Pseudokrupp-Anfall - was tun?

Hat ein Kleinkind plötzlich mitten in der Nacht bellenden Husten und Atemnot, handelt es sich meist um Pseudokrupp

aktualisiert am 08.03.2018

Heftiger Husten mit Anfällen von Atemnot – manchmal ist Pseudokrupp die Ursache


Was ist ein Pseudokrupp?

Bei einem Pseudokrupp ist die Schleimhaut im Kehlkopfbereich entzündet und angeschwollen. Dadurch kommt es zu einer Verengung der Atemwege. Ursache ist meist ein Erkältungsinfekt durch Viren. Es entstehen Heiserkeit und der typische trockene, bellende Husten. Oft kommt Atemnot mit einem pfeifenden Einatmungsgeräusch hinzu. Sie wird durch Weinen, Schreien, Angst und Aufregung des Kindes verstärkt.

Da kleine Kinder kleine Atemwege haben, sind sie am anfälligsten. Am häufigsten ist Pseudokrupp im Alter von ein bis drei Jahren.

Was tun? Hausmittel bei Pseudokrupp

  • Ruhig bleiben und das Kind beruhigen
  • Das Kind auf den Arm nehmen oder aufrecht hinsetzen
  • Mit dem – entsprechend bekleideten – Kind ans offene Fenster oder vor den geöffneten Kühlschrank treten – kühle, feuchte Luft wird als angenehm empfunden. Alternativ im Bad das Fenster öffnen, warmes Wasser in der Dusche laufen lassen und das Kind den dabei entstehenden Dampf einatmen lassen. Wer ein elektrisches Inhalationsgerät besitzt, kann das Kind damit Kochsalzlösung inhalieren lassen.

Auf jeden Fall den Notarzt rufen, wenn das Kind nur schwer Luft bekommt oder um Mund um Nase blau oder grau anläuft! Es besteht Erstickungsgefahr!

Außerdem ist ein Arzt sofort notwendig,

  • wenn das Atemgeräusch auch in Ruhe laut und pfeifend ist
  • wenn das Kind ängstlich und unruhig oder müde und apathisch wirkt
  • wenn das Kind hohes Fieber hat und Speichel aus dem Mund laufen lässt
  • die Symptome trotz der genannten Maßnahmen nicht verschwinden

Da es für die Eltern nicht immer erkennbar ist, ob es sich tatsächlich um Pseudokrupp oder eine andere Erkrankung handelt, die eine spezielle Therapie erfordert, sollte bei Verdacht auf einen Pseudokrupp immer ein Arzt zu Rate gezogen und bei Atemnot sogar der Notarzt alarmiert werden.

 

Ursachen

Auslöser eines Pseudokrupp sind in der Regel Infektionen mit normalen Erkältungsviren, oft Parainfluenza-Viren. Selten sind bakterielle Erreger oder Allergien die Ursache. Luftschadstoffe oder Tabakrauch begünstigen zumindest das Auftreten der Symptome.

Risikofaktoren

Pseudokrupp tritt vor allem bei Kleinkindern bis zum sechsten Lebensjahr auf, da ihre Atemwege noch sehr eng und klein sind. In der Erkältungssaison, also in Spätherbst und Winter, wird die Erkrankung häufiger beobachtet. Auch ältere Kinder können – selten – die Symptome zeigen.

Symptome

Das typische Symptom eines Pseudokrupps ist trockener, bellender Husten (hört sich an wie ein Seehund), der plötzlich nachts losgeht. Oft passiert das "aus heiterem Himmel".

Manchmal gab es schon vorher Erkältungszeichen, dann ist meist auch etwas Fieber messbar.

Typisch sind ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen und Heiserkeit. Oft verstärkt sich das pfeifende Geräusch im Sinne von Atemnot. Verschwindet diese nicht rasch wieder, ist eine sofortige Behandlung durch den Arzt notwendig. Verfärben sich die Lippen und die Gesichtshaut der Kinder bläulich und kommen Bewusstseinstrübung und kalter Schweiß hinzu, besteht sogar Erstickungsgefahr!

Ist das Fieber sehr hoch, weist dies eher auf andere Krankheitsbilder hin. Auch deutliche Schmerzen beim Schlucken sowie ein starker Speichelfluss oder eine kloßige Sprache sind eher ein Hinweis auf eine Kehldeckelentzündung (Epiglottitis). Die Epiglottitis wird durch das Bakterium Haemophilus influenzae B verursacht und erfordert eine Behandlung mit Antibiotika.

Bei einer Kehldeckelentzündung besteht akute Erstickungsgefahr! Der Patient muss sofort in eine (Kinder-)Klinik. Auf keinen Fall im Rachenraum manipulieren.

Diagnose

Der Arzt stellt die Diagnose normalerweise anhand der Beobachtung der Atmung und der typischen Symptome. Er wird die Lunge abhören und den Rachenraum inspizieren. Röntgenbilder, Blutabnahmen oder andere Tests sind nur bei Verdacht auf andere Erkrankungen nötig.

Therapie

Die Eltern sollten selbst so ruhig wie möglich bleiben und versuchen, auch das betroffene Kind zu beruhigen. Setzen Sie den kleinen Patienten aufrecht hin oder nehmen Sie ihn auf den Arm.

Das Einatmen von kühler, feuchter Luft kann die Beschwerden lindern und wird als angenehm empfunden. Nehmen Sie das – entsprechend angezogene – Kind auf den Arm und treten Sie mit ihm ans geöffnete Fenster. Oder Sie öffnen die Kühlschranktür und setzten sich mit dem Kind davor. Sie können auch ins Bad gehen, dort das Fenster öffnen und warmes Wasser in der Dusche laufen lassen. Versuchen Sie dann, ob es dem Kind Linderung bringt, wenn es den dabei entstehenden feuchten Wasserdampf einatmet. Wissenschaftlich bewiesen ist die Wirksamkeit jeder dieser Maßnahmen nicht, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

Wenn das aber nicht genügend hilft, pfeifende Geräusche beim Einatmen auch in Ruhe auftreten oder das Kind über Atemnot klagt, ist eine Behandlung durch den Arzt notwendig. Er verabreicht ein entsprechendes Kortisonpräparat als Zäpfchen, Rektalkapsel oder Saft, da dies die Schleimhäute abschwellen lässt. Nebenwirkungen durch die einmalige Anwendung des Notfallkortisons gibt es im Normalfall nicht.

Hatte ein Kind schon einmal einen Pseudokruppanfall, haben die Eltern meist eine vom Arzt verordnete Notfallmedikation – oft in Form eines Zäpfchens – zuhause vorrätig. Diese sollten sie bei entsprechenden Symptomen anwenden, wie vom Arzt vorgegeben.

Um die Luftnot zu lindern, kann der Arzt das Kind Adrenalin inhalieren lassen. Adrenalin wirkt abschwellend auf die Schleimhäute und sorgt damit dafür, dass die Atemwege wieder frei werden. Besteht Erstickungsgefahr, muss der Arzt Sauerstoff geben und notfalls einen Schlauch in die Atemwege legen, um eine künstliche Beatmung zu ermöglichen. Dies ist jedoch nur selten erforderlich.

Was können Eltern tun, um einem Pseudokrupp-Anfall vorzubeugen?

Leider ist der erste Anfall oft nicht zu verhindern, er kommt ohne Vorboten mitten in der Nacht, nachdem am Abend noch alles in Ordnung schien.

Wenn sich aber Vorboten zeigen, oder auch damit weitere Anfälle leichter verlaufen, kann man im Kinderzimmer feuchte Tücher aufhängen und dafür sorgen, dass es nicht zu warm ist. Ausreichendes Trinken und Inhalieren mit Kochsalzlösung – sofern ein elektrisches Inhalationsgerät vorhanden und das Kind alt genug ist – sind bei Husten hilfreich. Es kann auch helfen, den Kopf etwas erhöht zu lagern.

Achtung: Bei Säuglingen niemals dicke Kissen verwenden!

Stellt sich im Laufe der Erkrankung dann der "gewöhnliche", lockerere Husten ein, sollten Eltern den kleinen Patienten weiter beobachten und bei längerem oder schwerem Verlauf wieder beim Kinderarzt vorstellen. Nach Reizhustenanfällen kann es lindernd wirken, wenn das Kind in langsamen Schlucken eine kühle Flüssigkeit trinkt, zum Beispiel abgekühlten Tee.

Hintergrund

Ärzte bezeichnen den Pseudokrupp korrekterweise als "stenosierende Laryngitis" (= verengende Kehlkopfentzündung). Sind neben dem Kehlkopf (Larynx) auch Luftröhre (Trachea) und Luftwege in der Lunge (Bronchien) betroffen, handelt es sich um eine "Laryngotracheitis" oder gar "Laryngotracheobronchitis". Weitere Namen der Krankheit sind "Laryngitis subglottica" oder "subglottische Laryngitis". Auch der Name "Infektkrupp" ist als weitere Krankheitsbezeichnung verbreitet.

Unter dem Namen "Krupp-Syndrom" werden verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst, die ähnliche Symptome aufweisen. "Croup" kommt aus dem Schottischen für Heiserkeit. Früher unterschied man genau zwischen dem durch Diphtherie verursachten "echten" Krupp und dem sogenannten Pseudokrupp, also der Kehlkopfentzündung aus anderer Ursache. Seit gegen die Diphtherie geimpft wird, kommt diese Krankheit hierzulande aber kaum noch vor. Deshalb wird die Unterscheidung "echter" Krupp und Pseudokrupp inzwischen vernachlässigt.

Wichtig ist jedoch weiterhin die Abgrenzung des Pseudokrupps von der Kehldeckelentzündung (Epiglottitis, supraglottische Laryngitis). Die Kehldeckelentzündung ruft zwar zunächst ähnliche Symptome wie der Pseudokrupp hervor, hat aber andere Ursachen und muss – auch weil akute Erstickungsgefahr besteht – anders behandelt werden. Gegen Haemophilus influenzae B, den Auslöser der Epiglottitis, kann eine Impfung schützen. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut empfiehlt sie für alle Säuglinge.

Beratender Experte

Dr. med. Guido Krandick ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Nach Studium in Bonn, Wien und Würzburg folgte eine fast zehnjährige Tätigkeit an der Kinderklinik Schwabing der TU-München. Seit 2000 führt er eine eigene Praxis südlich von München. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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