Scharlach - was für eine Krankheit ist das?

Scharlach ist eine Infektionskrankheit, deren Auslöser Bakterien (Streptokokken) sind. Zu den Symptomen gehört typischerweise neben einer Entzündung des Rachens und der Mandeln ein charakteristischer Hautausschlag. Welche Behandlung hilft

aktualisiert am 05.09.2018

Unsere Experten erklären, wie Sie die Symptome erkennen und was bei der Antiobiotika-Einnahme zu beachten ist


Scharlach - kurz zusammengefasst

Scharlach ist eine durch Bakterien, sogenannte Streptokokken, hervorgerufenen Erkrankung. Typisch ist ein Hautausschlag, der mit Fieber und einer Entzündung des Rachens und der Mandeln einhergeht. Auch die sogenannte "Himbeerzunge" kann ein Hinweis auf Scharlach sein. Scharlach lässt sich mit Antibiotika behandeln. Komplikationen und Folgeerkrankungen sind insbesondere ohne Antibiotikatherapie möglich. Betroffene dürfen mindestens so lange keine Gemeinschaftseinrichtungen wie Schule oder Hort besuchen, bis die Ansteckungsgefahr gebannt ist. Mit einer Antibiotika-Behandlung ist dies üblicherweise nach 24 Stunden der Fall. Das Kind sollte zudem aber frei von Krankheitszeichen sein, was üblicherweise einige Tage dauert.

Was ist Scharlach?

Scharlach ist eine durch Bakterien hervorgerufene Infektionskrankheit, die vor allem Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren betrifft. Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 1 bis 1,5 Millionen Menschen an den A-Streptokokken (Streptococcus pyogenes). Deren Gifte (Toxine) verursachen die typischen relativ plötzlich auftretenden Symptome. Dazu zählen:

  • der für Scharlach typische Hautausschlag (Exanthem)
  • hohes Fieber
  • starke Halsschmerzen
  • Schluckbeschwerden
  • dunkelroter Rachen
  • "Himbeerzunge"
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • gelegentlich auch Bauchschmerzen und Erbrechen

Es sind nicht immer alle Symptome vorhanden. Eine Impfung existiert nicht, da es zu viele Varianten des Scharlacherregers gibt. Das ist auch der Grund, warum man mehrmals an Scharlach erkranken kann.

Gemäß § 34 des Infektionsschutzgesetzes dürfen sich Personen, die an Scharlach erkrankt sind oder bei denen ein Verdacht auf Scharlach besteht nicht in Gemeinschaftseinrichtungen (zum Beispiel Kindertagesstätte, Kindergarten, Schule, Hort, Kantinen) aufhalten beziehungsweise dort arbeiten. In den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen müssen Ärzte jeden Erkrankungsfall dem Gesundheitsamt melden.

Leiterinnen und Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen haben gemäß § 34 Absatz 6 IfSG das zuständige Gesundheitsamt unverzüglich zu benachrichtigen, wenn in ihrer Einrichtung betreute oder betreuende Personen an Scharlach, Impetigo contagiosa oder sonstigen Streptococcus pyogenes-Infektionen erkrankt oder dessen verdächtig sind. Nach § 34 IfSG dürfen Personen, die an Impetigo contagiosa (ansteckender Borkenflechte), Scharlach oder sonstigen Streptococcus pyogenes-Infektionen erkrankt oder dessen verdächtig sind, in Gemeinschaftseinrichtungen keine Lehr-, Erziehungs-, Pflege-, Aufsichts- oder sonstigen Tätigkeiten ausüben, bei denen sie Kontakt zu den dort Betreuten haben, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit durch sie nicht mehr zu befürchten ist. Entsprechend dürfen auch die in Gemeinschaftseinrichtungen Betreuten mit Streptokokken-Infektionen die Räume der Gemeinschaftseinrichtung nicht betreten und an Veranstaltungen der Gemeinschaftseinrichtung nicht teilnehmen.

Nach Beginn einer Behandlung mit Antibiotika nimmt die Ansteckungsfähigkeit ab und die erkrankten Personen können nach 24 Stunden wieder eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen, wenn sie keine Krankheitszeichen mehr aufweisen. Zum Vergleich: Ohne Therapie sind Erkrankte bis zu drei Wochen lang ansteckend! Das zuständige Gesundheitsamt kann beratend tätig werden und gegebenenfalls zur Verhütung der Weiterverbreitung notwendige Schutzmaßnahmen anordnen.

Wie jede Infektion ist auch Scharlach in der Schwangerschaft ein Grund, sich einem Arzt vorzustellen. Denn es gehört unbedingt fachgerecht behandelt. Üblicherweise hat eine Scharlach-Infektion dann keine direkten Auswirkungen auf das ungeborene Kind.

Hautausschlag bei Scharlach

Ursachen: Wie wird Scharlach übertragen?

Scharlach wird von den kleinen kugeligen Bakterien des Typs Streptococcus pyogenes ausgelöst, die sich zu langen Ketten zusammenlagern und in die menschlichen Schleimhäute eindringen. Die Erreger werden über Tröpfcheninfektion übertragen, also durch Ansprechen, Anhusten oder Anniesen. Eine Ansteckung ist auch über Gegenstände, verseuchtes Wasser oder belastete Lebensmittel möglich.

Zur Gattung der Streptokokkus-Bakterien gehören viele unterschiedliche Typen, die jeweils für verschiedene Krankheitsbilder verantwortlich sind. Nisten sich Streptokokken in der Rachenschleimhaut ein, können sie zum Beispiel eine Rachenentzündung (Pharyngitis) oder Mandelentzündung (Tonsillitis) hervorrufen. Die Erreger können aber auch die Haut, das Unterhautgewebe, die Muskeln oder ihre Hüllen, die Faszien, befallen. Die ansteckende Borkenflechte (Impetigo contagiosa, Pyodermie) ist ebenfalls eine durch Streptokokken verursachte Erkrankung.

Nur wenn das jeweilige Streptokokken-Bakterium ein bestimmtes Gift (Scharlachtoxin) produzieren kann, entsteht Scharlach: Eine Krankheit mit Fieber und dem charakteristischen fleckigen Ausschlag.

Das Immunsystem des Patienten kann sich nur gegen genau das Toxin wappnen, welches schon einmal bei ihm eine Scharlacherkrankung ausgelöst hat. Das heißt, dagegen ist der jeweilige Körper anschließend immun. Andere Streptokokkenstämme mit ihm noch unbekannten Toxinen können jedoch jederzeit wieder eine Scharlachinfektion verursachen.

Wie lange ist Scharlach ansteckend?

Ohne Behandlung sind an Scharlach erkrankte bis zu drei Wochen ansteckend, Personen mit eitrigen Ausscheidungen sogar noch länger. Mit einer Antibiotika-Behandlung ist die Gefahr einer Übertragung üblicherweise 24 Stunden nach Beginn der Therapie gebannt.

Viele Menschen tragen Streptococcus pyogenes ständig in sich, zum Beispiel im Bereich der Nasenschleimhaut, ohne krank zu sein. Sie gelten als die wichtigste Ansteckungsquelle. Experten schätzen, dass in den Wintermonaten jeder Achte ein gesunder Überträger ist.

Himbeerzunge bei Scharlach

Welche Symptome treten bei Scharlach auf?

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, beträgt meist ein bis drei Tage, selten etwas länger.

Scharlach beginnt oft ganz plötzlich. Typisch sind hohes Fieber und Halsweh. Eventuell kommen Husten und Kopfschmerzen hinzu. Der Rachen ist oft dunkelrot und die Gaumenmandeln sowie die Lymphknoten am Hals sind geschwollen. Kinder klagen am ersten Tag auch manchmal über Bauchschmerzen oder müssen sich übergeben.

Die Zunge ist anfangs weißlich belegt. Nach drei bis vier Tagen löst sich der Belag. Die Zunge erscheint dann glänzend rot und die Geschmacksknospen (Papillen) sind geschwollen. Der Anblick erinnert an eine Erdbeere oder Himbeere, daher auch der Ausdruck "Himbeerzunge".

Der Hautausschlag beginnt in den Achsel- und Leistenbeugen sowie an Brust, Hals und Rücken. Von dort breitet er sich über den Stamm vor allem auf die Innenseiten von Armen und Beinen aus. Beim Darüberstreichen fühlt sich der Ausschlag rau (sandpapierartig) an. Die anfangs kleinfleckigen, erhabenen, blassroten Flecken färben sich nach ein bis zwei Tagen scharlachrot und fließen an vielen Stellen zu einem diffusen Ausschlag zusammen. Handinnenflächen und Fußsohlen sind nicht betroffen. Das Dreieck um Mund und Nase bleibt ebenfalls frei und erscheint oft umso heller.

Verschwindet der Ausschlag nach sechs bis neun Tagen wieder, schält sich die Haut – jetzt insbesondere an den Handinnenflächen und den Fußsohlen.

Der Verlauf der Krankheit kann sehr unterschiedlich ausfallen: Mal leiden kleine oder große Patienten an hohem Fieber, starken Schluckbeschwerden, Erbrechen und deutlichem Ausschlag. Andere zeigen einen milderen Verlauf, zum Teil ohne die typischen Symptome.

Komplikationen

Eine Scharlachinfektion kann auch von einer Mittelohrentzündung (Otitis media), einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) oder einer Lungenentzündung (Pneumonie) begleitet sein. Eine weitere Komplikation ist ein Abszess der Gaumenmandeln (Peritonsillarabszess).
Gelangen die Erreger in großer Zahl in die Blutbahn, kann eine lebensbedrohliche Blutvergiftung, das Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrome (STSS) entstehen. Die Symptome sind anfangs unspezifisch: Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Blutdruckabfall, verringerte Harnausscheidung, Blutungsstörungen, Leberfunktionsstörungen, Hautausschlag, Atembeschwerden. Diese Komplikation entwickelt sich zum Glück nur selten, endet in 30 Prozent der Fälle jedoch tödlich. Eine rasche Diagnose und eine intensivmedizinische Behandlung sind daher überlebensnotwendig.

Kind beim Arzt

Folgeerkrankungen

Nach einem Racheninfekt mit Streptokokken kann es mit einer Verzögerung von etwa 19 Tagen zu einem akuten rheumatischen Fieber (ARF) kommen. Die vom Immunsystem zur Abwehr gegen die Streptokokken gebildeten Antikörper reagieren dabei mit körpereigenem Gewebe und können so zum Beispiel zu Herzschäden führen. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war das akute rheumatische Fieber (ARF) eine der führenden Todesursachen bei Kindern und Jugendlichen und zudem die häufigste Ursache von Herzkrankheiten bei jungen Erwachsenen. Aufgrund der Antibiotika-Therapie sieht man dieses Krankheitsbild heute jedoch nur noch selten.

Eine akute Nierenentzündung (Glomerulonephritis) ist bei einem Racheninfekt mit A-Streptokokken nach einer Verzögerung von etwa zehn Tagen möglich. Bei einer Hauterkrankung sogar noch nach drei Wochen.

Auch einige neuropsychiatrische Erkrankungen bei Kindern können unter Umständen auf eine Streptokokken-Infektion zurückzuführen sein: So zum Beispiel die Chorea minor, eine Erkrankung mit Zuckungen und Muskelkrämpfen, oder manche Fälle des Tourette-Syndroms.

Abstrich

Diagnose

Wenn der typische Hautausschlag bei der Vorstellung beim Arzt bereits vorliegt, ist die Diagnose leicht zu stellen. Schwieriger wird es, wenn nur allgemeine Infektzeichen zu finden sind. Scharlach kann auch ohne Mandelentzündung, nach einer Entfernung der Mandeln und selten auch ohne Hautausschlag auftreten. Der Arzt wird den Patienten auf jeden Fall genau untersuchen und dabei auch in den Mund und die Ohren schauen.

Es gibt einen Antigen-Schnelltest zum Nachweis von Streptococcus pyogenes, der als sehr spezifisch aber nicht sensitiv genug gilt, was bedeutet, dass er nicht immer die vorhandene Infektion auch erkennt.

Ist der Antigen-Schnelltest positiv, kann man aber davon ausgehen, dass es sich tatsächlich um A-Streptokokken handelt und eine Therapie mit Antibiotika (üblicherweise Penicillin, Amoxicillin oder Ampicillin, bei Kindern manchmal auch ein Cephalosporin) sollte schnellstmöglich begonnen werden.

Ist er negativ, sollte von einem Rachenabstrich eine Bakterienkultur angelegt werden. Das heißt, die im Abstrich enthaltenen Bakterien werden im Labor angezüchtet. Dies hat den Vorteil, dass die verschiedenen Untergruppen dieser Bakterien diagnostiziert werden können (wichtig ist das zum Beispiel bei gehäuften Infektionen mit diesen Erregern in Gemeinschaftseinrichtungen, wie Kindergärten) und zugleich bestimmt wird, auf welche Antibiotika sie reagieren. Findet das Labor keine A-Streptokokken kann der Arzt eine überflüssige Antibiotika-Therapie vermeiden.

Antikörpernachweise sind nur bei Verdacht auf eine Streptokokken-Folgeerkrankung sinnvoll.

Krankes Kind

Behandlung von Scharlach

Scharlach wird üblicherweise mit Antibiotika behandelt, um Komplikationen und Folgeerkrankungen zu vermeiden und die Ansteckungsgefahr für andere zu reduzieren. Ohne Antibiotika-Therapie ist der Patient bis zu drei Wochen ansteckend, mit Antibiotikum ist die Übertragungsgefahr nach 24 Stunden gebannt.

Gängig ist zum Beispiel eine zehntägige Behandlung mit einem Penicillinpräparat (Penicillin, Amoxicillin oder Ampicillin) in Tabletten- oder Saftform (oral). Alternativ kommt bei Kindern eine fünftägige orale Behandlung mit Cephalosporinen infrage. In besonderen Fällen, zum Beispiel bei Allergien gegen Penicillin kommen auch andere Antibiotika wie Erythromycin zum Einsatz. Der Kinderarzt wird entscheiden, welches Antibiotikum für Ihr Kind das richtige ist.

Zusätzlich können eventuell weitere Maßnahmen nötig sein, um unangenehme Symptome zu lindern: Gurgeln oder Lutschpastillen helfen gegen den Halsschmerz. Vorsicht: Kleine Kinder können beides noch nicht. Wenn Sie sich unsicher sind, fragen Sie daher lieber Ihren Kinderarzt.

Bei einer Körpertemperatur über 38,5° Celsius können auch fiebersenkende Maßnahmen erwogen werden. Dazu gehören neben Wadenwickeln auch Medikamente mit fiebersenkenden Wirkstoffen. Soll bei Kindern das Fieber gesenkt werden, sollten sich Eltern immer zuerst vom Kinderarzt oder Apotheker beraten lassen, welches Arzneimittel in welcher Darreichungsform (zum Beispiel Saft, Tablette oder Zäpfchen) sich für Ihr Kind am besten eignet und welches die korrekte alters- beziehungsweise gewichtsangepasste Dosierung ist.

Kinder unter 12 Jahren sollten keine Acetylsalicylsäure erhalten, da dieser Wirkstoff bei ihnen insbesondere bei Infekten zu schweren Komplikationen (gefährliche Leber- und Gehirnschäden - sogenanntes Reye-Syndrom) führen kann!

Zwar ist die Ansteckungsgefahr bei einer Antibiotika-Einnahme nach 24 Stunden gebannt, doch hat die Erfahrung gezeigt, dass eine Scharlacherkrankung die Kinder so schwächt, dass sie einige Tage lang das Bett hüten sollten. Viel Zuwendung der Betreuungsperson hilft leichter über diese Zwangspause hinweg.

Dank der Therapie mit Antibiotika sind Komplikationen selten geworden und Scharlach heilt in der Regel folgenlos aus. Gesunde Streptokokken-Träger wurden früher auch vorsorglich mit Antibiotika versorgt. Das ist überholt und wird heute als überflüssig erachtet.

Dr. med. Severin Wegerle

Beratende Expertin

Dr. med. Severin Wegerle ist Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektions-Epidemiologie. Nach dem Studium in Münster und München folgte eine zweijährige Weiterbildung in der Inneren Medizin und Infektiologie und die Facharztausbildung in der Mikrobiologie am Max von Pettenkofer Institut in München. Ab 2005 war sie in einem mikrobiologischen Labor mit Schwerpunkt Tuberkulose in Gauting tätig, bevor sie im Frühjahr 2013 ans Max von Pettenkofer Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München zurückkehrte. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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