweiten Trimester werden normalgewichtige Frauen rund 250 bis 400 Gramm pro Woche schwerer, im dritten Trimester rund 400 bis 600 Gramm. Insgesamt sind es im Schnitt rund 13 bis 14 Kilo. Die idealen Werte können jedoch je nach Ausgangsgewicht davon abweichen.

Das amerikanische Institute of Medicine (IOM) hat sie mit Bezug auf den Body-Mass-Index (BMI) der Frau vor der Geburt aufgeschlüsselt:

BMI vor der Schwangerschaft Laut IOM optimale Gewichtszunahme in der Schwangerschaft Wöchentliche Zunahme im zweiten und dritten Trimester (Durchschnitt)
unter 18,5 12,7 bis 18,1 kg 0,5 kg
zwischen 18,5 und 24,9 11,3 bis 15,9 kg 0,5 kg
zwischen 25 und 29,9 6,8 bis 11,3 kg 0,27 kg
über 30 maximal 9 kg 0,23 kg

 

Werte für Deutschland noch nicht bestätigt

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zögert allerdings, diese Empfehlungen für deutsche Schwangere zu übernehmen. Es plädiert dafür, weitere Studien abzuwarten, die bereits angelaufen sind. In der Zwischenzeit lautet die Empfehlung: "Zunächst sollten Übergewichtige und adipöse Schwangere in der Beratung besonders auf eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung hingewiesen werden."

Experte Schleußner findet die Tabelle trotzdem zur Orientierung sinnvoll. "Wir haben das Problem, dass rund 24 Prozent, also fast ein Viertel der Bevölkerung, übergewichtig sind", erklärt er. "Immer mehr Frauen gehen mit einer – oft unerkannten – Stoffwechselerkrankung in die Schwangerschaft." Den damit einhergehenden Risiken müsse man früh gegensteuern. Zum Beispiel könne der Arzt den für die 25. Schwangerschaftswoche vorgesehenen Glukosetoleranztest bei Verdacht auf Diabetes schon früher durchführen. Anschließend empfiehlt er in der Regel eine Ernährungsumstellung. Bei einem Schwangerschaftsdiabetes ist sie sogar der erste Behandlungsschritt – zusammen mit vermehrter Bewegung, falls ansonsten alles in der Schwangerschaft normal läuft.

Ernährungsberatung für übergewichtige Schwangere sinnvoll

Zwar bekommt jede Schwangere im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen eine generelle Ernährungsberatung. Doch Gynäkologen und Hebammen sind meist nicht speziell ausgebildet und haben oft nicht die Zeit, um stark Übergewichtige angemessen zu betreuen. "Frauen mit hohem BMI kann der Arzt aber auf jeden Fall an einen Ernährungsberater verweisen", sagt Schleußner. Leider sei das nicht gängige Praxis – dabei würden viele Kassen die Kosten dafür auf Antrag sogar erstatten.

Und was gilt für Normalgewichtige – sollen sie eher mehr oder eher weniger zunehmen? "Alles im angegebenen Bereich ist im Rahmen", sagt Schleußner. So einfach lasse sich die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ohnehin nicht steuern. Denn sie hängt nicht nur davon ab, wie sich die Schwangere ernährt. Zu einem großen Teil wird sie von schwangerschaftsbedingten Veränderungen im Körper bestimmt. Hormone sorgen zum Beispiel dafür, dass sich die Blutmenge im Körper erhöht, die Brüste schwerer werden und sich Flüssigkeit im Körper einlagert. Am Ende der Schwangerschaft verteilt sich die Gewichtszunahme – im Beispiel 14 Kilogramm – ungefähr wie folgt:

Körperteil Gewicht
Gebärmutter 1,5 kg
Vermehrte Blutbildung 2,0 kg
Plazenta (Nachgeburt) 0,5 kg
Fruchtwasser 1,0 kg
Reserven der Mutter 2,0 kg
Wachstum der Brüste (je 250 Gramm) 0,5 kg
Flüssigkeitseinlagerungen 3,0 kg
Gewicht des Kindes 3,5 kg
Gesamt 14 kg

 

Gewichtsschwankungen: Wann zum Arzt?

Etwa alle vier Wochen prüft der Arzt das Gewicht der Schwangeren, trägt ihr Gewicht im Mutterpass ein und spricht mit ihr über die Gewichtsentwicklung. "Wenn sie plötzlich stark zunimmt, also etwa zwei bis drei Kilo innerhalb einer Woche, prüft er, was dahintersteckt", sagt Schleußner. Starke Wassereinlagerungen können zum Beispiel auf Bluthochdruck und drohende Komplikationen wie Präeklampsie hindeuten. Aber auch, wenn das Gewicht im zweiten oder dritten Trimester über längere Zeit stagniert oder die werdende Mutter sogar abnimmt, sollte sie einen Arzt aufsuchen.


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