Pseudokrupp (stenosierende Laryngitis)

Hat ein Kleinkind plötzlich mitten in der Nacht bellenden Husten und Atemnot, handelt es sich meist um Pseudokrupp
aktualisiert am 10.07.2017

Heftiger Husten mit Anfällen von Atemnot – manchmal ist Pseudokrupp die Ursache

iStock/Christopher Bernard

nach obenWas ist Pseudokrupp?

Bei Pseudokrupp ist die Schleimhaut im Kehlkopf entzündet und angeschwollen. Dadurch kommt es zu einer Verengung der Atemwege. Es entstehen Heiserkeit und der typische trockene, bellende Husten. Oft kommt Atemnot mit einem pfeifenden Einatmungsgeräusch hinzu. Sie wird durch Weinen, Schreien, Angst und Aufregung des Kindes verstärkt.

Da kleine Kinder kleine Atemwege haben, sind sie am anfälligsten. Am häufigsten ist Pseudokrupp im Alter von ein bis drei Jahren.

Ursache ist meist ein Erkältungsinfekt durch Viren.

Was tun?

  • Ruhig bleiben und das Kind beruhigen
  • Mit dem Kind auf dem Arm ans offene Fenster treten – kühle, feuchte Luft wird als angenehm empfunden

nach obenWann ist ein Arzt nötig?

  • Wenn Atemnot bestehen bleibt, also die Atmung stark beschleunigt ist und das Kind sich dabei sehr anstrengen muss
  • Wenn das Atemgeräusch auch in Ruhe laut und pfeifend ist
  • Wenn das Kind ängstlich und unruhig oder müde und apathisch wirkt
  • Wenn das Kind hohes Fieber hat und Speichel aus dem Mund laufen lässt
  • Wenn das Kind um Mund und Nase blau oder grau wird. Das deutet auf einen Sauerstoffmangel hin, es besteht Erstickungsgefahr!

Auf jeden Fall den Notarzt rufen, wenn das Kind nur schwer Luft bekommt!

Im Zweifel sollten Eltern lieber einen Arzt alarmieren. Es ist für sie nicht immer leicht erkennbar, ob es sich tatsächlich um Pseudokrupp oder eine andere Erkrankung handelt, die eine spezielle Therapie erfordert.

Es ist aber beruhigend zu wissen: Ein Pseudokruppanfall erscheint für Eltern zwar oft sehr dramatisch. Die Erkrankung klingt aber meist rasch ab.

nach obenUrsachen

Auslöser eines Pseudokrupp sind in der Regel Infektionen mit normalen Erkältungsviren, oft Parainfluenza-Viren. Selten sind bakterielle Erreger oder Allergien die Ursache. Luftschadstoffe oder Tabakrauch begünstigen zumindest das Auftreten der Symptome.

Risikofaktoren

Pseudokrupp tritt vor allem bei Kleinkindern bis zum sechsten Lebensjahr auf, da ihre Atemwege noch sehr eng und klein sind. In der Erkältungssaison, also in Spätherbst und Winter, wird die Erkrankung häufiger beobachtet. Auch ältere Kinder können – selten – die Symptome zeigen.

Bellender "Seehundhusten" kann ein Symptom für Pseudokrupp sein

istock/lightkeeper

nach obenSymptome

Das typische Symptom eines Pseudokrupps ist trockener, bellender Husten (hört sich an wie ein Seehund), der plötzlich nachts losgeht. Oft passiert das "aus heiterem Himmel".

Manchmal gab es schon vorher Erkältungszeichen, dann ist meist auch etwas Fieber messbar.

Typisch sind ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen und Heiserkeit. Oft verstärkt sich das pfeifende Geräusch im Sinne von Atemnot. Verschwindet diese nicht rasch wieder, ist eine sofortige Behandlung durch den Arzt notwendig. Verfärben sich die Lippen und die Gesichtshaut der Kinder bläulich und kommen Bewusstseinstrübung und kalter Schweiß hinzu, besteht sogar Erstickungsgefahr!

Ist das Fieber sehr hoch, weist dies eher auf andere Krankheitsbilder hin. Auch deutliche Schmerzen beim Schlucken sowie ein starker Speichelfluss oder eine kloßige Sprache sind eher ein Hinweis auf eine Kehldeckelentzündung (Epiglottitis). Bei einer Kehldeckelentzündung besteht akute Erstickungsgefahr! Der Patient muss sofort in eine (Kinder-)Klinik. Auf keinen Fall im Rachenraum manipulieren. Die Epiglottitis wird durch das Bakterium Haemophilus influenzae B verursacht und erfordert eine Behandlung mit Antibiotika.

nach obenDiagnose

Der Arzt stellt die Diagnose normalerweise aus der Beobachtung der Atmung und der typischen Symptome. Er wird die Lunge abhören und den Rachenraum inspizieren. Röntgenbilder, Blutabnahmen oder andere Tests sind nur bei Verdacht auch andere Erkrankungen nötig.

Entzündungshemmende Zäpfchen können helfen

W&B/Christine Beckmann

nach obenTherapie

Die Eltern sollten selbst so ruhig wie möglich bleiben und versuchen, auch das betroffene Kind zu beruhigen. Setzen Sie den kleinen Patienten aufrecht hin oder nehmen Sie ihn auf den Arm.

Das Einatmen von kühler, feuchter Luft kann die Beschwerden lindern und wird als angenehm empfunden. Nehmen Sie das – entsprechend angezogene – Kind auf den Arm und treten Sie mit ihm ans geöffnete Fenster. Oder Sie öffnen die Kühlschranktür und setzten sich mit dem Kind davor. Sie können auch ins Bad gehen, dort das Fenster öffnen und warmes Wasser in der Dusche laufen lassen. Versuchen Sie dann, ob es dem Kind Linderung bringt, wenn es den dabei entstehenden feuchten Wasserdampf einatmet. Wissenschaftlich bewiesen ist die Wirksamkeit jeder dieser Maßnahmen nicht, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

Wenn das aber nicht genügend hilft, pfeifende Geräusche beim Einatmen auch in Ruhe auftreten oder das Kind über Atemnot klagt, ist eine Behandlung durch den Arzt notwendig. Er verabreicht ein entsprechendes Kortisonpräparat als Zäpfchen oder Saft, da dies die geschwollenen Schleimhäute abschwellen lässt. Nebenwirkungen durch die einmalige Anwendung des Notfallkortisons gibt es im Normalfall nicht.

Hatte ein Kind schon einmal einen Pseudokruppanfall, haben die Eltern meist eine vom Arzt verordnete Notfallmedikation – oft in Form eines Zäpfchens – zuhause vorrätig. Diese sollten sie bei entsprechenden Symptomen anwenden, wie vom Arzt vorgegeben.

Um die Luftnot zu lindern, kann der Arzt das Kind Adrenalin inhalieren lassen. Adrenalin wirkt abschwellend auf die Schleimhäute und sorgt damit dafür, dass die Atemwege wieder frei werden. Besteht Erstickungsgefahr, muss der Arzt Sauerstoff geben und notfalls einen Schlauch in die Atemwege legen, um eine künstliche Beatmung zu ermöglichen. Dies ist jedoch nur selten erforderlich.

Ein hochgestelltes Kopfteil erleichtert das Atmen bei Erkältungen

istock/Aphrodite74

nach obenVorbeugen

Was können Eltern tun, um Pseudokrupp vorzubeugen? Leider ist der erste Anfall oft nicht zu verhindern, er kommt ohne Vorboten mitten in der Nacht, nachdem am Abend noch alles in Ordnung schien.

Wenn sich aber Vorboten zeigen, oder auch damit weitere Anfälle leichter verlaufen, kann man im Kinderzimmer feuchte Tücher aufhängen und dafür sorgen, dass es nicht zu warm ist. Ausreichendes Trinken und Inhalieren mit Kochsalzlösung – sofern ein elektrisches Inhalationsgerät vorhanden und das Kind alt genug ist – sind bei Husten hilfreich. Es kann auch helfen, den Kopf etwas erhöht zu lagern. Achtung: Bei Säuglingen niemals dicke Kissen verwenden!

Stellt sich im Laufe der Erkrankung dann der "gewöhnliche", lockerere Husten ein, sollten Eltern den kleinen Patienten weiter beobachten und bei längerem oder schwerem Verlauf wieder beim Kinderarzt vorstellen. Nach Reizhustenanfällen kann es lindernd wirken, wenn das Kind in langsamen Schlucken eine kühle Flüssigkeit trinkt, zum Beispiel abgekühlten Tee.

Hintergrund

Unter dem Namen "Krupp-Syndrom" werden verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst, die ähnliche Symptome aufweisen. "Croup" kommt aus dem Schottischen für Heiserkeit. Früher unterschied man genau zwischen dem durch Diphtherie verursachten "echten" Krupp und dem sogenannten Pseudokrupp, also der Kehlkopfentzündung aus anderer Ursache. Seit gegen die Diphtherie geimpft wird, kommt diese Krankheit hierzulande aber kaum noch vor. Deshalb wird die Unterscheidung "echter" Krupp und Pseudokrupp inzwischen vernachlässigt.

Wichtig ist jedoch weiterhin die Abgrenzung des Pseudokrupps von der Kehldeckelentzündung (Epiglottitis, supraglottische Laryngitis). Die Kehldeckelentzündung ruft zwar zunächst ähnliche Symptome wie der Pseudokrupp hervor, hat aber andere Ursachen und muss – auch weil akute Erstickungsgefahr besteht – anders behandelt werden. Gegen Haemophilus influenzae B, den Auslöser der Epiglottitis, kann eine Impfung schützen. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut empfiehlt sie für alle Säuglinge.

Ärzte bezeichnen den Pseudokrupp korrekterweise als "stenosierende Laryngitis" (= verengende Kehlkopfentzündung). Sind neben dem Kehlkopf (Larynx) auch Luftröhre (Trachea) und Luftwege in der Lunge (Bronchien) betroffen, handelt es sich um eine "Laryngotracheitis" oder gar "Laryngotracheobronchitis". Weitere Namen der Krankheit sind "Laryngitis subglottica" oder "subglottische Laryngitis". Auch der Name "Infektkrupp" ist als weitere Krankheitsbezeichnung verbreitet.

Beratender Experte: Dr. med. Guido Krandick

W&B/Privat

nach obenBeratender Experte

Dr. med. Guido Krandick ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Nach Studium in Bonn, Wien und Würzburg folgte eine fast zehnjährige Tätigkeit an der Kinderklinik Schwabing der TU-München. Seit 2000 führt er eine eigene Praxis südlich von München. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Bildnachweis: iStock/Christopher Bernard, W&B/Christine Beckmann, W&B/Privat, istock/Aphrodite74, istock/lightkeeper

Das neue Baby und Familie

BuF Heft Cover plan Oktober 2017

Neuer Look, mehr Lesespaß, mehr Infos »

Das Gesundheitsmagazin aus der Apotheke begleitet Schwangere und junge Eltern durch die wohl schönste und aufregendste Zeit ihres Lebens. Inklusive Kreativheft für Kinder! »

Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß am Laptop

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Mutter mit Kind arbeitet vor dem Laptop

Entwicklungsnewsletter

Erhalten Sie alle zwei Wochen Infos zum ersten Lebensjahr Ihres Kindes »

Zum Thema

Kind mit Husten trinkt Tee

Husten: So helfen Sie Ihrem Kind

Husten ist lästig. Apotheker Ralf Schlenger erklärt, mit welchen Mitteln Sie die Beschwerden Ihres Nachwuchses lindern können »

Mehr auf www.apotheken-umschau.de

Kehlkopf beim Kind

Kehldeckelentzündung (Epiglottitis)

Eine Epiglottitis ist eine Entzündung des Kehldeckels »

Sind Sie empfindsamer, seit sie ein Kind bekommen haben?

Haben Sie Ihr Kind taufen lassen?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages