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Corona: Darf meine Hebamme mich noch betreuen?

Die Ausgangsbeschränkungen aufgrund des Coronavirus verunsichern Viele. Schwangere und Eltern von Neugeborenen fragen sich zum Beispiel: Kommt die Hebamme noch? Und was ist mit Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungkurs?

von Stephanie Arndt, 23.03.2020

Die neuartige Lungenerkrankung Covid-19 stellt Schwangere sowie Eltern von Neugeborenen vor große Herausforderungen und verunsichert. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick – auch wenn sich die Informationen stündlich ändern können.

Dürfen Hebammen jetzt überhaupt noch Geburtsvorbereitungs- bzw. Rückbildungskurse anbieten?

Derzeit gibt es noch keine einheitliche Regelung (Stand 23.3.2020). Die Bundesländer entscheiden selbst, ob Kurse gegeben werden dürfen oder nicht. Das liegt auch am Interpretationsspielraum: einige Gesundheitsämter stufen diese Kurse als Gesundheitsvorsorge ein, die vom Versammlungsverbot ausgenommen ist. Andere zählen sie zur Erwachsenenbildung, die ab sofort nicht mehr stattfinden soll. "Die Empfehlungen sind derzeit noch sehr schwammig und ändern sich schnell", sagt Hebamme Jacqueline Schönherr aus dem hessischen Hünstetten. Die Hebammenverbände raten, Rückbildungskurse bis auf weiteres zu verschieben, während dies bei Geburtsvorbereitungskursen schlecht möglich ist. Sollte es eine Ausgangssperre geben, wie etwa bereits in einigen bayerischen Gemeinden, dürfen gar keine Kurse mehr gegeben und besucht werden. Finden Kurse noch statt, müssen Teilnehmerinnen auf einen Abstand von zwei Metern achten und sich anschließend gründlich die Hände waschen.

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Ich traue mich nicht mehr zu einem Kurs zu gehen. Kann ich den absagen?

Sofern überhaupt noch ein Kurs stattfindet, werden Hebammen in der Regel Verständnis für Ihre Absage haben. Aktuell haben sich die Spitzenverbänden der Krankenkassen mit den Bundesverbänden über die Finanzierung von digitalen Angeboten geeinigt, die viele Hebammen zeitnah anbieten wollen. Kurse über Skype oder Video-Sprechstunden werden dann von den Kassen übernommen. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Schwangeren und Müttern unsere Leistungen auf anderen Wegen zukommen zu lassen", erklärt Ilona Strache, erste Vorsitzende vom Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V.

Kommt meine Hebamme überhaupt noch zu mir nach Hause?

"So lange wir noch selbst auf den Beinen stehen und nicht selbst infiziert sind, kommen wir – auch aus ethischer Verpflichtung", beruhigt Strache. Gleichzeitig appelliert sie an Schwangere und junge Mütter, Hebammen nur noch in absoluten Notfällen um einen Hausbesuch zu bitten. "Natürlich kommen wir in den ersten Lebenstagen nach Hause, wenn es ohne körperliche Präsenz nicht geht. Nabel- und Wundpflege machen wir vor Ort. Ist das Baby etwas älter, lassen sich auch ganz viele Fragen am Telefon oder per Mail beantworten. Eltern können sich dann auch eine Babywaage in der Apotheke ausleihen, das Gewicht ihres Kindes selbst kontrollieren und die Hebamme fernmündlich auf dem Laufenden halten. Auch bei allgemeinen Fragen oder dem ersten Bad unterstützen wir so in diesen Zeiten und nehmen den Eltern die Ängste und Sorgen."

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Ich fühle mich fit und möchte zur Sicherheit gar keinen direkten Kontakt, auch nicht zu meiner Hebamme.

"Sofern Sie gesund sind und die Schwangerschaft ohne Komplikationen verläuft, ist das sogar eine gute Idee", unterstützt Strache diesen Wunsch. "Nutzen Sie die Zeit, um sich auszuruhen und sammeln Sie Kraft. Trotz allem sind wir auch weiterhin die Vertrauenspersonen in der Schwangerschaft und stehen unseren Frauen zur Seite. Auch weil wir Hebammen natürlich ebenfalls auf unsere Einkünfte angewiesen sind." An wen sich Schwangere bei Problemen wenden – an die Hebamme oder den Frauenarzt – ist eine individuelle Entscheidung und muss jede Frau selbst treffen.

Worauf sollte ich achten, wenn meine Hebamme zum Hausbesuch kommt?

Auf die empfohlenen Hygienemaßnahmen, an die sich auch ihre Hebamme halten wird. Verzichten Sie auf die vielleicht sonst herzliche Begrüßung oder das Händeschütteln. "Ich setze mich nicht mehr hin und halte den Besuch so kurz wie möglich", erklärt Schönherr. Benutzen Sie Ihren eigenen Stift, wenn Sie etwas unterschreiben müssen und waschen Sie sich vor und nach dem Hausbesuch gründlich die Hände. "Das machen wir auch so, denn bei unserer Arbeit ist Körperkontakt manchmal einfach nicht vermeidbar, zum Beispiel bei der Stillberatung, dem Abtasten des Bauches oder der Kontrolle eines Dammrisses", so Schönherr. Sie bittet zudem darum, dass möglichst wenig Personen beim Hausbesuch anwesend sind. Im Idealfall spielen Väter in dieser Zeit mit den Geschwisterkindern in einem anderen Zimmer.

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Was passiert, wenn ich mich krank fühle oder an Corona erkrankt bin?

Informieren Sie grundsätzlich Ihre Hebamme, auch wenn Sie nur verschnupft sind. Und erst recht, wenn Sie unter Symptomen leiden, die auf eine Infektion mit dem Corona-Virus hindeuten (zum Beispiel Fieber, Husten und Gelenkschmerzen). Im Verdachtsfall besprechen Sie notwendige Maßnahmen mit Ihrem Hausarzt oder dem Gesundheitsamt – und lassen Sie Ihre Hebamme bis zur Klärung, ob Sie infiziert sind oder nicht, nicht in die Wohnung. Bitten Sie Freunde und Bekannte für Sie einzukaufen und die Lebensmittel vor die Tür zu stellen. Wenn Sie unter starken Beschwerden leiden, rufen Sie Ihren Hausarzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 und berichten Sie von Ihren Beschwerden. Einige Städte haben spezielle Corona-Hotlines eingerichtet. Dann wird entschieden, ob Sie in ein Krankenhaus kommen. Gehen Sie auf keinen Fall unangemeldet in eine Arztpraxis. 

Meine Hebamme bietet keine Hausbesuche mehr an – was nun?

Strache: "Das ist eine absolute Ausnahme. Alle Kolleginnen, die ich kenne, machen weiter. Sogar, wenn Frauen mit Corona infiziert sind. Diese werden dann in Schutzkleidung ganz zum Schluss besucht und die Sachen anschließend vernichtet." Einen Anspruch auf Hausbesuche gibt es trotzdem nicht. Versuchen Sie notfalls, eine andere Hebamme zu finden.

Ich wollte eine Hausgeburt – ist das noch möglich?

Ja, sofern Sie vollkommen gesund sind, Ihre Hebamme noch Hausgeburten anbietet und entsprechend versichert ist. "Ist eine Frau mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, darf sie nicht mehr zu Hause gebären", so Strache. Ob Geburtshäuser noch Kapazitäten haben, muss direkt geklärt werden.

Stimmt es, dass Väter nicht mehr bei der Geburt im Kreißsaal anwesend sein dürfen?

Einige Krankenhäuser lassen wirklich nur noch die Gebärende und medizinisches Personal in den Kreißsaal. Andrea Ramsell vom Deutschen Hebammenverband e.V. sieht das kritisch: "Wir als Verband appellieren an die Kliniken in diesen besonderen Situationen mit Augenmaß zu entscheiden. Für einige Frauen kann dies zusätzlichen Stress auslösen, wenn sie wissen, dass ihr Partner nicht bei ihnen sein darf."


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