Wie lange brauchen Kinder einen Mittagsschlaf?

Viele Kinder schlafen mittags. Ist das Nickerchen zu lang, wollen sie aber abends nicht ins Bett. Wie viel Schlaf ist richtig?

von Stephanie Arndt, aktualisiert am 18.07.2018
Mittagsschlaf

Abends gar nicht müde? Vielleicht war der Mittagsschlaf fürs Kind zu lang


Rollo runter, Tür zu – ge­schafft, das Baby schläft. Wie sehr schätzen wir Eltern diese kleine Verschnaufspause am frühen Nachmittag. Doch kaum haben wir Großen uns an die Mittagsruhe der Kleinen gewöhnt, streiken sie auf einmal. Die einen früher, die anderen später.

Fünf typische Szenen, die viele Eltern kennen, ordnen die Entwicklungs­psycho­login Prof. Dr. Sabina Pauen vom Psycholo­gischen Institut der Universität Heidel­berg und der Schlafmediziner Dr. Michael Feld aus Köln ein.

Meine Tochter (5 Monate) wacht nachts ständig auf. Meine Mutter meint, sie schläft tagsüber zu lange. Soll ich sie tagsüber wach halten?

"Eher nicht", sagt Sabina Pauen. Neugeborene und Säuglinge verschlafen zwischen 16 und 20 Stunden des Tages. 50 Prozent davon im Tiefschlaf. "Diese Phase ist entscheidend für Kinder, um Eindrücke zu verarbeiten und Erlerntes zu verfestigen", erklärt die Entwicklungspsychologin Pauen. Die kurzen Schlaf­episoden sind die logische Konsequenz auf das schnelle Wachstum des Babys: "Der Körper will expandieren, braucht also häufig Nahrung. Da der Magen noch sehr klein ist, kann er nur geringe Mengen aufnehmen. Daher wachen Babys häufig hungrig auf und brauchen auch tagsüber noch viel Schlaf."

Ich hole meinen Sohn (1 ½) um 13 Uhr aus der Krippe ab. Im Auto schläft er sofort ein und ist nach der kurzen Fahrt putzmunter. Dafür ist er später total weinerlich.

Schlaf ist eine echte Mimose. Ein bisschen zu viel Licht oder Lautstärke und schon geht nichts mehr. Michael Feld plädiert dafür, dem mittäglichen Nickerchen eine große Wichtigkeit einzuräumen. "Dafür brauchen die meisten Kinder aber eine passende Atmosphäre, also eine gemütliche Umgebung und Zeit, um sich fallen lassen zu können." Eine Lösung könnte sein, das Kind nach dem Mittagsschlaf – ausgeschlafen – abzuholen.

Mein Kleiner ist erst zweieinhalb und streikt jeden Tag, wenn er mittags schlafen soll! Dabei braucht er doch eine Pause – und ich auch …

Das Schlafbedürfnis von Kindern verändert sich stark und schnell. Schon im Vorschulalter haben die meisten Kids den Schlafmodus eines Erwachsenen. "Schlaf ist irgendwann kein Muss mehr und sollte nicht erzwungen werden. Sonst verbinden Kinder damit etwas Negatives", erklärt Pauen. Eine Alternative könnte eine feste Ruhe-Stunde sein, in der Sie mit Ihrem Kind kuscheln, eine Geschichte vorlesen oder gemeinsam Musik hören. Häufig dösen die Kleinen dabei ein: "Oft merken Kinder im Alltagstrubel nämlich gar nicht, wann sie müde sind. Ein fester Rhythmus hilft ihnen, das zu erkennen und die eigenen Bedürfnisse besser zu identifizieren", so die Expertin.

Wir suchen gerade nach einem Kinder­garten für unsere Kleine (3). Einer, der uns gefällt, hat für die Kinder keinen Schlafraum mehr. Die Leiterin sagte, das sei in dem Alter nicht mehr nötig. Ich habe trotzdem kein gutes Gefühl.

"Und das Gefühl stimmt!", sagt Schlafmediziner Feld. "Schlaf ist heute so unpopulär wie nie zuvor. Dabei brauchen Kinder, auch jenseits des dritten Lebensjahres, zumindest die Möglichkeit, sich zurückziehen zu können." Denn zwischen 13 und 15 Uhr fallen alle Menschen, egal ob groß oder klein, in ein Mittagstief. "Dann sinkt die Körpertemperatur um 0,5 Grad, und wir werden automatisch müde." Ein kleines Schläfchen sorgt sowohl für Erholung als auch für neue Energie für den Nachmittag.

Ein halbes Stündchen! Mehr schlummert mein Zweijähriger mittags nicht. Ist das nicht viel zu wenig für unseren Jüngsten?

"Nein", beruhigt Sabina Pauen. "Es gibt genetisch Viel- und Wenig­schläfer. Mit großer Wahrscheinlichkeit schläft das Kind dafür nachts sehr lange. Dann reduziert sich automatisch die Schlafzeit am Tag." Und wundern Sie sich nicht: Zwischen dem vierten und fünften Lebensjahr legen sich sogar Nickerchen-Gegner gerne mal wieder für ein Stündchen aufs Ohr. Der Grund: "In dieser Zeit blüht die Fantasie der Kinder. Sie lieben Rollenspiele, die sie bis in die Träume verfolgen", sagt Pauen. "Daher sind die Nächte plötzlich wieder unruhiger, und das Bedürfnis nach einem Mittagsschläfchen ist größer."

Unser Kleiner wechselt bald in den Kindergarten. Er will immer seltener mittags schlafen, hängt nachmittags aber durch. Wie können wir ihm diese Übergangszeit erleichtern?

Legen Sie, wenn möglich, vor dem Wechsel eine längere Kita-Pause ein. So können Sie die Ferien nutzen, um das Mittagsschläfchen langsam auszuschleichen. Schlafexperte Michael Feld rät: "Gehen Sie nach dem Essen an die frische Luft, und seien Sie aktiv mit Ihrem Kind. So helfen Sie ihm am besten über den müden Punkt hinweg." Noch ein Tipp von ihm: Vermeiden Sie in dieser Zeit Bananen als Nachtisch oder Snack. Sie enthalten Kalium, das die Muskeln entspannt. Und ihr Tryptophan, eine Aminosäure, hilft bei der Produktion des Schlafhormons Melatonin, macht also schläfrig.


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