Sexuell unzufrieden? So steigern Paare die Lust

Nach der ersten Verliebtheitsphase sinkt bei den meisten Paaren oft die Lust im Bett. Wie Sie der Unzufriedenheit beim Sex entgegensteuern, verrät Diplom-Psychologe Dr. Ragnar Beer vom Institut für Psychologie der Universität Göttingen

von Daniela Frank, aktualisiert am 30.08.2018
Paar im Bett

Nach einiger Zeit in der Beziehung sind viele Paare mit ihrem Sexleben unzufrieden


Herr Dr. Beer, warum haben die meisten Paare mit der Zeit viel weniger Sex?

Am Anfang ist die Erregung bei beiden hoch – und damit auch die Toleranz: Da darf beim Sex schon mal was schiefgehen oder ein bisschen wehtun. Außerdem sind die Antennen total auf den Partner ausgerichtet. Man denkt den halben Tag lang drüber nach, was dem anderen gefallen könnte. Da ist die Trefferwahrscheinlichkeit natürlich höher. Dann kommt der Alltag wieder, die rosarote Brille verschwindet, man hat weniger Zeit und macht sich weniger Gedanken. Der Fokus verschiebt sich, ab und zu stört oder fehlt etwas beim Sex – er wird weniger.

Sinkt dann auch die Zufriedenheit?

Die Häufigkeit des Sex hängt schon mit der sexuellen Zufriedenheit zusammen. Entweder, der Sex wird weniger, weil er nicht mehr so viel Spaß macht und man weniger Lust hat. Oder man ist unzufrieden, weil man eigentlich gern mehr hätte. Der typische Verlauf der sexuellen Zufriedenheit in Beziehungen ist eine traurige Kurve: Sie fällt im Laufe der ersten Jahre steil ab und erholt sich nicht wieder.

Vor allem nach einer Geburt haben viele dauerhaft weniger Sex. Warum ist das so?

Bei vielen nimmt die Lust auf Sex schon in der Schwangerschaft stark ab. Männer haben oft Angst, dass ihr Penis zum Baby vordringt – was natürlich nicht so ist. Manche Frauen wollen als Schwangere nicht so gerne berührt werden. Nach der Geburt herrscht bei den Paaren in der Regel ein Riesen-Schlafmangel. Die Mutter bekommt durch das Baby viel Berührung, das reicht ihr oft schon. Außerdem fühlen sich viele Frauen in ihrem Körper noch nicht so wohl. Dass der Sex nach der Geburt für einige Zeit weniger wird, ist also normal. Bei den meisten wird er aber nicht automatisch wieder mehr. Sie haben sich daran gewöhnt. Daran wieder etwas zu ändern fällt schwer.

Ist weniger Sex zu haben generell eine Gefahr für die Beziehung?

Sex ist in der Regel ein wesentliches Standbein einer Beziehung. Sinkt die sexuelle Zufriedenheit, steigt damit auch die Gefahr für einen Seitensprung. Wir haben das untersucht: Die meisten der Untreuen, die wir befragt haben, gaben sexuelle Unzufriedenheit als Grund für den Seitensprung an.

Wie kann ein Paar die sexuelle Zufriedenheit steigern?

Der therapeutische Rat lautet immer: Reden, reden, reden. Das ist auch völlig richtig, die meisten Leute kriegen das nur nicht hin. Viele schaffen es, sich zu vermitteln, dass sie mit ihrem Sexleben unzufrieden sind und etwas getan werden müsste. Dann sollten sie über ihre sexuellen Wünsche reden – so konkret wie möglich, am besten auf das Hier und Jetzt bezogen. Das fällt den meisten aber schwer, sie schämen sich und haben Angst, dass der andere ihre Wünsche ablehnt.

Wie kommt man darüber hinweg – gibt es da Tricks?

Ein guter Weg, dem Partner ohne viele Worte zu vermitteln, was einem gefällt, ist das Stöhnen. Lustvolles Stöhnen signalisiert ihm: Weitermachen! Bleibt es aus, probiert er vielleicht etwas anderes aus. Etwas konkreter und dadurch erfolgversprechender ist es, Wünsche durch Worte wie "schneller", "sanfter" oder "nicht aufhören" auszudrücken. Oder die Hände des Partners dorthin zu führen, wo man sie haben möchte.

Weil auch das vielen schwerfällt, haben wir verschiedene Möglichkeiten entwickelt, die Paaren zum Gespräch verhelfen. Zum Beispiel den kostenlosen Partnerschaftstest "Sexuelle Zufriedenheit", der dazu anregt, über verschiedene Aspekte der eigenen sexuellen Zufriedenheit nachzudenken. Drucken beide Partner ihre Ergebnisse aus, können sie sie als Gesprächsgrundlage verwenden. Außerdem haben wir einen Kartensatz zum Ausdrucken erstellt, der Begriffe enthält, die vielen Menschen beim Sex wichtig sind. Auch ihn können die Partner als Basis für ein Gespräch verwenden. Darüber hinaus bieten wir das kostenpflichtige Ressourcen-Aktivierungs-System (R.A.S.) an.

Wie funktioniert das?

Die Partner brauchen erst einmal nicht miteinander reden – das übernimmt der Computer. Sie geben separat an, was sie sich im Bett wünschen und welche Wünsche sie dem Partner erfüllen würden. Der Computer gleicht die beiden Datensätze ab und verrät dem Partner nur die sexuellen Wünsche, die er auch erfüllen würde. Wünsche, die der Partner nicht erfüllen würde, bleiben geheim. Sie gehen also nicht das Risiko ein, zurückgewiesen zu werden. Obwohl die Partner nicht miteinander gesprochen haben, haben sie anschließend das Gefühl, sich ausgetauscht zu haben und nun mehr über den anderen zu wissen. Deshalb reden sie nach dem Test mehr und freier über Sex.

Gibt es Paare, denen Ihr Programm nicht hilft?

Dass die Auswertung nichts ergibt, was der Partner noch erfüllen würde, ist sehr selten. Aber manchmal gibt es Paare mit sehr unterschiedlichen Wünschen. Simples Beispiel: Der eine will nur Sex im Hellen, der andere nur im Dunkeln. Das kann nicht funktionieren. Außerdem deckt das R.A.S. nicht alles ab: Bei tiefer liegenden Problemen ist ein Therapeut nötig.


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