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Baby-Ultraschall: Das müssen Sie wissen

Baby-Kino ist seit Anfang 2021 verboten. Manche Paare leihen sich daher Ultraschallgeräte für den Heimgebrauch. Unproblematisch ist das nicht

von Nele Langosch, 07.07.2021

Den Herzschlag des ungeborenen Babys zu hören, seine kleinen Hände und Füße zu sehen: Das sind unvergessliche Momente in der Schwangerschaft. Viele Eltern fiebern den Ultraschalluntersuchungen entgegen. Drei solcher Termine sind in den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehen, einer in jedem Trimester.
Bis Dezember vergangenen Jahres konnten Eltern zusätzliche Untersuchungen vereinbaren, um das ungeborene Kind noch intensiver zu beobachten als bei der normalen Vorsorge, zum Beispiel in 3-D oder 4-D – entweder als IGe-Leistung in der ärztlichen Praxis oder in kommer­ziellen Baby-TV-Studios.

Strahlenschutzverordnung: Sicherheit für den Fötus

Seit 2021 ist Baby-Kino nun verboten. Grund ist eine neue Strahlenschutzverordnung. Sie lässt Ultraschall am Fötus nur noch zur Schwangerschaftsvorsorge und bei anderen medizi­nischen Fragestellungen zu. Mit dem Verbot soll das Baby vor unnötigen Einwirkungen und der nicht fachgerechten Anwendung zu gewerb­lichen Zwecken geschützt werden. Beim Fötus handele es sich um einen schutzbefohlenen Dritten, der keinen Nutzen aus der Anwendung ziehe, begründet das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit unter anderem die neue Regelung zum Baby-Kino.

Neuere wissenschaftliche Studien, wie sich unterschiedliche Ultraschallintensitäten auf den Fötus auswirken, lägen nicht vor. Aus ethischen Gründen sei eine solche Forschung nicht möglich. Man könne nur Rückschlüsse aus anderen Studien, etwa zur Wirkung von Ultraschall auf Organe, ziehen. Da sich so ein Risiko für den Fötus nicht ausschließen lasse, sei aus Vorsorgegründen ein Verbot ausgesprochen worden. Auch würden beim Baby-­Kino die Grundsätze zur Dauer der Untersuchung häufig nicht berücksichtigt.

Verlockend mag da die Vorstellung sein, das Ganze einfach selbst in die Hand zu nehmen. Schon seit einigen Jahren können werdende ­Eltern mobile Ultraschallgeräte aus dem Ausland für den Heimgebrauch ausleihen – gegen eine Leihgebühr und für einen bestimmten Mietzeitraum. Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit fallen solche Geräte definitionsgemäß nicht unter die Strahlenschutzverordnung. Aber sind die Geräte unbedenklich?

Baby-Kino: Ist der Ultraschall gefährlich oder harmlos?

Das Problem sei nicht unbedingt der Ultraschall an sich, erklärt Gynäkologe und Pränatalmediziner Dr. Kai-Sven Heling. "Kaum eine Methode in der Medizin wurde so gut untersucht", sagt der Berliner Arzt, der sich in der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin mit der Strahlenschutzverordnung befasst hat. "Und das Ergebnis der vielen internationalen Studien ist eindeutig: Ultraschall ist völlig harmlos." Voraussetzung sei aber, das Ultraschallgerät richtig zu beherrschen und anzuwenden.

Ärzte und Ärztinnen müssen dafür ­viele Fortbildungen machen. Denn Ultraschall führt zu einer minimalen Erwärmung des beschallten Gewebes und könnte es schädigen. "Praktisch besteht dieses Risiko bei Ultraschall, wie er in der Medizin angewendet wird, jedoch nicht, da wir weit unter den Grenzwerten für die Erwärmung bleiben", sagt Heling.

Von dem privaten Gebrauch mobiler Ultraschallgeräte hält er dennoch nichts. Er bezweifelt, dass beim Heim-Ultraschall überhaupt schöne Bilder entstehen, denn das erfordere Übung und Fachwissen. "Mütter und Väter können selbst auf guten Ultraschallaufnahmen oft nicht richtig erkennen, was darauf zu sehen ist", sagt der Mediziner. Auch von Herzfrequenzmessern oder Doptonen für den Heimgebrauch rät Heling ab.

Selbst Fachleute hätten manchmal Schwierigkeiten, die Herztöne des ungeborenen Kindes zu finden, sagt er. "Wenn Eltern keinen Herzschlag bei ihrem Baby hören oder ihn mit den mütterlichen Herztönen verwechseln, kann das extrem beunruhigen."

Ängste könnten bei den Eltern verstärkt werden

Ähnlich sieht es die Hebamme und Diplom-Psychologin Dagmar Weimer aus Kleinostheim. Sie berät vor allem bei seelischen Problemen rund um Schwangerschaft und Geburt. "Viele denken, dass es nur Vorteile bringt, das Baby in Ruhe im Ultraschall anzuschauen", sagt sie. "Aber wenn das Kind irgendwie komisch aussieht, weil die Auflösung der Bilder schlecht ist oder die Lage im Bauch ungünstig, können Ängste verstärkt werden oder überhaupt erst entstehen."

Ihrer Erfahrung nach wünschen sich vor ­allem Frauen nach einer Fehl- oder Totgeburt maxi­male Kontrolle über das, was in ihrem Bauch vor sich geht. Ein Ultraschall für den Heimgebrauch oder Herzfrequenzmesser können vielleicht für den Moment beruhigen, wenn das Herzchen sichtbar oder hörbar wird. "Sie können aber keinen Schicksalsschlag wie ­eine Fehl- oder Tot­geburt verhindern", betont Weimer.

Statt das Risiko einzugehen, sich durch selbst durchgeführte Ultraschalluntersuchungen oder Herzfrequenzkontrollen verunsichern zu lassen, rät sie Schwangeren, bei Ängsten mit der Hebamme oder Gynäkologin zu sprechen. Auch eine Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen kann helfen. "Ein Gespräch wirkt meist bereits beruhigend. Gemeinsam lassen sich dann Strategien entwickeln, um die Angst vor ­einer Fehl- oder Totgeburt besser zu bewältigen", sagt Weimer.

Ab der 18. Schwan­ger­schafts­woche merken manche Frauen an den Kindsbewegungen, dass das Baby lebt. Für viele beginnt dann eine entspanntere Zeit. Als Hebamme wünscht sich Weimer eines: "Dass Frauen die Schwangerschaft als Zeit der guten Hoffnung voller Vorfreude geschehen lassen, statt alles kontrollieren zu wollen."


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