Wie viel Schlaf brauchen Kinder?

Schlafprobleme betreffen viele Kinder. Eine Expertin erklärt, ab wann sie wirklich zu wenig schlafen – und was dann hilft

von Daniela Frank, aktualisiert am 29.06.2016
Schlafendes Kind

Das Kind schläft friedlich: Oft passiert das zu spät oder zu kurz


Am späten Nachmittag gab es schon Gequengel und Tränen. Da war aber erst noch Einkaufen dran, dann das gemeinsame Abendessen und ein Kitzelmarathon mit Papa. Eigentlich wäre danach direkt Schlafenszeit gewesen, aber wie immer folgte eine längere Diskussion – noch Durst, nochmal auf die Toilette –, bis das Kind endlich eingeschlafen ist. Da ist es schon 22 Uhr. Und es ist klar: Morgen wird es genauso ablaufen. Ein Teufelskreis, bei dem das Kind dauerhaft zu wenig schläft. Wie schlimm ist das? Und wie kommen Eltern da wieder raus?

Neugeborene schlafen noch viel und oft

Die amerikanische National Sleep Foundation hat zusammengefasst, wie viel Schlaf Babys und Kinder normalerweise brauchen. Die Empfehlungen lassen sich laut Professorin Angelika Schlarb, Co-Sprecherin der Arbeitsgruppe Pädiatrie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, auf Deutschland übertragen. "Babys bis drei Monate schlafen durchschnittlich 14 bis 17 Stunden über den Tag verteilt", sagt die Expertin, die auch an der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft der Universität Bielefeld tätig ist. Meist haben sie fünf oder sechs Schlafphasen. Bei Neugeborenen sind diese anfangs noch etwa gleich lang, doch schon nach einigen Tagen beginnen sie, nachts länger zu schlafen als tagsüber.

Mit einem Jahr schlafen die meisten Kinder durch

Ab etwa vier Monaten schlafen Babys rund 12 bis 15 Stunden pro Tag. Nach und nach schlafen sie nachts immer länger, tagsüber brauchen sie meist zwei Nickerchen. Einige haben schon eine nächtliche Schlafphase von etwa sechs Stunden – ab dann spricht man von Durchschlafen. Mit etwa einem Jahr gelingt das dann den meisten Kindern.

Im zweiten und dritten Lebensjahr brauchen Kinder im Schnitt 11 bis 14 Stunden Schlaf pro Tag. Zunächst haben sie untertags meist noch zwei Schlafphasen, später nur eine. "Diese findet in der Regel nachmittags statt", sagt Schlarb. Ab vier oder fünf Jahren brauchen viele keinen Mittagsschlaf mehr.

Übersicht von dem Schlafbedürfnis von Kindern

Schlafrhythmus immer wieder anpassen

Schläft das Kind entsprechend der Empfehlungen, sollten die Eltern lediglich darauf achten, den Schlafrhythmus bei Bedarf immer wieder etwas anzupassen. "Ist das Kind abends nicht mehr so müde, können die Eltern nach und nach den Mittagsschlaf verkürzen, und irgendwann ganz weglassen", so Schlarb. Manchmal ist das allerdings nicht so einfach.

"Ein Problem ist heute oft, dass in der Kita alle Kinder gleichzeitig schlafen sollen." Viele Kinder schlafen dann in der Betreuungseinrichtung, obwohl sie es zu Hause nicht mehr brauchen. Wenn sie nach dem Kita-Schlaf abends nicht müde sind und der Nachtschlaf zu kurz ausfällt, können Eltern mit den Erzieherinnen reden. "Bisweilen reicht der Betreuungsschlüssel für individuelle Lösungen nicht aus", sagt Schlarb. "Aber das Gespräch zu suchen, hilft in jedem Fall."

Nicht jedes Kind braucht gleich viel Schlaf

Denn auch gleichaltrige Kinder können unterschiedlich viel Schlaf benötigen. "Das wird sowohl von einer genetischen Komponente als auch von gelerntem Verhalten bestimmt", sagt Schlarb. "Deshalb beträgt die Spanne beim Schlafbedarf jeweils einige Stunden. Innerhalb davon gilt die Schlafmenge als normal." Neben Menschen mit unterschiedlichem Schlafbedürfnis gibt es auch Eulen und Lerchen, also Langschläfer und Frühaufsteher. Wer gegen den inneren Rhythmus aufsteht und zu Bett geht, kann Schlafprobleme bekommen. "Sind Kinder morgens schon nach dem Aufstehen unausgeglichen und quengelig, können Eltern die Zubettgehzeit Schritt für Schritt etwas vorverlegen und den Rhythmus so etwas verschieben", empfiehlt Schlarb.

Drei typische Schlafprobleme

1. Das Kind wacht nachts auf

Ja nach Alter treten unterschiedliche Schlafschwierigkeiten auf. "Bei Kindern bis vier Jahre sind Durchschlafprobleme am häufigsten", sagt Schlarb. Bekommen Kinder zu wenig Schlaf, sind sie oft unausgeglichen, haben Wutanfälle oder quengeln viel. "Das kann sich bis zum Alter von zehn Jahren so äußern."

Durchschlafprobleme können verschiedene Ursachen haben. Eltern sollten daher genau hinsehen: Ist das Kind eher ängstlich und angespannt? "Dann hat es wahrscheinlich nicht genügend Selbstberuhigungskompetenz", sagt Schlarb. Betroffene Kinder brauchen beim Einschlafen noch die Hilfe der Eltern: Diese setzen sich zum Beispiel neben das Bett, halten die Hand des Kleinen oder legen sich sogar zu ihm. "So lernt das Kind aber nicht, selbst einzuschlafen", sagt Schlarb. "Es braucht diese Unterstützung dann meistens auch, wenn es nachts kurz aufwacht." Die Eltern sollten versuchen, das Kind nach und nach daran zu gewöhnen, alleine einzuschlafen. "Schaffen sie das nicht, können sie in Trainingsprogrammen Techniken erlernen, wie sich das Kind selbst beruhigen kann", empfiehlt Schlarb.

2. Das Kind testet Grenzen aus

Ist das Kind nicht ängstlich, kann es sein, dass es über das Einschlafen seine Grenzen austesten will. "Es will dann abends im Bett plötzlich noch etwas trinken, essen oder nochmal aufstehen, obwohl es eigentlich satt und zufrieden sein dürfte", sagt Schlarb. "Das nennt man Schlafschwierigkeiten im Rahmen von elterlichen Grenzsetzungen." In diesem Fall können die Eltern ihrem Nachwuchs freundlich, aber bestimmt aufzeigen, wann Essens- und wann Schlafenszeit ist. Untertags sollten sich Kinder zudem ausreichend bewegen und abends am besten mithilfe eines ruhigen Gute-Nacht-Rituals auf das Schlafengehen eingestimmt werden.

3. Das Kind grübelt abends

Auch im Grundschulalter können diese Ablenkungsmanöver noch auftreten. Allerdings haben Kinder dann auch aus anderen Gründen immer öfter Einschlafprobleme. "Sobald sich Kinder über Dinge Sorgen machen können, schlafen sie häufig schlechter ein", sagt Schlarb. "Zum Beispiel, wenn sie mit ihrer Freundin gestritten haben und sie das abends noch beschäftigt." Auch, wenn sie vor etwas Angst haben – zum Beispiel, wenn der Papa am Morgen wegfährt oder der erste Schultag bevorsteht –, könne sich das aufs Einschlafen auswirken. Eltern sollten dem Kind daher am besten schon während des Tages Gesprächsmöglichkeiten bieten. "Bei vielen kommt die Frage ,Was ist heute alles passiert?’ erst abends im Bett", sagt Schlarb. "Es ist aber nicht gut, wenn die Sorgen mit dem Schlafengehen gekoppelt sind."

Dauerhafter Schlafmangel kann riskant sein

Schläft ein Kind dauerhaft zu wenig, ist das ein Risikofaktor für Krankheiten. Zum Beispiel treten häufiger Infekte auf, weil das Immunsystem geschwächt ist. "Im Extremfall beeinflusst Schlafmangel die Entwicklung: Sie kann sich sowohl in emotionaler Hinsicht, als auch in körperlicher oder psychischer verzögern", sagt Schlarb. "Solche Kinder wachsen und gedeihen zum Beispiel manchmal nicht so gut." Aber auch deutlich zu viel Schlaf ist mit einem höheren Risiko für körperliche und psychische Krankheiten verbunden. "Solche Hypersomnien sind aber selten", sagt Schlarb. Schlechter Schlaf geht nicht nur mit einem höheren Krankheitsrisiko einher, sondern kann auch Zeichen einer Erkrankung sein. Schläft das Kind daher deutlich weniger – oder auch mehr – als empfohlen, sollten Eltern mit ihm zum Arzt.


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