Beschwerden in der Schwangerschaft: Das hilft

Die Vorfreude auf das Baby ist riesig – allerdings bringen die neun Monate bis zur Geburt manchmal auch Probleme mit sich. Tipps gegen häufige Schwangerschaftsbeschwerden
von Tanja Pöpperl, aktualisiert am 30.01.2017

Schwangere leiden oft unter Müdigkeit

Jupiter Images GmbH/French Photographers

Neun Monate ungetrübte Vorfreude aufs Baby – das wäre schön. Doch bei den meisten Schwangeren zwickt es mal hier und mal dort. Das tut jetzt gut:

Übelkeit

Kaffeearoma oder der Duft des Lieblingsparfüms verursacht plötzlich Brechreiz? Etwa 50 bis 75 Prozent aller werdenden Mütter sind von Übelkeit betroffen, die leider nicht nur morgens auftreten kann. "Man geht davon aus, dass diese Übelkeit entsteht, weil sich das Immunsystem der Mutter mit dem des Kindes auseinandersetzt", erklärt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauen­ärzte. Meistens verschwinden die Beschwerden zwischen der 14. und 20. Schwangerschafts­woche von alleine.

"Bis dahin hilft es, regel­mäßig ­kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen und gleich nach dem Aufwachen etwas Leichtes zu sich zu nehmen, etwa Zwieback oder Knäckebrot", sagt Dr. Isabel Justus, Fachapothekerin für öffentliches Gesundheitswesen von der Apothekerkammer Bremen. Kamillentee und Ingwerwasser können den Magen beruhigen. Fettes Essen, scharfe Ge­würze und säurehaltige Speisen sollte man besser meiden. Bei starken Beschwerden kann der Arzt Mittel gegen Übelkeit verordnen, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat oder Doxylamin. Treten häufiges Erbrechen oder Gewichtsverlust auf, muss dies unbedingt ärztlich abgeklärt werden!

Heißhunger

Der veränderte Hormonhaushalt beeinflusst die Geruchs- und Geschmackswahrnehmung. So ent­wickeln Schwangere häufig Lust auf extreme Aromen, etwa sehr salzig, sauer oder süß. Sahnetorte mit Salzbrezeln? Lecker! Möglicherweise signalisiert der Körper durch plötzliche Gelüste auch Bedarf an bestimmten Nährstoffen.

Was also tun? Am besten dem Appetit nachgeben, aber dabei darauf achten, dass der Zucker- und Fett­anteil in der Nahrung nicht zu hoch ist. Bei einer vollwertigen, ausgewogenen Ernährung lassen die Heißhunger­anfälle im Lauf der Schwangerschaft nach. Probieren Sie bei Süßlust eine Handvoll Rosinen statt Torte, ersetzen Sie die herzhafte Bulette durch Selleriesticks. So nehmen Sie nicht unnötig viel zu.

Müdigkeit

Gerade am Anfang der Schwangerschaft schleppen sich viele werdende ­Mütter mit schweren Lidern durch den Tag. Das abgeschlagene Gefühl hat mit der veränderten Stoffwechselsituation und oft auch mit niedrigem Blutdruck zu tun. Versuchen Sie es erst einmal mit Schlafen, und zwar so viel und so oft wie möglich. Außerdem viel ­­frische Luft tanken und sich bewegen. Wenn Ihr Kreislauf das mitmacht, starten Sie mit heiß-kalten Wechselduschen in den Tag. Jeweils 30 Sekunden abwechselnd mit warmem und kaltem Wasser abbrausen. Immer mit kaltem Wasser aufhören.

Sollte die Mattigkeit nicht nachlassen, gehen Sie zum Frauenarzt. Der Gynäkologe überprüft den Blutdruck, führt bei Bedarf weitere Untersuchungen durch, berät oder behandelt Sie entsprechend.

Dr. Christian Albring ist Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte in München

Andreas Schoelzel

Sodbrennen

Besonders von Mitte bis Ende der Schwangerschaft plagt viele Frauen nach dem Essen ein brennender Schmerz hinter dem Brustbein, der manchmal bis in den Rachen zieht. "Die Ursache für das Aufsteigen von Magensäure in die Speiseröhre ist ein hormonell bedingt verringerter Muskeltonus, der Magen schließt nicht mehr vollständig", erklärt Isabel Justus.

Zusätzlich drückt das wachsende Kind auf die inneren Organe, was ebenfalls zu Sodbrennen führen kann. Mediziner Albring rät dann zu kleineren Portionen und zum Verzicht auf schwer verdauliche, übermäßig süße, fettige und saure Lebensmittel. Ersetzen Sie auch Sprudel durch stilles Wasser. Und: Mit leicht erhöhtem Oberkörper zu schlafen kann die Beschwerden deutlich lindern. Rezeptfreie Medikamente, die die Magensäure binden oder verringern, bringen zwar kurzfristig Erleich­terung, sollten aber keine Dauerlösung sein. Sprechen Sie vorher mit Ihrem Arzt.

Dr. Isabel Justus ist Fachapothekerin für öffentliches Gesundheitswesen und Geschäftsführerin der Apothekerkammer Bremen

W&B/Privat

Rückenschmerzen

Ein Ziehen im Kreuz oder Ischias­beschwerden bis hin zum Hexenschuss sind keine Seltenheit während der Schwangerschaft. "Das Bindegewebe wird lockerer, und die gesamte Statik des Rumpfes verändert sich", erklärt Gynäkologe Albring. "Mit gezielter Schwangerschaftsgymnastik und stärkenden Muskelübungen kann man gut gegensteuern. Daher sollten Frauen sich frühzeitig bei solchen Kursen anmelden." Bei anhaltenden Rücken­schmerzen bitte unbedingt zum Gynäkologen gehen!

­Akute Schmerzen lindern oft Wärme­kissen mit Kirschkernfüllung oder ein angenehmes Bad. Von Wärmesalben und -pflastern mit Inhaltsstoffen wie Capsaicin rät Apothekerin Justus ab, da über die Wirkung während der Schwangerschaft ­keine Studien vorliegen. "Regelmä­ßige Bewegung, etwa Spazierengehen oder Schwimmen, beugt am besten vor", so die Expertin.

Verstopfung

Dass die Verdauung bei vielen Schwangeren auf Sparflamme läuft, hat gleich mehrere Gründe. Zum einen verlangsamt sich die Darmbewegung durch den veränderten Hormonhaushalt, zum anderen engt die wachsende Gebär­­mutter gerade in den letzten Wochen den Verdauungstrakt immer weiter ein. Präparate gegen Eisenmangel wirken ebenfalls hemmend auf die Verdauung und können das Problem verstärken. Auch hier gilt: "Bewegen Sie sich regel­­mäßig. ­Dazu ballaststoffreich essen und über den Tag verteilt zwei Liter Wasser trinken", rät Isabel Justus.

"Hausmittel wie Lein- oder Flohsamen und Backpflaumen wirken oft zuverlässig." Manchmal bringt auch Lactulose Besserung. Vorsicht geboten ist bei pflanzlichen Mitteln mit Aloe-Extrakten oder Sennesblättern – wegen einer möglichen toxischen Wirkung auf den Fötus wird davon abgeraten. "Generell können Abführmittel vorzeitige Wehen aus­lösen, Schwan­gere sollten darauf verzichten", warnt der Gynäkologe.

Schlafprobleme

Es ist paradox: Während viele Schwangere sich tagsüber schlapp und müde fühlen, kommen sie nachts dennoch nicht zur ­Ruhe. "Schlaflosigkeit ist sehr verbrei­tet, vor allem in den letzten Wochen vor der Geburt", weiß Isabel Justus. "Möglicherweise bereiten sich Körper und Seele dabei schon auf die erste Zeit mit dem Säugling vor, in der man ebenfalls mit wenig Schlaf auskommen muss."

Christian Albring empfiehlt dann, unterschiedliche Strategien auszu­­probieren. Vielleicht hilft ein Mittagsschlaf, um zwischendurch Energie zu tanken. Oder ein früheres Abendessen, das entlas­tet den Magen-Darm-Trakt nachts. "Manche Frauen kommen durch einen ausgiebigen Abendspaziergang bes­ser zur Ruhe. Entspannungsübun­gen vor dem Einschlafen ­können helfen, wenn man durch Grübe­leien und Sorgen wach liegt", so der Mediziner. Auch können scheinbar kleine Veränderungen für besseren Schlaf sorgen, zum Beispiel ein kühleres, dunkleres Zimmer, ein anderes Kissen oder eine veränderte Schlafposition.

Stimmungsschwankungen

In kaum einer anderen Lebens­situation fahren die Emotionen so sehr Achterbahn wie während einer Schwangerschaft. Da wechseln sich Vorfreude, Traurigkeit, Angst, Gelassenheit und Überforderung manchmal täglich ab. "Dabei spielen hormonelle Umstellungen eine Rolle. Aber auch das Bewusstsein, dass nach der Geburt tatsächlich einschneidende Veränderungen anstehen, etwa auf beruflicher Ebene oder in der Partnerschaft", erklärt der Frauenarzt. In gewisser Weise gehört das Auf und Ab der Laune also dazu, weil man sich mit kommenden Herausforderungen intensiv auseinandersetzt. ­

Halten ausgeprägte Ängste oder ­eine depressive Verstimmung aber an, soll­ten Sie das mit dem Arzt besprechen. "Es gibt Präparate, die auch in der Schwangerschaft genommen werden können", sagt die Apothekerin. Aber: "In Eigenregie ­keine stimmungsaufhellenden oder beruhigenden Mittel wie Johannis­kraut und Baldrian einnehmen. Klären Sie das immer ärztlich ab."

Wassereinlagerungen

Schwere Beine, geschwollene Füße und Knöchel – lästig, aber auch recht typisch fürs letzte Schwangerschaftsdrittel, weil sich mehr Flüssig­keit im Gewebe ablagert. Apothekerin Justus empfiehlt dann häufiges Beinehochlegen. Im Sitzen hilft die Venenpumpe, eine Übung, die die Durchblutung in den Beinen anregt. Dazu mehrmals täglich im Sitzen beide Füße aufstellen, abwechselnd die Fersen in den Boden drücken und gleichzeitig die Zehen hochziehen. Danach Zehenspitzen in den Boden drücken und Fersen anheben. Das entlastet die Beine.

Entwickelt sich in der Schwanger­schaft ein Venen­leiden, kann der Arzt Kompres­sions­strümpfe verordnen, die in der Apotheke morgens angepasst werden. Keines­falls sollten Schwan­gere mit Wassereinlagerungen weniger trinken, entwässernde Mittel einnehmen oder Salz weglassen. Der Gynäkologe warnt: "Verstärkt sich das Problem und treten Schwellungen etwa auch im Gesicht auf, muss der Frauenarzt direkt überprüfen, ob alles in Ordnung ist."

Wadenkrämpfe

In der Regel sind Wadenkrämpfe harmlos und womöglich durch einen Magnesiummangel bedingt. Er kann auftreten, weil der Bedarf an Magnesium in der Schwangerschaft erhöht ist. Die Krämpfe können aber auch andere Ursachen haben. Daher ärztlich abklären lassen!

Falls der Arzt einen Magnesiummangel feststellt, kann er ein entsprechendes Präparat verordnen. Lassen Sie sich zur Einnahme auch in der Apotheke beraten. Wenn Sie in der Nacht von dem stechenden Schmerz in der Wade aufschrecken: aufstehen, ein paar ­Schritte ­gehen und die Wadenmuskeln dehnen. Tragen Sie flache, bequeme Schuhe und dehnen Sie die Fuß- und Wadenmuskeln auch tagsüber regelmäßig. Tipp: Gönnen Sie sich am Abend ein zehnminütiges warmes Fußbad ­­(etwa 38 Grad) mit einem Tropfen Lavendelöl zur Entspannung.


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