4D-Ultraschall: Nützlich oder nur Vergnügen?

Dreidimensionale Ultraschallbilder vom Ungeborenen sind sehr beliebt bei werdenden Eltern. Doch nutzt das Babywatching auch medizinisch?

von Nadja Katzenberger, aktualisiert am 08.05.2018

Für 3D-Bilder ihres Ungeborenen nehmen viele Eltern einige Kosten in Kauf


Die ersten Aufnahmen ihres Sohnes feierten Susanne und Michael W. aus Nürnberg bei Kaffee und Kuchen mit seinen Großeltern. Neben der Kaffeekanne stand der Laptop, auf dem Jakob – damals ein Fötus in der 23. Schwangerschaftswoche – in Sepia­farben am Daumen nuckelte, mit der Nabelschnur spielte und seiner begeisterten Familie schließlich den Rücken zudrehte. Vor allem die Omas waren baff. "Das gab es ja früher alles nicht", erinnerte sich Su­sannes Mutter an ihre Schwangerschaften. Vor mehr als 30 Jahren waren Ultraschall-Untersuchungen noch nicht die Regel.

Die Nachfrage nach 3-D-Ultraschall steigt

Heute sind drei Sonografien, so der Fachbegriff, während der Schwangerschaft vorgesehen, die Kosten übernehmen die Krankenkassen – bei Risikoschwangerschaften auch häufiger. In der Realität sind die Zahlen allerdings höher, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung bereits im Jahr 2015 ergab: Demnach wurden 84 Prozent der Schwangeren mindes­tens viermal geschallt, im Ex­tremfall sogar 29 Mal.

Die meisten werdenden Eltern begrüßen diese Überversorgung: Ein gutes Drittel der Frauen nahm auf eigenen Wunsch mehr als die drei vorgesehenen Ultraschalluntersuchungen wahr. Auch Susanne W. ließ während ihrer ersten Schwanger­schaft keinen Blick in den Bauch aus, buchte sogar eine Flatrate bei ihrer Frauen­ärztin. Für einmalig 150 Euro bekam sie regelmäßig 3-D-Bilder des kleinen Jakob und eine DVD mit 4-D-Aufnahmen, einem kurzen Film.

Mehr Trend als medizinischer Nutzen

"Dieses Babywatching passt zum generellen Trend in unserer Gesellschaft – alles soll überwacht werden", sagt Ulrike Ehlert, Professorin für Klinische Psychologie und Psycho­therapie an der Universität Zürich. Viele Paare, die ein Kind erwarten, wollten eine bestmögliche Begleitung – ganz besonders zeige sich diese Entwicklung beim ersten – und oft einzigen – Kind, so Ehlert. Mit der normalen Untersuchung, bei der die Babys in "2-D" (also zwei Dimensionen) dargestellt werden, geben sie sich nicht zufrieden.

Rein medizinisch ist diese laut Professor Franz Kainer, Chef­arzt der Abteilung für Geburtshilfe und Pränatalmedizin der Klinik Hallerwiese in Nürnberg, völlig ausreichend. "Die 3-D-Sonografie hat im Normalfall keinen Zusatznutzen, höchstens bei schweren Fehlbildungen oder Auffälligkeiten.

Das kostet ein 3-D-Ultraschall

"Viel wichtiger ist die drei­dimensionale Darstellung für die werdenden Eltern, die Bilder vom Nachwuchs wirken schon echter als die körnigen 2-D-Ultraschallbilder. Daran verdienen auch nichtmedizinische Anbieter: So kosten 30 Minuten 3-D- oder 4-D-Ultra­schall mit Bildern fürs Fotoalbum circa 95 Euro. Von 4-D spricht man, wenn zur drei­dimen­sionalen Darstellung die Dimension Zeit dazukommt – das Ergebnis ist ein Film aus Mamas Bauch.

Vor- und Nachteile der Untersuchung

Franz Kainer sieht die Vor- und Nachteile dieser Aufnahmen: "Ge­rade wenn die Schwangere das Kind noch nicht spürt oder es in der Frühschwangerschaft Komplikationen gab, beruhigt ein zusätzlicher Ultraschall und stärkt im weiteren Verlauf die Bindung." Die medizinische Unter­suchung habe jedoch im Vordergrund zu stehen: Ist das Baby gut versorgt? Wo liegt die Plazenta? Sind die Organe in Ordnung? "Wenn sich ein schönes Bild ergibt, drucke ich das gerne aus", sagt Kainer.

Während es sich bei den drei gesetzlichen Untersuchungen um medizinische Vorsorgen handelt, geht es bei kommerziellen Anbietern allein um schöne Erinnerungsbilder. Bis das Kleine sich fotogen in Richtung Ultraschallkopf dreht, kann einiges an Zeit ­vergehen. Deshalb planen diese ­Studios oft 30 Minuten oder länger für eine Sitzung ein. "Die Aufnahmen sind dennoch häufig oberflächlich, haben keine medizinische Aussagekraft und können einen Besuch beim Frauenarzt nicht ersetzen", sagt Kainer

Das raten Experten

Ob sie drei oder 13 Mal geschallt werden, ist den Babys im Mutterleib übrigens egal, laut Kainer. Sie bekommen davon meist nichts mit. Sie spüren höchstens einen sanften Druck. Nur in der Frühschwangerschaft vor der zehnten Woche raten Gynäko­logen von intensiven Durchblutungsmessungen (Farb-Doppler) ab.

Psychologin Ehlert plädiert dennoch dafür, es mit den Ultraschall-­Sitzungen nicht zu übertreiben, da sie keinen Mehrwert bieten und auch keine Garantie dafür sind, dass alles gut geht. "Gynäkologen sollten die Frauen darüber aufklären, wie wenig sinnvoll solche Termine sind, und sich selbst auf notwendige Unter­suchungen be­schränken." Franz Kainer betont: "Zu jedem Ultraschall muss ein Arztgespräch gehören."

Sein Rat: Statt in eine Ultraschall-Flat­rate sollten werdende Eltern das Geld lieber später in schöne Fotos investieren. Ist das Baby auf der Welt, gibt es dafür genug Gelegenheiten.


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