Wann wieder Sex haben nach der Geburt?

Vielen Frauen fehlt nach der Geburt die Lust auf Sex. Wie finden sie den Weg aus der Flaute – und wann ist Sex überhaupt wieder möglich?

von Svenja Blank, aktualisiert am 14.10.2016

Nach der Geburt kann der Sex schon mal eine Weile auf der Strecke bleiben


Da unten kam es raus, unser ­Baby. Das war unvergesslich, hat aber auch wehgetan. Seitdem fühlt sich für mich vieles anders an. Da unten würde mein Mann ­gerne öfter wieder rein. Ich habe zwar grundsätzlich Lust auf Sex. Aber ich bin müde und gelegentlich nicht locker genug. Unser Baby ist jetzt ein Jahr alt. Und erst allmählich habe ich das Gefühl, dass nach Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit mein Körper endlich wieder mir gehört.

Sex nach der Geburt: Wann geht es wieder?

Rein physiologisch wäre man nach einer Geburt ziemlich schnell wieder bereit für die angeblich ­schönste Sache der Welt. Die ers­ten zwei bis sechs Wochen nach der Niederkunft scheiden Frauen noch Wundsekret aus. "Man sollte abwarten, bis der Ausfluss versiegt ist, weil ­eine geringe Infektions­­gefahr für die Frau besteht, so­lange die Wunden an der Gebär­mutter noch nicht verheilt sind", erklärt Dr. Regina ­Rasenack, Oberärztin an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Freiburg.

Nach spätestens sechs Wochen tut normalerweise auch ein Dammriss nicht mehr weh. ­Ängste, dass die Scheide ausgeleiert sein könnte, sind unbegründet. Manchmal allerdings, so Rasenack, haben Frauen Probleme mit der Feuchtigkeit. Bei Stillenden sinkt nämlich der Östrogenspiegel, das wirkt sich auf die Bildung des Scheiden­­sekrets in den Schleimdrüsen der ­Vagina aus. Dagegen gibt es Hilfsmittel, Gleitgele aus der Apotheke zum Beispiel.

Die Lust auf Sex sinkt nach der Geburt

Aber Erotik scheint ein reichlich langweiliges Kapitel im Leben vieler Eltern zu sein. Besonders, wenn die Kinder noch klein sind. Darüber berichten viele ­­Studien. Ist ja auch nachvollziehbar. Nach der Geburt fühlte ich mich etwa so ­sexy wie ein vietnamesisches Hänge­bauchschweinchen.

Das lag nicht nur am Restschwangerschaftsbauch und dem Dammschnitt. Dazu kam: Ich stillte den ganzen Tag und die Nacht dazu. Die Vorstellung, dass sich nun noch mein Mann meinem Busen nähern würde, animierte mich im Minusbereich. Ehrlich gesagt, machte auch mein Mann keine großen ­Avancen. Er war einfach zu erschöpft. Also kuschelten wir wochenlang unschuldig vor uns hin. Und das war’s.

Auch Männer haben weniger Lust

Dass auch Männer nach der Geburt des Kindes keine Lust auf Sex haben, scheint ein weitverbreitetes Phänomen zu sein. Das offenbarte eine Studie von US-Psychologen, die im Journal of Sexual Medicine veröffentlicht wurde. Eine Untersuchung an der Psychologischen Hoch­schule Berlin bestätigte, dass die Sexualität bei Paaren in den ersten drei Monaten nach der Geburt gegen null tendiert.

Dr. Regina ­Rasenack beobachtet bei jungen Eltern: "Heutzutage gehen nicht nur Frauen, sondern auch Männer in der Elternrolle auf. Die psychosoziale Situation ändert sich massiv. Die Elternrolle ändert die Menschen. Und das mindert in vielen Fällen erst einmal auch die Lust auf Sex." Fragt sich nur, wie lange "erst einmal" währt.

Vielen Paaren fehlt Zeit für sich

Auch die Seele spielt eine ­Rolle. Wenn man sich auf ­eine neue Lebensaufgabe einschwingt, wenn ein neuer kleiner Mensch ­alle Paarroutinen durchbricht, haben Liebende manchmal Wichtigeres zu tun, als an Sex zu denken. Und das, so Rasenack, sei auch normal.

Aber plötzlich ist ein Jahr vorbei. Das Kind schläft endlich durch. Als Familie haben wir uns zurechtgeschüttelt. Aber ich bin froh, wenn mein Mann und ich abends einfach nur schlafen. Dennoch beschleicht mich das ­miese Gefühl: "Eigentlich sollten wir mal wieder Sex miteinander haben." Wie kommt man aus der Lustlos-Falle wieder heraus?

Sex als Glücksfaktor

Das Experiment, das die Amerikanerin Charla Muller begann, klingt erst mal so machbar wie ­eine Mount-Everest-Besteigung für ­einen 90-Jährigen. Charla Muller, Hausfrau und Mutter zweier kleiner Kinder, schenkte ihrem Mann zum 40. Geburtstag, ein Jahr lang mit ihm Sex zu haben. Jeden Tag. Darüber schrieb sie ein Buch, das zum Bestseller wurde.

Natürlich habe es Momente gegeben, wo sie wirklich ­keine Lust hatte und sich fragte, "was für eine blöde Idee das gewesen ist". Das Verblüffende daran: Was sich anließ wie ­eine gequälte Dauerschinderei, entwickelte sich binnen eines Jahres zum Glücksfaktor. Und führte dazu, dass die Beziehung zu ihrem Mann wieder inniger, intimer und harmonischer wurde.

Einfach mal nicht nachdenken

Vielleicht ist es beim Sex wie beim Sport: Anfangs ist es mühsam, irgend­­wann läuft es von selbst. "Das wichtigste Organ für Sex ist das Gehirn", sagt Oberärztin ­Rasenack. Was Frau Muller kann, das kann ich auch. Das Hirn schalte ich jetzt einfach mal aus.

Nicht lang nachdenken. Einfach machen. Den Liebs­ten verführen. Gucken, was passiert. Und das mindestens ein- oder zweimal in der Woche. So oft gehe ich in der Woche zum Joggen. Und wenn ich mir die Schuhe anziehe, stelle ich mir auch nicht ­jedes Mal die Sinnfrage.


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