Blasenschwäche: So beugen Schwangere vor

Während der Schwangerschaft und danach leiden viele Frauen an einer Inkontinenz. Dem lässt sich vorbeugen! Hilfreiche Tipps

von Peggy Elfmann, aktualisiert am 10.02.2016
Beckenbodengymnastik

Gymnastik oder Yoga in der Schwangerschaft können gut tun


Schwanger sein ist wundervoll! Viele Frauen spüren jetzt besonders viel Energie und sind voller Vorfreude auf das kleine Lebewesen, das in ihnen wächst. Fast jede zweite Frau lernt aber auch zum ersten Mal eine unangenehme Beschwerde kennen: Harninkontinenz. Beim Niesen, Lachen oder schweren Heben verlieren sie etwas Urin, denn die Muskeln, die sonst den Schließmuskel der Blase unterstützen, spannen sich nicht mehr so gut an (siehe Grafik unten).

Der Grund dafür: "Während der Schwangerschaft wird vermehrt Progesteron gebildet, das das Gewebe weich macht", erklärt die Hebamme Sabine Friese-Berg aus Konstanz. "Das ist ein normaler und wichtiger Vorgang, um den Körper auf die Geburt vorzubereiten." Oft verschwindet die Blasenschwäche nach dem Wochenbett von alleine, jede zehnte Frau hat aber länger damit zu tun. Wen es trifft, ist auch eine Frage der Gene. "30 Prozent aller Frauen mit Störungen nach Schwangerschaft und Geburt zeigen eine familiäre Veranlagung", erklärt Professorin Christl Reisenauer, leitende Oberärztin der Universitäts-Frauenklinik Tübingen. Es gibt jedoch auch beeinflussbare Risikofaktoren für die Belastungsinkontinenz – und Strategien dagegen:

Frau Friese-Berg

Vor der Schwangerschaft

Nicht rauchen: Frauen, die vor der Schwangerschaft rauchen, leiden währenddessen und danach häufiger an einer Blasenschwäche. Denn sie neigen zu chronischem Husten, was den Druck im Bauchraum erhöht und den Beckenboden belastet. Am besten also rechtzeitig mit dem Rauchen aufhören.

Auf das Gewicht achten: Zu viele Kilos am Körper schwächen die Beckenbodenmuskeln. Schon bei einem Kinderwunsch sollte man versuchen, sein Normalgewicht zu erreichen.

Prof. Dr. med. Christl Reisenauer

In der Schwangerschaft

Bewegen: Aktive Schwangere haben einen starken Beckenboden. Allerdings eignet sich nicht jede Sportart. Hebamme Friese-Berg empfiehlt sanfte Bewegungen wie Yoga, Gymnastik, Walken oder Tanzen, am besten mehrmals pro Woche. "Dabei bringen die Frauen ihren Körper ins Gleichgewicht und bauen Stress ab", sagt sie. Intensive Bewegungen wie Springen sollten werdende Mütter meiden.

Beckenboden trainieren: "Ab der Frühschwangerschaft ist Beckenbodentraining ein effektives Mittel, um den Beckenboden zu stärken", rät Reisenauer. Wer regelmäßig übt, hat gute Chancen, nach der Geburt nicht unter Inkontinenz zu leiden. Entscheidend für ein erfolgreiches Training ist, dass es professionell angeleitet wird. In Kursen lernt man auch beckenbodenschonendes Verhalten für den Alltag, zum Beispiel den Beckenboden anzuspannen, bevor man etwas Schweres hebt. Friese-Berg: "Auch eine sanfte Sexualität hat eine stärkende Wirkung auf den Beckenboden."

Verstopfung vermeiden: Viele werdende Mütter kennen eine träge Verdauung, verbunden mit Völlegefühl und Blähungen. Verstopfung und Pressen beim Toilettengang sind jedoch Risikofaktoren für eine Inkontinenz. "Wer dazu neigt, sollte darauf achten, viel zu trinken und sich ballaststoffreich zu ernähren", empfiehlt Friese-Berg. Floh- oder Leinsamen regen die Verdauung genauso an wie Bewegung.

Beckenboden-Muskulatur

Nach der Geburt

Bewegen: Ein aktiver Alltag macht nach der Entbindung die Beckenbodenmuskeln fit. Allerdings sollte man langsam starten, anfangs etwa nur kurz spazieren gehen.

Beckenboden trainieren: "Alle Mütter sollten einen Rückbildungskurs mit Beckenbodenübungen machen – auch nach einem Kaiserschnitt", rät Friese Berg. Beginnen kann man sechs bzw. acht Wochen nach der Entbindung. Das Training beugt auch Spätfolgen vor. Tipps für zu Hause gibt es außerdem hier.

Auf das Gewicht achten: Während der Schwangerschaft hat die Gewichtszunahme kaum einen Einfluss auf das Inkontinenzrisiko. Forscher haben jedoch gezeigt, dass Frauen, die sechs Monate nach der Geburt ihr Ausgangsgewicht wiedererlangt hatten, deutlich seltener an Beckenbodenproblemen litten.


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